von Natascha Könches

Einem Menschen in Not muss man helfen – einem Elefanten in Not aber auch! Das finden jedenfalls die Geschwister Joscha und Marie, die eines Abends Elefantenbesuch bekommen. Elefant Abuu ist aus dem Zoo ausgebrochen, um seine Familie in Afrika zu suchen. Ehrensache, dass die beiden ihn dabei begleiten. Es beginnt ein tierisches Abenteuer für Kindergarten- und Grundschulkinder und ihre neugierigen Vorleser.

Scherz, Oliver (Text) / Scholz, Barbara (Bild): Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika.
Thienemann-Esslinger, Stuttgart 2014.
112 S., geb. Ausg., 12,99 €.
ISBN 978-3522183369

Inhalt

Der siebenjährige Joscha und seine zwei Jahre jüngere Schwester Marie liegen schon im Bett, als plötzlich ein Elefant ans Fenster klopft. Der graue Riese ist aus dem Zoo ausgebrochen und will sich zu seiner Familie nach Afrika durchschlagen. Aber dazu braucht er die Hilfe von Joscha und Marie, denn eigentlich hat Zooelefant Abuu keine Ahnung, wo Afrika überhaupt liegt. Die Geschwister sind bereit, Abuu zu begleiten und begeben sich mit ihm auf eine abenteuerliche Reise. Dabei begegnen sie listigen und lustigen Tieren, durchqueren ein Gebirge und fahren über das Meer, verirren sich in der Wüste und entdecken den Dschungel. Die drei Abenteurer kommen schließlich in der Steppe von Afrika an und begegnen einer Elefantenherde: Abuus Familie!

Kritik

Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika steht auf dem Zettel, den Joscha und Marie ihren Eltern hinterlassen. Genauso unkompliziert wie die Nachricht an die Eltern liest sich das gesamte Buch: Skurrile Einfälle treffen auf eine kindgerechte Erzählweise und sorgen von Anfang bis Ende für gute Unterhaltung.

Der heterodiegetische Erzähler entführt in eine Welt, in der Gesetzmäßigkeiten und Logik untergeordnet scheinen. Abuu wird als "Hauswand mit Gebüsch" getarnt, Joscha berechnet für einhundert Kilometer zu Fuß zwei Stunden und Schlangen fallen sprachlos von den Bäumen. Und das macht vor allem eins: Richtig viel Spaß!

Oliver Scherz versteht, was Kinder zum Lachen bringt. So betrachten beispielweise die Schimpansen im Dschungel verwundert Joscha: "Kein Affenschwanz ist an ihm zu sehen und noch nicht einmal ein bisschen Fell". Und der furchteinflößende Bär aus dem Gebirge will wissen, ob Bären und Geschwister eigentlich Feinde sind. Die niedlichen  kolorierten Illustrationen von Barbara Scholz bringen den Betrachter zusätzlich zum Schmunzeln und nehmen unheimlichen Szenen das Bedrohliche.

Auch Erwachsene dürften sich beim Vorlesen des Buches amüsieren. Zum Beispiel, wenn das Wohnzimmer "bunt bespritzt wie nach der größten Farbenschlacht" ist und dazu nüchtern angemerkt wird: "Da trifft es sich ganz gut, dass man nach Afrika aufbricht". Dass sich Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika besonders gut zum Vorlesen eignet, hängt vermutlich damit zusammen, dass der Autor Oliver Scherz ein ausgebildeter Schauspieler ist. Bei Lesungen begeistert er das gesamte Publikum jedoch nicht nur mit seinen Geschichten, sondern auch durch seine musikalische Untermalung mit Gitarre und Gesang.

Ein ernster Unterton wird im Buch angeschlagen, wenn der Umgang des Menschen mit Tieren beleuchtet wird. Abuu erzählt Joscha und Marie, dass Elefanten wegen ihrer Stoßzähne gejagt werden. Auch die Haltung von Tieren in Zoos wird in Frage gestellt. Einige der wilden Tiere haben Vorurteile gegenüber fremdbestimmten Zootieren. Abuus Eindrücke in Freiheit geben einen Einblick, wie das Leben im Zoo ein Tier prägen kann: "Das Leben in den Bergen macht einen ziemlich ungemütlichen Eindruck auf ihn und er fragt sich, wer hier wohl am Morgen das Frühstück bringt."

Leider fällt beim Lesen unangenehm auf, dass Afrika durchgängig als Land und nicht als Kontinent bezeichnet wird. Dies könnte bei Kindern zu einer falschen Vorstellung über Afrika führen. Ein Rezensent auf Amazon.de stellt zudem fest, dass indische statt afrikanische Elefanten zur Illustration gezeichnet wurden. (1) Auch wenn dies sicherlich nicht von allen großen und kleinen Lesern bemerkt wird, sind derlei Nachlässigkeiten bedauerlich.

Abgesehen von diesen beiden Mankos ist die Geschichte um den Zooelefanten Abuu ein äußerst unterhaltsames Kinderbuch. Spaß und Abenteuerlust stehen im Vordergrund, ohne dass jedes Detail pädagogisiert wird. Wie realistisch die Geschichte ist? Das bleibt der Fantasie eines jeden Lesers selbst überlassen.

Fazit

Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika besticht durch den naiven und liebenswerten Elefanten Abuu, der mit unverwüstlicher Zuversicht durch die Welt geht und so für allerhand lustige Situationen sorgt. Themen wie Familie, Freundschaft, Heimat und Selbstbestimmung werden auf kindgerechte Weise angesprochen. Die tierisch-komische Geschichte erscheint besonders geeignet für gemeinsame Vorlesestunden. Vom Verlag wird sie für Kinder ab sechs Jahren empfohlen, aber auch Vier- oder Fünfjährigen dürfte es gefallen, das Buch vorgelesen zu bekommen, da die Protagonistin Marie selbst fünf Jahre alt ist. Für absolute Leseanfänger enthält das Buch jedoch zu lange und zu schwierige Textpassagen, um es eigenständig zu lesen.

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(1)  Verfügbar unter: http://www.amazon.de/product-reviews/3522183363/ref=cm_cr_dp_hist_one?ie=UTF8&filterBy=addOneStar&showViewpoints=0 (Stand: 18.08.2014).

 

 

 


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