von Anne-Kathrin Mende

Ob als Rennfahrer, Erfinder der Pommes frites oder Musikmanager: Der wohl bekannteste Seebär des deutschen Kinderfernsehens macht stets eine gute Figur. Bei dem von Bernhard Lassahn geschriebenen Kinderbuch Käpt'n Blaubärs Gutenachtgeschichten handelt es sich um 35 spannende, witzige, aber auch äußerst skurrile Abenteuer aus dem Leben der blauen Kultfigur für Leser aller Altersstufen.

Lassahn, Bernhard und Moers, Walter: Käpt'n Blaubärs Gutenachtgeschichten
Aus dem Amerikanischen von Gerda Bean
Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 1997
142 S., ab 9,91 €
ISBN: 3473345962

Inhalt
Das Buch Käpt'n Blaubärs Gutenachtgeschichten umfasst 35 Kurzgeschichten, in denen der Protagonist Käpt’n Blaubär seinen Enkeln, den drei Bärchen, von seinen Abenteuern auf hoher See berichtet. Jede der Geschichten endet damit, dass er die drei Bärchen auffordert, schlafen zu gehen.

Im Rahmen der Erzählungen schildert Käpt'n Blaubär, wie er allein oder in Begleitung seines "Leichtmatrosen" Hein Blöd zahlreiche reale und erfundene Meere, Orte und Länder bereist, die dem Leser sowohl aus seinem eigenen Leben und Erfahrungsschatz als auch z.B. aus Märchen vertraut sein dürften. (Angemerkt werden muss an dieser Stelle, dass in diesen Geschichten noch nicht vom Kontinent Zamonien die Rede ist, der das erste Mal in Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär auftaucht.) Die Abenteuer, die Käpt'n Blaubär erlebt, sind oft verknüpft mit auftretenden Schwierigkeiten, die mittels Kreativität und Ideenreichtum gelöst werden. So segelt Käpt'n Blaubär z.B. in den Gutenachtgeschichten als Krokodilstränensammler zum Amazonas, besucht als ehrenamtlicher Ernährungsberater das Schlaraffenland und klopft als Äquator-Kontrolleur die Beulen aus dem Äquator heraus.

Darüber hinaus erfahren die Enkel auch von ihrem Opa, dass er nicht nur ein erfahrener Seemann und erprobter Abenteurer, sondern auch ein Entdecker und Forscher ist. So klärt er sie darüber auf, dass sich Irrlichter von Taschenlampenbatterien ernähren, Gespenster äußerst schreckhaft sind und gern Mau-Mau und Canasta spielen, das achte Weltmeer wortwörtlich von Waschbären von der Landkarte geputzt wurde und die biblische Sintflut von den äußerst zart besaiteten und stets den Tränen nahen Tränentieren ausgelöst wurde.

Kritik
Käpt'n Blaubär, der es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, ist eine Schöpfung des deutschen Autors, Comiczeichners und Illustrators Walter Moers. Gemeinsam mit den Autoren Bernhard Lassahn und Rolf Silber wurden die Figuren des blauen Bären, seiner Enkel sowie die seines treuen, wenn auch stets äußerst begriffsstutzigen Matrosen Hein Blöd weiterentwickelt. In den 1990er Jahren entstand neben einer Vielzahl von Kinderbüchern über den zur See fahrenden Bären ebenfalls die seit 1990 ausgestrahlte Serie "Käpt’n Blaubär", die sich als fester Bestandteil der Kindersendung "Die Sendung mit der Maus" etabliert hat (vgl. Käpt'n Blaubär. Kultfigur: Der sympathische Lügenbär).

Die Bücher über die Geschichten des Käpt'n Blaubär entstanden jedoch nicht alle aus der Zusammenarbeit der drei Autoren. Von Lassahn stammen neben dem Buch Käpt'n Blaubärs Gutenachtgeschichten, das 1997 erschien, insgesamt acht weitere Käpt'n Blaubär-Bücher, die er ohne seine Co-Autoren schrieb. Zu diesen zählen unter anderem Käpt'n Blaubärs Geschichtenbuch (1991), Käpt'n Blaubärs Seebär-Geschichten (1993), Käpt'n Blaubärs Lügengeschichten (1994) und Käpt'n Blaubärs Lieblingsgeschichten (1995) (vgl. dazu Baselau 2014).

Die 35 Kurzgeschichten im vorliegenden Band sind in sich abgeschlossene, nicht aufeinander aufbauende und in einfacher Sprache gehaltene Erzählungen, die sich aufgrund dessen als Einschlafgeschichten für jüngere Kinder gut eignen. Was die Bild-Text-Interdependenz betrifft, so stehen Text- und Bildebene in einer dialogischen Beziehung und ergänzen einander durch ihre Parallelität. Aus diesem Grund sind die ansprechenden farbig gehaltenen Zeichnungen von Ali Dieler, die die Abenteuer des Protagonisten für die Leser bildhaft darstellen, auch eine Bereicherung.

Egal wie skurril und unwahrscheinlich die Abenteuer des blauen Bären auch klingen mögen, so wirken sie dennoch nie völlig entrückt und zu absurd, als dass man sich dem Weiterlesen verweigert. Der Autor versteht es, bei seinem jungen Publikum Interesse zu wecken und es für die Abenteuer des Käpt’n Blaubär zu begeistern, indem er seinen Erzählstil durch Worte anreichert, die der Seemannssprache entnommen sind.

Auch wenn aufgrund der zum Teil maßlosen Übertreibungen und der offensichtlichen Abwegigkeit der geschilderten Handlungen ersichtlich sein sollte, dass es sich bei den Erzählungen lediglich um fantasievolle Geschichten handelt, ist es gerade bei sehr jungen Lesern dennoch ratsam, dass deren Eltern gemeinsam mit ihnen über das (Vor-)Gelesene reflektieren.

Fazit
Märchen und Geschichten sowie das Ritual des Gutenachtgeschichtenvorlesens sind und bleiben feste Bestandteile der kindlichen Lebenswelt, verlieren somit auch nie an Aktualität und Relevanz. Bernhard Lassahn ist mit seinen Erzählungen über eine der wohl bekanntesten Figuren des deutschen Kinderfernsehens eine äußerst facettenreiche Sammlung von Gutenachtgeschichten für Kinder gelungen. Das Buch Käpt'n Blaubärs Gutenachtgeschichten wurde zwar bereits 1997 veröffentlicht und zählt somit keineswegs zu den Neuheiten auf dem deutschen Kinderbuchmarkt, aber da die Geschichten des blauen Seebären zeitlos sind und über all die Jahre nicht an Charme verloren haben, sind sie auch heute noch vor allem für Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren empfehlenswert.

Literatur
Käpt’n Blaubär. Kultfigur: Der sympathische Lügenbär.
http://www.wdr-mediagroup.com/programmvermarktung/markenportfolio/kaeptn-blaubaer/ (04.08.2014).
Baselau, Ulrich H.: Autoren-Portrait: Bernhard Lassahn. http://www.ajum.de/html/j-j/pdf/0602_lassahn-bernhard.pdf (04.08.2014).

Newsletter


Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

August 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
31 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3