Dietrich-Lüders, Monika: Ella und Max... Auf der Spur des Voodoo-Zaubers

von  Dr. phil. Sabine Planka

Ella und Max sind beste Freunde. Als ihr Klassenkamerad Georg sich seltsam benimmt, spionieren sie ihm nach und erkennen, dass er in Voodoo-Zauberei involviert ist. Als dann auch noch ihre Englischlehrerin, die ihnen nicht sympathisch ist, scheinbar von Verbrechern bedroht wird, werden die letzten beiden Wochen vor den Sommerferien für Ella und Max wahrlich turbulent.

Dietrich-Lüders, Monika: Ella und Max… Auf der Spur des Voodoo-Zaubers
151 S., 12,80 €
Sujet Verlag, Bremen 2011
ISBN 978-3-933995-74-2

ab 12 Jahren 

Inhalt
Ella und Max stellen fest, dass sich Georg seltsam benimmt und unter Verfolgungswahn zu leiden scheint: Dauernd schaut er sich um, versteckt seine Sachen in seinem Baumhaus und sich selbst in einer kleinen Hütte in einem Haus außerhalb der Stadt. Ella und Max spionieren ihm hinterher und entdecken immer mehr Merkwürdigkeiten, bis sie Georg schließlich aus dieser Hütte retten, die durch einen Blitzeinschlag in Brand geraten ist. Georg erkennt, dass Ella und Max ihm helfen wollen und vertraut sich ihnen an: Sein Stiefvater in spe ist der berühmte Professor Hermann Grillo, der sich mit Voodoo-Zauber beschäftigt und den Ellas Mutter, von Beruf Journalistin, zu dem Thema interviewen will. Grillo will Georg loswerden und mit Georgs Mutter allein ein neues Leben in Brasilien beginnen, wo er selbst schon seit Jahren lebt. Georg hat in diesen Zukunftsplänen keinen Platz, weshalb Grillo ihn mit Voodoo-Zauber 'gefügig' machen und in ein Internat abschieben will.

In einem zweiten Handlungsstrang sind Ella und Max damit konfrontiert, dass ihre Englischlehrerin Frau Lauterstein, die ihnen nicht sonderlich sympathisch ist, da sie ihnen viel zu streng und unnahbar ist, anscheinend von Verbrechern verfolgt wird. Ella und Max spionieren auch ihr hinterher und identifizieren einen der Verbrecher, der sich an Frau Lautersteins Auto zu schaffen macht. Als sie ihn verfolgen und herausfinden, wo er wohnt, müssen sie sich plötzlich verstecken – als einziges Versteck kommt dessen Laderaum im Auto in Frage. Als sie am Haus ihrer Englischlehrerin das Auto verlassen können und sehen, dass der „Täter“ ins Haus einsteigt, gelingt es ihnen, die Englischlehrerin, die gerade nach Hause kommt, zu warnen – und müssen feststellen, dass sie den vermeintlichen "Täter" kennt: Es ist ein Kollege einer anderen Schule, mit dem sie zusammen in einer Theatergruppe spielt und für ein Theaterstück probt. Ella und Max sind überrascht, da sie das ihrer sonst sehr distanziert wirkenden Lehrerin gar nicht zugetraut haben und sie plötzlich mehr und mehr mögen.

Das hat wiederum Einfluss auf das Geschehen um Georg: Nachdem Ella, Max und Georg zusammen einen Plan geschmiedet haben, wie man Hermann Grillo überführen kann und Georg am darauffolgenden Tag weder ans Telefon geht noch in die Schule kommt, weihen sie Frau Lauterstein ein, die sofort bei Georg anruft und dessen Mutter am Telefon hat, die nun aufgrund der Beweise, die Georg, Ella und Max gesammelt haben, erkennt, dass Hermann Grillo sein Wissen missbraucht hat, um Georg loszuwerden.

Kritik
Monika Dietrich-Lüders hat mit Ella und Max… Auf der Spur des Voodoo-Zaubers eine Geschichte für männliche und weibliche Leser vorgelegt, dessen Handlung sich logisch entwickelt und konsequent dem Höhepunkt entgegen strebt, der die Handlungsstränge auflöst und keine Fragen offen lässt. Steht die Handlung um Georg im Mittelpunkt, so sind auch die Ereignisse um die Englischlehrerin wichtig, wird sie doch schlussendlich zu einer wichtigen Ansprechpartnerin für die Protagonisten Ella und Max, die zur Identifikation einladen. Es ist ein heterodiegetischer Erzähler, der überwiegend Ellas und Max‘ Sicht der Dinge schildert, aber auch Georgs Eindrücke vermittelt und so das Innenleben der Figuren transparent macht, die in ihrer Konzeption überzeugen und mit individuellen Charakteristika aufwarten.

Thematisch erweist sich Dietrich-Lüders Roman als äußerst vielschichtig, im Zentrum steht aber wohl das Thema des Vertrauens, das auf mehreren Ebenen den Roman durchzieht. Zunächst ist es das Vertrauen und der Zusammenhalt in der Familie, der wichtig nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene ist. Kein Kind sollte mit seinen Problemen alleine sein, wenn es Freunde und Familienmitglieder gibt, denen man vertraut und denen man sich anvertrauen kann mit Nöten und Sorgen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass auch Erwachsene/Eltern ihren Kindern zuhören und ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen. Damit verknüpft ist der Bereich des Vertrauens und der Aufmerksamkeit am Gegenüber, zwei Eigenschaften, die besonders den beiden Protagonisten Ella und Max zugeschrieben werden: Ella und Max machen sich Sorgen, nicht nur um Georg, sondern auch um ihre Englischlehrerin, die sich merkwürdig verhält und scheinbar von Verbrechern belästigt wird. Ella und Max spionieren einem der "Täter" hinterher und müssen erkennen, dass sie die ganze Situation missinterpretiert haben: Anstatt von Verbrechern bedroht zu werden, spielt Frau Lauterstein in ihrer Freizeit Theater – und ist keineswegs verärgert, sondern erfreut darüber, dass sich Ella und Max ihretwegen gesorgt haben. Gleichzeitig eröffnet sich hier ein neues Themengebiet: Man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen, sondern miteinander reden, um Missverständnissen vorzubeugen. Sie ist es dann auch, die Ella und Max dafür lobt, dass sie eben nicht weggeschaut haben, sondern sich eingesetzt haben und aktiv geworden sind, so dass sie mehr über ihr Gegenüber erfahren haben.

Ein weiteres Themengebiet wird um Georg eröffnet, das vermutlich einigen LeserInnen bekannt vorkommen wird: das der Patchworkfamilie, das kombiniert wird mit der Tatsache, dass Wünsche und Ängste von Kindern im Vorfeld nicht ernst genommen oder berücksichtigt werden. Dass Georg nicht mit nach Brasilien will, ignoriert seine Mutter und stürzt sich in die Vorbereitungen zur Auswanderung, anstatt mit Georg über seine Bedenken zu reden. So hat sein Stiefvater in spe leichtes Spiel, um Georg loszuwerden, der sich zunehmend isoliert sieht.

Der von Grillo eingesetzte Voodoo-Zauber fungiert somit im Rahmen der Handlung als Folie, um verschiedenste Interessen und Motivationen zu legitimieren: Ellas Mutter als Journalistin hat ein berufliches Interesse an dem Thema und will Hermann Grillo zu dem Thema interviewen. Dieser nutzt sein Wissen um den Zauber, um Georg zunehmend zu isolieren, so dass er in ein Internat 'abgeschoben' werden kann und den Auswandererplänen nicht im Wege steht. Und Ella und Max nutzen ihr Wissen, das sie sich in der Landesbibliothek angelesen haben, um Georg schließlich zur Seite zu stehen, um Grillo eine Falle zu stellen und so seine wahren Motive zu entlarven und um gleichzeitig Georgs Mutter zu eröffnen, dass Grillo nicht der Mann ist, der er vorgibt zu sein.

Dietrich-Lüders Buch ist zudem 2013 in der Reihe "Texte.Medien" des Schroedel Schulbuchverlages erschienen und enthält Materialien für den Unterricht sowie ein Begleitheft für LehrerInnen und ein Lesetagebuch für Schüler, so dass das Buch im Unterricht der 5. und 6. Klasse eingesetzt werden kann.

Fazit
Monika Dietrich-Lüders hat mit Ella und Max… Auf der Spur des Voodoo-Zaubers einen komplexen überzeugenden Roman für LeserInnen ab 12 Jahren geschrieben, der verdeutlicht, dass es sich einerseits lohnt, sich anderen anzuvertrauen, um seine Sorgen und Probleme nicht allein mit sich herumzutragen. Andererseits zeigt  sie , dass es einfacher ist, Sorgen und Nöte zu teilen, um sich nicht selbst zu quälen oder zu isolieren. Gleichzeitig greift sie auch das Thema der Vorurteile auf und zeigt, dass sich diese selten bewahrheiten, sondern die Realität anders ist, als sie vordergründig zu sein scheint.

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