von Sabine Planka

Wenn man das Tierretter-Gen besitzt, ist klar, dass man Tieren helfen und sie retten muss. Das steht für Matilda Mandelbaum fest, die zusammen mit ihrer besten Freundin Jette Pfeifer die Tierretter-Zentrale "Zwei Freunde für vier Pfoten" gründet – und direkt mit dem Kater mit dem bezeichnenden Namen Muskelkater ihren ersten Fall haben. Der hat nämlich Angst vor Staubsaugern. Und Matilda und Jette wollen ihn kurieren. Ein turbulentes Abenteuer für Leser ab 8 Jahren.

Kientsch, Sonja Maren: 2 Freunde für 4 Pfoten. Bd. 1: Das Katerkuddelmuddel
Ill. v. Raimund Frey
156 S., 9,95 €
Loewe, Bindlach 2016
ISBN 978-3-7855-8458-3
ab 8 Jahren
 

Inhalt
Als Matilda im Tante-Anna-Laden ein Eis kaufen will, trifft sie zufällig Frau Stritzelberger, die mit ihrem Katzenkind Muskelkater Probleme hat: Es hat Angst vor dem Lärm des Staubsaugers – und Frau Stritzelberger braucht unbedingt einen Tierflüsterer, der ihren Muskelkater kuriert. Da ist Matilda genau die richtige! Kurzerhand holt sie Muskelkater ab und nimmt ihn mit zu sich nach Hause, wo sie zusammen mit ihrer Freundin Jette dem Kater die Angst ausflüstern will.

Es scheint zu klappen und Matilda will Muskelkater für eine weitere Sitzung zu sich nach Hause holen, doch es kommt – natürlich – alles anders als geplant: Sie soll neue Mieter in Empfang nehmen, bis ihre Mutter nach Hause kommt, und will Muskelkater bei ihrer Großmutter unterbringen. Doch der entwischt und vereitelt den Plan, das kleine Häuschen neben dem Haupthaus zu vermieten. Matildas Mutter ist wütend über den Kater, den Matilda einfach mit nach Hause gebracht hat – und wird noch wütender, als sie erfährt, dass Matilda ihre Mathearbeit verhauen hat. Matilda soll zur Strafe Mathe lernen, jeden Tag zwei Stunden. Zum Glück darf sie mit Jette am Fluss lernen – wo das Abenteuer seinen Lauf nimmt, als sie zwei Jungs aus ihrer Schule beobachten, die mit Feuerwerksraketen hantieren. Eine der Raketen erweist sich als Querschläger und entflammt eine Holzhütte – in der ein Hund eingesperrt ist. Und der muss gerettet werden…

 

Kritik
Retrospektiv lässt Sonja Kientsch ihre Protagonistin Matilda als autodiegetische Erzählerin von ihrem Abenteuer berichten, das sie mit Jette und Muskelkater und später auch Alaska erlebt. Die Handlung, die durch Schwarzweißzeichnungen von Reimund Frey unterhaltsam illustriert wird, ist stringent erzählt. Die Ereignisse bauen logisch aufeinander auf, so dass eine spannende, dem Höhepunkt konsequent zustrebende Geschichte erzählt wird. Die Handlungsstruktur ist so angelegt, dass vermutlich weitere Abenteuer von Matilda und Jette folgen werden, es sich also hier wieder um eine Kinderbuchreihe handelt, die in diesem Band ihren Grundstein findet.

Thematisch wird die Tierliebe und damit verbunden die Tierrettung, respektive die Hilfe für Tiere in den Fokus gerückt, ein traditionelles Thema, das Eingang gefunden hat in zahlreiche andere Kinderbücher. Den (oftmals weiblichen) Protagonisten ist gemeinsam, dass sie sich für die Belange von Tieren einsetzen, was oft für skurrile, mitunter aber auch zu – der Narration geschuldeten – gefährlichen Abenteuern führt. So rettet Matilda, die als Identifikationsfigur für Kinder fungiert, zusammen mit Jette den Hund aus einer brennenden Hütte und darf Alaska später sogar behalten, da der Besitzer ihn nicht mehr haben will. Die Handlung entpuppt sich somit als Abenteuerhandlung, die entsprechende Strukturen aufweist: Die Erzählstruktur ist auf Spannung angelegt, einzelne Ereignisse bauen aufeinander auf und lassen so eine Ereigniskette entstehen, die den Leser in die Handlung hineinzieht. Die Protagonistinnen wachsen an ihren Aufgaben und lernen, Verantwortung zu übernehmen, was sich schlussendlich auch darin zeigt, dass sich – so ganz nebenbei – die Mathelernerei für Matilda gelohnt hat und sie in der Schule ebenfalls Erfolg hat.

Auf Figurenebene überzeugen entsprechend Matilda und auch Jette sowie deren Schwester, das Au-Pair-Mädchen und auch Matildas Eltern. Während Matilda und Jette nichts anderes als Tiere im Kopf haben, setzen ihre Eltern auf die Vernunft und reagieren entsprechend wütend, als sie von der verhauenen Mathearbeit erfahren. Zudem ist die Familienkonstellation interessant: Matildas Vater ist arbeitslos – zahlreiche Bewerbungen sind vergeblich – und ihre Mutter verdient das Geld, mit dem die Familie ernährt wird. Damit spiegelt der Roman gegenwärtige gesellschaftliche Verhältnisse wider, in denen nicht nur Mütter (zwangsweise) zu Hause bleiben, sondern auch Väter zu Hause bleiben (müssen).

Fazit
2 Freunde für 4 Pfoten: Das Katerkuddelmuddel ist der gelungene Auftakt einer Reihe um Matilda Mandelbaum und ihre Freundin Jette – und natürlich auch um den von ihr geretteten Hund Alaska – für LeserInnen ab 8 Jahren, der unterhaltsam eine spannende Abenteuergeschichte erzählt, zudem für Tierschutz und Tierrettung sensibilisiert und damit sicher den Lesebedürfnissen vieler Kinder nachkommt.

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