von Magdalena Steinhagen

In einer tief verschneiten Nacht stolpert der Waisenjunge Krabat der Mühle im Koselbruch entgegen, nicht ahnend, was ihn dort erwarten wird. Dort angekommen begibt er sich in die Obhut des einäugigen Meisters und wird zunächst Lehrjunge, dann Geselle in schwarzer Magie. Lange Zeit genießt Krabat sein neues, aufregendes Leben, bis ihm das Ganze schließlich unheimlich wird. Schließlich muss er sich für den Kampf gegen das Böse rüsten.

Preußler, Otfried: Krabat.
Thienemann, Stuttgart 2008.
269 S., 9,95 €
ISBN 978-3522181594

Inhalt

Die geheimnisvolle Mühle im Koselbruch, Hauptschauplatz des Romans, liegt umgeben von Wäldern ganz in der Nähe des Städtchens Schwarzkolm. Die Einwohner meiden den Koselbruch und ein alter Bauer rät Krabat ängstlich davon ab, diesen Ort aufzusuchen:

"Ich möchte dich warnen, Junge. Meide den Koselbruch und die Mühle am Schwarzen Wasser, es ist nicht geheuer dort ..."

Mit der Ankunft in der Mühle wird Krabat bald der zwölfte Geselle des Meisters, welcher die Jungen nicht nur das Handwerk eines Müllers lehrt, sondern diese auch in der schwarzen Magie unterrichtet. Jeden Freitag verwandeln sich Krabat und die anderen Gesellen in Raben und lauschen dergestalt bei Kerzenschein den dunklen Zaubersprüchen aus dem verbotenen Buch Koraktor.

Das Zusammenleben der Gesellen in der Mühle steht ganz im Zeichen der Gemeinschaft. Jeden Morgen frühstücken die Müllersknappen Hafergrütze aus einer großen Schüssel, um daraufhin den Tag über zusammen zu arbeiten und in der Nacht gemeinsam auf dem Dachboden zu schlafen. Freundschaft und Hilfsbereitschaft stellen wichtige Motive in Preußlers Jugendroman dar, die aber einer steten Gefahr durch den alten Meister ausgesetzt sind, welcher seine Augen und Ohren überall zu haben scheint.

"Eines Morgens war Krabat damit beschäftigt, den Zugang zum Brunnen freizuschaufeln. […] Krabat musste die Zähne zusammenbeißen, bei jedem Schaufelwurf spürte er einen stechenden Schmerz im Kreuz. Da kam Tonda zu ihm heraus. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie alleine waren, legte er ihm die Hand auf die Schulter.
"Nicht aufgeben Krabat ..."
Da war es dem Jungen, als fließe ihm neue Kraft zu. Die Schmerzen waren wie weggeblasen […].
"Der Meister darf es nicht merken", bat er ihn […]."

Mit dem Erlernen der Zauberkunst gelangt Krabat bald zu neuen Kräften und findet Gefallen am Leben in der Mühle. Dies ändert sich mit dem plötzlichen Tod des Altgesellen Tonda – ein schrecklicher Verdacht wird in Krabat geweckt und verlangt nach einer Entscheidung …

Kritik

Nach einer Reihe erfolgreicher Kinderbücher verfasste Otfried Preußler mit Krabat sein erstes Jugendbuch. Jahrelang tat sich Preußler schwer damit, für die Geschichte um Krabat, welche einem Sagenstoff aus den Lausitzer Wenden entstammt, eine geeignete Umsetzung zu finden. Nach zehnjährigem Ringen mit dem Stoff veröffentlichte Preußler den Roman 1971 im Arena Verlag. Krabat ist heute ein Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, der in keinem Kinderzimmer fehlen sollte.

Preußler erzählt die Geschichte um Krabat und seine Gefährten in kurzen, einfach gehaltenen Sätzen und sorgt für Abwechslung, indem er in die auktorial erzählte Rahmenhandlung immer wieder Dialogpassagen und Traumsequenzen Krabats  miteinfließen lässt. Der Zeitraum der Erzählung umfasst ganze neun Jahre, so dass ein flottes Erzähltempo die verschiedenen Ereignisse relativ rasch aufeinander folgen lässt.

Auch wenn der Roman eine klassische Konfrontation von Gut und Böse in den Vordergrund rückt, verwischen diese Grenzen doch in vielen Alltagssituationen und gehen in Grauschattierungen über. So ist die Rolle der Magie eine äußerst ambivalente: Einerseits Spender von Energie und Ursache für allerlei Schabernack, findet sich in ihr auf der anderen Seite aber auch die Ursache allen Übels. Der Roman verhandelt so, trotz seiner Einbettung in eine phantastische Welt, Fragestellungen, die auch jenseits alles Literarischen immer noch von hoher Aktualität sind.

Fazit

Otfried Preußlers Roman Krabat vermag es durch eine schaurige Handlung zu fesseln und bereitet Jugendlichen ab 14 Jahren ein spannendes Lesevergnügen. Mit der Konfrontation des jungen Helden mit den Verlockungen durch das Böse behandelt der Roman eine zeitlose Thematik, welche diesem Tiefe und Komplexität verleiht.


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