von Sabine Planka

Elanus ist Jonas ganzer Stolz. Der hochbegabte 'Neustudent' lässt die selbstgebaute und programmierte Drohne durch Rothenheim fliegen, der Stadt, in der er die Victor-Franz-Hess-Privatuniversität besuchen soll, und spioniert andere Leute aus. Was zunächst als Spaß beginnt, wird bald für Jona bitterer Ernst – und ganz schnell zu einem Spiel um Leben und Tod. Ein spannender Technikthriller für Jugendliche ab 14 Jahren.

Poznanski, Ursula: Elanus
Loewe, Bindlach 2016
413 S., 14,95 €
ISBN 978-3-7855-8231-2

ab 14 Jahren 

Inhalt

Jona ist erst 17 Jahre alt und kann schon dank eines Hochbegabtenstipendiums Technomathematik an der Victor-Franz-Hess-Privatuniversität studieren. Da er minderjährig ist, haben seine Eltern beschlossen, ihn in einer Gastfamilie unterzubringen.

Was niemand ahnt: Damit Jona nicht langweilig wird – den Stoff der ersten Semester beherrscht er im Schlaf –, hat er eine Drohne gebaut und entwickelt, mit der er seine Mitmenschen ausspioniert. Vorwiegend im Schutz der Dunkelheit lässt er die Drohne, der er den Namen Elanus nach einer seltenen Habichtart gegeben hat, fliegen und zeichnet das, was die Drohne sichtet, mittels eines Computerprogramms auf. Damit er seine Opfer ausspionieren kann, programmiert er eine Ortungs-Spyware, die er auf die Handys der Betroffenen spielt. Am ersten Tag an der Uni lernt er Linda kennen und 'erbeutet' ihre Handynummer – und spioniert sie direkt mit Elanus aus. Er wird Zeuge eines Streits zwischen Linda und ihrem Freund Aron, mit dem Jona bereits negative Bekanntschaften auf dem Campus gemacht hat. Da Linda ihr Fenster geschlossen hat, kann Jona nur sehen, aber nicht hören, worum es geht.

Als er am darauffolgenden Tag an der Uni bei Linda abblitzt, ist er so erbost, dass er ihr und zwei anderen Studenten unbemerkt Zettel mit einem 'Rätsel' zusteckt – der Leser erfährt lange Zeit nicht, was darauf zu lesen ist. Damit löst er eine Kette an Ereignissen aus: weitere Spionagen mit seiner Drohne, zwei neue Freundschaften mit dem Nachbarsjungen Pascal und seiner Kommilitonin Marlene, ein ihm ausweichender Rektor sowie seine sich immer merkwürdiger verhaltenden Gasteltern – denn die haben auch "eine Leiche im Keller". Und dann ist da auch noch der Selbstmord des Mathematikprofessors Dr. Lichtenberger…

Kritik

Ursula Poznanski ist mit Elanus ein Thriller gelungen, der sich thematisch als anschlussfähig erweist an den Vorgänger Layers: Beide Romane drehen sich um den Missbrauch von Technik und um geheime Machenschaften, die mit diesen Techniken verknüpft sind. Während die Technik in Layers von den 'Bösen' selbst entwickelt wurde, dient Elanus – ohne dass dies geplant ist – der Aufdeckung eines Verbrechens. Dabei wird die Technik nicht von den Antagonisten, sondern vom Protagonisten selbst entwickelt, zusammen mit einer Spyware, um nicht nur jede Person ausspionieren zu können, die ihm unvorsichtigerweise ihre Handynummer gibt, sondern auch um die eigene Genialität unter Beweis zu stellen.

Poznanski gelingt es, die Handlung stringent aufzubauen und den Leser lange im Unklaren zu lassen, was Jona mit seinen Zetteln angestoßen hat und warum sich viele Leute in seinem Umfeld komisch und abweisend verhalten. Auch der Grund für die Abwesenheit des Rektors der Universität wird lange verschleiert. Das alles führt dazu, dass zu Beginn der Erzählung die Handlung etwas langsam in Gang kommt und auch den Protagonisten zunächst als überheblichen und unsympathischen Besserwisser erscheinen lässt, der jede sich ihm bietende Gelegenheit nutzt, um sich und sein Können und sein Wissen in den Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig gelingt es ihm jedoch nur schwer, sich auf andere Menschen einzulassen, was durch den Erzähler mittels interner Fokalisierung vermittelt wird.

Nach kleinen 'Startschwierigkeiten' kommt die Handlung jedoch in Schwung und fesselt den Leser bis zur letzten Seite mit sich häufenden Merkwürdigkeiten, die sich summieren, sich aber letztlich logisch auflösen. Der Spannungsbogen, den Poznanski entwickelt und vorantreibt, findet seinen Höhepunkt, als Jona um sein Leben fürchtet und noch nicht einmal die Polizei einschalten kann, da auch sie in die Machenschaften, die Jona aufdeckt, verwickelt ist. Dass hinter den ganzen Geschehnissen, inklusive dem Selbstmord des Dozenten, eine Liebesgeschichte steht, ist überraschend, aber in der Komposition der Handlung nicht unlogisch.

Es sind Jonas Freunde Pascal und Marlene, die das BKA alarmieren können und so Jona das Leben retten – der sich selbst wiederum im Laufe der Handlung merklich verändert und zunehmend zu einer Identifikationsfigur für den Leser wird. Dazu tragen auch die beiden Nebenfiguren Pascal und Marlene bei, die Poznanski ihrem Protagonisten zur Seite stellt. Pascal erbittet sich von Jona Nachhilfe in Mathe und wird zunehmend – und ungeahnt – ein Vertrauter Jonas, was noch einmal die Wandlung des Protagonisten unterstreicht. Jonas Kommilitonin Marlene stößt als dritte zu den beiden. Mit ihnen teilt Jona fortan sein Wissen: Dass er seltsame Gespräche zwischen seinen Gasteltern belauscht hat, dass er seit Wochen vergeblich versucht, den Rektor der Uni, Dr. Schratter zu erreichen, und dass er selbst zunehmend das Gefühlt hat, verfolgt zu werden. Und er weiht die beiden auch in das Geheimnis um Elanus ein.

Fazit

Elanus ist ein weiterer Roman in inzwischen einer ganzen Reihe von Jugendromanen für Jugendliche ab 14 Jahren aus der Feder von Ursula Poznanski, der sich überzeugend eines Themas annimmt, das gesellschaftlich kritisch betrachtet wird und bereits für Unmengen an Diskussionen gesorgt hat. Die sich kontinuierlich entwickelnde Handlung des Romans überzeugt ebenso wie die Protagonisten und hält für den Leser ein überraschendes Ende bereit, das er so nicht erwartet hätte.

 

Ein Interview mit Ursula Poznanski auf KinderundJugendmedien.de können Sie hier lesen.


catchme refresh
Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

Dezember 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
26 27 28 29 30 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31 1 2 3 4 5 6