von Sabine Planka

Die Milchpiraten feiern den Beginn der Ferien und wollen bei Bruno im Garten ein Grillparty feiern. Daraus wird bald mehr… inklusive brennendem Gartenstuhl und im Klo herunter gespülte Haustürschlüssel. Ein knackig-kurzweiliges Abenteuer für männliche (und weibliche!) Leser ab 6 Jahren.

Lüftner, Kai: Volle Kraft voraus! Total krasse Ferien
Mit Bildern von Nina Dulleck
ArsEdition, München 2016
91 S., 9,99 €
ISBN 978-3-8458-1230-4
Ab 6 Jahren

Inhalt
Auf den Inseln Ping und Pong leben zwei Banden: die MEDEL-Bande auf der Insel Ping und die Milchpiraten auf der Insel Pong. Kai Lüftner erzählt seinem Buch Volle Kraft voraus! Total krasse Ferien ein Abenteuer der Milchpiraten – mit der Aussicht, später mehr zu erfahren…

Bruno hat DIE Idee am ersten Ferientag: eine Party. In seinem Garten, naja, dem Garten seiner Eltern, die gerade verreist sind. Und alle sind eingeladen, die ganze Bande der Milchpiraten, um die mitgebrachten Grillwürstchen von Bubi, dessen Vater Bio-Fleischer ist, zu verputzen. Alles könnte so ruhig und friedlich sein, wenn nicht schon zu Beginn klar wird, dass die Milchpiraten ein bunter, wilder Haufen sind und jeder seine 'Macken' hat:

"Hansi aber hatte gerade sowieso einen superinteressanten dicken Käfer mit blauem Panzer entdeckt und schon gar nicht mehr richtig zugehört, weil er ihn unbedingt beim Krabbeln beobachten musste. So bekam der Käfer die Aufmerksamkeit, die sich der hustende Schlaubi gewünscht hätte. Pech." (S. 18)

Die bunte Truppe ist so mit Grillen beschäftigt, dass sie nicht merken, dass Bubi plötzlich verschwunden ist. Der musste nämlich aufs Klo und hat nicht nur die Haustür hinter sich abgeschlossen, sondern auch die Klotür und dann auch noch beide Schlüssel herunter gespült. Der starke Tetje tritt die Hintertür ein und gemeinsam gelingt es ihnen, Bubi aus dem Bad zu befreien. Dann fängt der Gartenstuhl von Brunos Papa Feuer und wird mit einem Teppich gelöscht. Kurz darauf taucht Oma Hertha auf, die auf Bruno aufpassen soll und Swanni, Lewins Schwester, macht eifrig Fotos vom Geschehen – und beschließt: Sie schließt sich der MEDEL-Bande an! (vgl. S. 55)

Kritik
In Volle Kraft voraus! Total krasse Ferien hat Kai Lüftner

"Unglaublich haarsträubende Abenteuergeschichten für Schreihälse, Nasebohrer, Dreckspatzen, Nicht-Stillsitzenkönner, Essen-Manscher, Wand-Beschmierer, Wand-Beschmierer, Popel-Schnipser, Stuhl-Kippler und Zahnlücken-Pfeifer – und alle anderen. Auch für Mädchen" (S. 5)

geschrieben, dessen Protagonisten in ihrer Vielfältigkeit  überzeugen: Bruno liebt Kung-Fu-Filme und vollführt Karate-Bewegungen, Tetje ist verfressen und immerzu am Essen, Swanni fotografiert – von der Bande unbemerkt – das ganze Geschehen und Bubi ist der Angsthase der Bande. Hinzu kommen noch Lewin, Schlaubi, die Zwillinge Jona und Jano sowie Hansi und Birk mit der dicken Brille.

Die Geschichte, die von einem heterodiegetischen Erzähler erzählt wird, wird unterbrochen von Tagebucheinträgen Matz, einem weiteren Mitglied der Bande, der immer wieder auf kommende Ereignisse hinweist und so die Neugierde des Lesers schürt. Die Leseransprache findet sich zudem auch in den Schilderungen des Erzählers, was für Unmittelbarkeit sorgt und den Leser in die Erzählung hineinzieht.

Lüftners Sprachwitz manifestiert sich in einfallsreichen Formulierungen und auch in den Sprüchen und Gedanken von Matz, die er am Ende eines jeden Tagebucheintrages mitteilt. So z.B. seine Überlegungen zu Kirschkernen – "Früher hab ich doch echt gedacht, dass einem ein Baum im Bauch wachsen kann, wenn man Kirschkerne runterschluckt!" (S. 27) – oder zu Weintrauben – "Grad ist mir eingefallen, dass ich als kleiner Piepel immer gedacht hab, Weintrauben sind nur rasierte Stachelbeeren. Krass." (S. 11) –, die ebenfalls eine Verbindung zum kindlichen Leser schaffen, der sich solche Fragen sicherlich ebenfalls gestellt hat.

Die Abenteuer, die hier im heimischen Garten stattfinden und sich im Haus von Bruno fortsetzen, lassen Assoziationen an den kleinen Nick aus der Feder von Sempé und Goscinny zu: Auch er hat allerlei Unfug im Kopf, erzählt aber seine Erlebnisse als autodiegetischer Erzähler selbst, so dass eine Einbindung des Lesers noch viel schneller gelingt, als bei Lüftner, dessen heterodiegetischer Erzähler den Leser durch die Abenteuer der Milchpiraten leitet.

Hinzu kommen in Lüftners Buch die schwarz-weiß Abbildungen aus der Zeichenfeder von Nina Dulleck, die kantig und comicartig die Handlung narrativ bebildern, z.T. aber auch losgelöst von der Narration zu finden sind und z.B. Matz‘ Tagebucheinträge einleiten. Die Abbildung der Seitenzahlen vor schwarzen stilisierten Totenköpfen und knochenartigen Mustern an einigen Seitenrändern unterstützen die Verbindung zu den (Milch)Piraten.

Ist dieses Buch noch primär auf eine männliche Leserschaft ausgerichtet, so kann angenommen werden, dass in künftigen Büchern – die es hoffentlich geben wird – auch Mädchen eine große Rolle spielen werden. Neben Swanni, die auffällig viele Fotos macht und die Milchpiraten auszuspionieren scheint, sind es Hinweise des Erzählers, die verdeutlichen, dass Mädchen künftig wichtig werden könnten: "Jona und Jano stritten sich darüber, wann sie zu Hause sein mussten, wer den besten Knüppelteig machte und wen Lara aus der MEDEL-Bande von Ping lieber mochte." (S. 22) Die Phonetik von MEDEL weist zusätzlich auf eine Mädchenbande hin, die die Milchpiraten künftig noch vor einige Herausforderungen stellen könnte – zumal Swanni sich der MEDEL-Bande anschließen will (vgl. S. 55).

Fazit
Die Abenteuer der Milchpiraten, die sich im Alltag abspielen und glimpflich ausgehen, sind erfrischend kurzweilig, unterhaltsam und eröffnen die Möglichkeit, die Reihe fortzusetzen. Das gar nicht so umfangreiche Buch Kai Lüftners Volle Kraft voraus! Total krasse Ferien ist somit auf keinen Fall ausschließlich ein Buch für Jungen, sondern auch für Mädchen ab 6 Jahren.


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