Colfer, Eoin: Artemis Fowl

von Sina Sieben

Ein Junge sucht nach einem Elfenschatz. Doch mit dem Traum vom schnellen Geld des Helden eines gewöhnlichen Märchen- oder Abenteuerromans hat das alles nur wenig zu tun. Denn Artemis Fowl ist kein normaler Zwölfjähriger – er ist der hyperintelligente Sohn eines irischen Verbrecherkönigs und plant seinen größten Coup. Gemeinsam mit seinem kampferprobten Butler macht er sich auf eine heikle Mission: Der trickreiche Plan, den Artemis mithilfe seines messerscharfen Verstandes entwickelt hat, muss sich gegen modernste Elfentechnologie bewähren. Mit diesem Gegner hat so niemand gerechnet.

Colfer, Eoin: Artemis Fowl.
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
239 S., 7,95 €
ISBN 978-3548603209

Inhalt

Artemis Fowl, so heißt der Protagonist in Eoin Colfers gleichnamigem Roman, übertrifft mit seiner Intelligenz all seine Mitmenschen. Der vornehme Erbe der Jahrhunderte alten Fowl-Dynastie ist nicht nur ein Computerass, sondern auch ein verbrecherisches Genie. Besonders gut ist er im Schmieden von raffinierten Plänen, durch die er allen anderen immer einen Schritt voraus ist.

Seit sein Vater, der irische Verbrecherkönig Artemis Fowl Senior, von der russischen Mafia gefangen genommen wurde, liegt es am jungen Artemis, das Familienvermögen und den Landsitz in der Nähe von Dublin zu verwalten.

Artemis Mutter Angeline leidet seit dem Verschwinden des Vaters an Halluzinationen, die sie ihren eigenen Sohn nicht wiedererkennen lassen. Anstatt also zur Schule zu gehen, verbringt der junge Meisterdieb seine Zeit damit, die Bankkonten der Familie wieder aufzufüllen.

Zu Beginn der Geschichte befinden sich Artemis Fowl und sein Butler auf der Suche nach dem Buch der Elfen. Durch seinen Einfluss im internationalen Untergrund und mit viel Geld, List und Skrupellosigkeit schafft es Artemis, in den Besitz der Elfenbibel zu gelangen und mit Hilfe eines selbst geschriebenen Computerprogramms die Geheimnisse des Erdvolkes zu entschlüsseln. Der Plan ist einfach: Eine Elfe entführen, um sie dann gegen das Gold aus dem Entführungs-Fonds wieder einzutauschen. Dafür muss sich Artemis nur auf die Lauer legen und warten. Denn es ist nicht Artemis, der durch eine magische Tür das Elfenreich betritt, sondern das elfische Sonderkommando der Zentralen Untergrund-Polizei reist mithilfe seiner Shuttles vom Erdinneren aus durch Magmaschächte hindurch an die Oberfläche. Seitdem sich nämlich die Menschen auf der Erde mehr und mehr ausbreiten, leben die magischen Fabelwesen zurückgezogen im Erdinneren.

So fällt Artemis dann auch Captain Holly Short in die Hände, die nicht nur eine echte Stadtelfe ist, sondern auch der erste weibliche Officer in der Geschichte der Zentralen Untergrund-Polizei, kurz: ZUP. So lastet eine besondere Verantwortung auf ihren Schultern, an die zu erinnern ihr vorgesetzter Commander Julius Root, ein Zigarren rauchender Elf mit zu hohem Blutdruck, nicht müde wird. Zu dessen Leidwesen liefert Holly ihrem Commander immer wieder Grund zu neuerlichen – meist lautstarken – Wutanfällen. Häufig nimmt sie es mit den Vorschriften nicht allzu genau – bis sie schließlich vergisst, ihre magischen Kräfte neu aufzuladen, und im Zuge dessen dem jungen Artemis Fowl in die Hände fällt. Vor den Toren von Fowl Manor, dem Schloss der Familie Fowl, entbrennt ein Kampf der Supertechnologien.

Die magischen Wesen wollen Holly Short aus Artemis' Gefangenschaft befreien. Und so treten der Zentauer Foaly, Leiter der technischen Einheit der ZUP und Erfinder der Elfentechnologie, und der tunnelgrabende Zwerg und Kleinkriminelle Mulch Diggums gegen Artemis und seine Bediensteten an.

Artemis Leibwächter Butler steht seinem jungen Schützling bei diesem Abenteuer treu zur Seite. Wie seine jüngere Schwester Juliet ist Butler voll ausgebildet in Kampfkunst, Waffenumgang und Spionage – alles um den jungen Fowl zu schützen. Doch wird Artemis Plan gelingen und er so an das Gold der Elfen gelangen? Oder drohen ihm und allen anderen Lebewesen die Blauspülung, wie sich die fatale Biowaffentechnologie der Elfen nennt?

Kritik

Eoin Colfer gelang mit dem Jugendbuchroman Artemis Fowl 2001 der internationale Durchbruch. Der Science-Fiction-Fantasy Roman stellt das erste in einer Reihe von bisher sieben veröffentlichten Büchern dar. Während sich die Unterirdischen in Band eins noch gegen das verbrecherische Mastermind Artemis zur Wehr setzen müssen, kämpft der hochbegabte Menschenjunge in den Folgeromanen immer häufiger an der Seite der Elfenpolizei gegen unterirdische Verbrecher. Die Einzelbände der Artemis Fowl Reihe bilden in sich abgeschlossene Romane, so dass Spielraum für weitere Fortsetzungen der Serie durchaus besteht. Dennoch soll 2012 der achte und letzte Band erscheinen.

Eoin Colfer greift in seinem Jugendroman auf charakteristische Fantasymotive und bekannte Fabelwesen zurück. Ausführliche Beschreibungen der Technologien und actionreiche Kampfszenen bilden den Science-Fiction-Hintergrund für die mit Sarkasmus aufgeladenen Dialoge zwischen den Protagonisten.

Der ständige Wechsel zwischen den verschiedenen Perspektiven lässt den Leser sowohl die Überraschung erfahren, die den jungen Artemis befällt, als er die Parallelwelt der Elfen entdeckt, als auch die Verblüffung der Elfen nachvollziehen, die sich mit dem etwas anderen Menschenjungen konfrontiert sehen.

Eoin Colfers Roman Artemis Fowl ist ein actiongeladenes Science-Fiction-Abenteuer, das sich vor allem durch bissige Dialoge zwischen den Charakteren und den hochironischen Wechsel der Erzählperspektiven auszeichnet. Es finden sich typische Fantasy-Elemente wie z.B. die Neben- oder Parallelwelt, die den Menschen unbekannt ist und von verschiedenen bekannten Fabelwesen (Zwerge, Elfen, Zentauren) bevölkert ist. Besondere Würze wird der Geschichte zusätzlich durch den ungewöhnlichen Protagonisten verliehen: Artemis Fowl ist ein genialer Außenseiter, der durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten sogar den Erwachsenen überlegen ist.

Fazit

Colfers Roman kann aufgrund seiner ausgeprägten Fantasy-Motivik eindeutig der Kategorie Kinder- und Jugendliteratur zugeordnet werden. Trotz zahlreicher Verweise auf bekannte Persönlichkeiten oder internationale Geheimdienste und der nicht ohne weiteres verständlichen Science-Fiction Thematik ist das Buch für Kinder ab 10 Jahren geeignet. Eine Vielzahl von Schauplätzen und Figuren und ein abwechslungsreicher Erzählstrang lassen den Roman für ein Kinder- und Jugendbuch auffallend komplex erscheinen –  was ihn aber nicht minder interessant macht, sondern, ganz im Gegenteil, zu einer schönen Abwechslung innerhalb der sonst eher einfacher gestrickten Kinder- und Jugendliteratur werden lässt.

Vor allem die ironische Darstellung der Geschichte durch die verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Charaktere macht den Roman rund um Artemis Fowl zu einem Werk, das man einfach lesen muss!

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