von Ute Blazejak

Zauberer, Hexen, Magie im Kontext der britischen Internatswelt – J. K. Rowlings Debütroman Harry Potter und der Stein der Weisen war der Startschuss für einen der größten 'Lese-Hypes' des 20. Jahrhunderts. Kinder und Erwachsene aus der ganzen Welt sind von diesem Buch buchstäblich verzaubert worden. Und auch mit nüchternem Blick lohnt sich die Lektüre.

Rowling, Joanne K.: Harry Potter und der Stein der Weisen
Aus dem Englischen von Klaus Fritz
Carlsen, Hamburg 1998.
336 S., 15,90 €
ISBN 978-3551551672

Inhalt

Harry Potter und der Stein der Weisen bildet den ersten Band der siebenteiligen Buchreihe um den Waisenjungen Harry Potter, der sich zu einem großen Zauberlehrling entwickelt.

Harry lebt mit seinen Pflegeeltern, den Dursleys, bei denen er wenig erwünscht ist, in einem Londoner Vorort. An seinem elften Geburtstag erhält er einen Brief, demzufolge er in der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei aufgenommen wurde. Trotz des erbitterten Widerstands der Dursleys, die Harry als Säugling nach dem Tod seiner Eltern widerwillig aufgenommen haben, tritt er die Reise in das Zauberer-Internat an.

Zunächst erfährt Harry, dass er seine Eltern nicht wie zuvor gedacht bei einem Autounfall verloren hat, sondern dass diese vielmehr beim Versuch starben, das Leben ihres Sohnes gegen den bösen Zauberer Voldemort zu verteidigen, welcher zu diesem Zeitpunkt die gesamte Zauberwelt in Angst und Schrecken versetzte. Aus unerklärlichen Gründen überlebte Harry den Mordanschlag und sorgte im Zuge dessen dafür, dass dieser von einem Moment auf den anderen verschwand.

Schon auf der Fahrt nach Hogwarts im Hogwarts-Express findet Harry in Ron und Hermine schnell neue Freunde. Er lebt sich schnell in den Schulalltag der für ihn noch unbekannten Zauberwelt ein. Dieser ist neben der Magie vor allem durch strenge Hausregeln und ein hohes Pensum an Hausaufgaben geprägt.

Durch einen Zufall erfährt Harry, dass auf Hogwarts  ein geheimnisvoller Stein versteckt ist, der seinem Besitzer zu ewigem Leben verhilft. Scheinbar versucht jemand in Hogwarts, diesen Stein zu finden, um ihn Lord Voldemort zu bringen, der auf diese Weise zu neuem Leben gelangen könnte.

Da keiner der Lehrer ihnen Glauben schenken will, entschließen sich Harry, Ron und Hermine, den Stein auf eigene Faust zu finden, um Voldemort zuvorzukommen. Sie ahnen noch nicht, dass damit ein lebensgefährliches Abenteuer beginnt …

Kritik

Zusammen mit dem Protagonisten lernt der Leser die Welt der Magie Stück für Stück kennen. Begünstigt wird dies durch die personale Erzählperspektive, die den Leser an den Wissensstand Harrys bindet und so ein gemeinsames Kennenlernen der Zauberwelt ermöglicht.

Harry Potter ist ein Sympathieträger, der nicht nur über Stärken, sondern auch Schwächen verfügt, und sich somit in besonderer Weise als Identifikationsfigur für Kinder und Jugendliche eignet. Dabei verkörpert er in mancherlei Hinsicht die Figur eines typischen Antihelden: Als Waisenkind in einer Pflegefamilie aufgewachsen, von welcher er abgelehnt wird, hat Harry keine leichte Kindheit hinter sich. In der Schule mittelmäßig ist er ein bescheidener, aber mutiger Junge. Auch seine Freunde Ron und Hermine sind aufgrund von Armut oder Muggeleltern Außenseiterfiguren.

Harrys Antagonist ist von Beginn an Draco Malfoy. Während Harry eine Waise ist, keine leichte Kindheit hatte, dabei aber stets Bescheidenheit und Mut zeigt, stammt Draco aus behüteten Verhältnissen, er ist arrogant, überheblich und feige. Schnell werden die beiden zu Rivalen, wobei Harry der eindeutige Sympathieträger ist.

Rowling verwendet viele beliebte Motive und Themen der Kinder- und Jugendliteratur, so etwa das Motiv der Freundschaft zwischen Mensch und Tier (vgl. die Eule Hedwig) oder das Motiv des Tors zu einer anderen Welt (Gleis 9¾). Der Roman lässt Kinder und Erwachsene in eine fantastische Welt eintauchen, welche die Fantasie anregt, aber durch das Zusammenspiel mit vertrauten Elementen stets intelligibel bleibt.

Fazit

Auch ungeachtet des Medienhypes ist Harry Potter und der Stein der Weisen ein gelungener Roman für Kinder ab elf Jahren. Aber auch Erwachsene werden ihren Spaß mit Harry Abenteuern in der magischen Welt haben. Rowling verwebt in ihrem Debüt klassische und bekannte Themen und Motive der fantastischen Kinder- und Jugendliteratur und reiht sich dabei in die Ahnengalerie von Vorbildern wie J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis ein. Damit hat sie eine veritable Leserevolution ausgelöst, die weltweit Kinder wieder mit dem Lesen von Büchern vertraut gemacht hat.

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