von  Sabine Planka

Der alte Ringler ist gestorben – und prompt kursieren Gerüchte über einen Schatz, den er versteckt haben soll. Klar, dass sich Hagen und sein bester Freund Robbie sowie ihre beiden Brüder Axel und Oskar auf Schatzsuche begeben – und mit ihnen natürlich auch das ganze Dorf. Ob es ihnen gelingen wird, tatsächlich einen Schatz zu finden? Eine abenteuerliche, rasante und kurzweilige Schatzsuche für LeserInnen ab 8 Jahren.

Koch, Boris: Die Mondschatzjäger
Heyne, München 2016
302 S., 12,99 €
ISBN 978-3-453-27046-6
Ab 8 Jahren

Inhalt
Hagen und sein jüngerer Bruder Axel leben in dem kleinen Städtchen Falkenhofen. Als Brüder sind sie ein unschlagbares Team, vor allem wenn sie mit Hagens Freund Robbie und dessen kleinem Bruder Oskar als Bande der "Wandelnden Geister" unterwegs sind. Die alltägliche Tristesse, die die vier ohnehin schon durch kleine Abenteuer 'auflockern' – Mutproben, kleine Keilereien unter 'verfeindeten' Kinderbanden etc. – wird jäh unterbrochen, als das Testament des verstorbenen Ringlers in der Zeitung abgedruckt wird. Dort verbreitet er posthum das Gerücht, einen Schatz vergraben zu haben – und derjenige, der ihn findet, darf ihn behalten. Das ganze Dorf gerät in Aufruhr und in Goldgräberstimmung – darunter natürlich auch Hagen und seine Freunde. Gemeinsam ziehen sie zum Grundstück des alten Ringlers und stellen entsetzt fest, dass das halbe Dorf bereits auf Schatzsuche ist - und leider auch die verfeindete Bande um Lionel, der mit dem Geld seiner Eltern immer und überall angibt und damit die Feindseligkeit anderer Kinder auf sich zieht.

Als sich Hagen erinnert, dass der alte Ringler Rätsel liebte, nimmt die Geschichte eine Wendung und eine abenteuerliche Schnitzeljagd beginnt für die vier Kinder, die sie quer durch das ganze Dorf führt. Ihre Wege kreuzen immer wieder, mitunter schmerzhaft, die Pfade Lionels – und auch Robbies Cousine Eleanor, ein kleines Biest in Robbies Augen, die immer gewinnt und alles bekommt. Tatsächlich kommt sie Hagen und Robbie immer näher… Und auch Lionels Gang ist nicht weit weg. Wird es Hagen und seinen Freunden gelingen, das Rätsel des alten Ringlers zu lösen und einen Schatz zu finden?

Kritik
Mit Die Mondschatzjäger ist Boris Koch ein Abenteuerbuch gelungen, das sich vorrangig aufgrund der männlichen Protagonisten an Jungen richtet, an dem aber auch Mädchen ihre Freude haben werden. Perspektivisch/homodiegetisch aus der Sicht Hagens erzählt, gleicht das Abenteuer, das die Protagonisten erleben, einer Schnitzeljagd, bei der sich eine Etappe aus der anderen ergibt. Analogien zu Dan Browns Illuminati oder Sakrileg liegen auf der Hand, die sich jedoch nur beim erwachsenen (Vor)Leser einzustellen vermögen. Dieses Erzählen in Etappen ist für noch junge LeserInnen von Vorteil, kann man doch zwischendurch verschnaufen, um sich dann mit den Protagonisten auf die nächste Spur zu begeben. Die Handlung selbst ist linear erzählt und ermöglicht es den LeserInnen, der Handlung gut folgen zu können und gleichzeitig mitzurätseln, wo sich der nächste Hinweis verbergen könnte.

Die Protagonisten überzeugen in ihrer Konzeption und werden als sehr individuell ausgestaltet. Hagen bringt seinem kleinen Bruder "alles bei, was man nicht von seinen Eltern lernt und trotzdem braucht." (S. 8) Er beschützt seinen kleinen Bruder, der sich ohne mit der Wimper zu zucken in jedes Abenteuer stürzt – ungeachtet der Folgen und Blessuren, die er davonträgt. "Zum Glück habe ich Axel auch beigebracht, wegen solcher Kleinigkeiten nicht gleich zu heulen. Deshalb war er nicht nur klein und schmächtig für sein Alter, sondern auch zäh wie Opas Rinderbraten." (S. 9) Doch nicht nur die Protagonisten überzeugen, auch die Antagonisten um den reichen Lionel sind überzeugend konstruiert in ihrer ganzen Fiesheit, mit der sie versuchen, den Schatz vor allen anderen Schatzsuchern zu finden. Durch diese Konzeption – der reiche Lionel und seine 'Freunde' gegen den 'normalen' Hagen und Robbie, dessen Vater Schulden hat und das verdiente Geld verspielt – wird zudem das realexistente Gefälle innerhalb einer Gesellschaft gezeigt, in dem arm und reich koexistieren. Die Nebenfiguren wirken ebenfalls glaubhaft und weisen so manche Eigenheit auf, die LeseInnen durchaus bekannt vorkommen wird. Wer kennt es nicht, dass Mütter auf dem Handy anrufen und wissen wollen, wie es einem geht, ob man sich bei der Hitze im Schatten aufhält oder genügend trinkt?

Daneben werden Themen angesprochen, die in der Lebenswirklichkeit der LeserInnen angesiedelt sind. Neben dem bereits genannten Unterschied zwischen Arm und Reich sind es die Themen Freundschaft und Zusammenhalt, starke Familienbande, die den Roman neben der im Fokus stehenden Schatzsuche prägen.

Fazit
Boris Koch ist ein unterhaltsames Buch für LeserInnen ab 8 Jahren gelungen, das Spaß auf eine Schnitzeljagd macht und animiert, selbst eine solche zu veranstalten. Die Handlung ist logisch konstruiert und gut nachvollziehbar. Lediglich die 'heldenhaften' Schlägereien, in die sich Axel stürzt, sind nicht zur Nachahmung empfohlen...

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