von Romy Bittmann, B.A.

Matilda ist ein starkes Mädchen. Auf eine witzig-satirische und phantasievolle Art entwickelt Roald Dahl die Geschichte eines außergewöhnlichen, kleinen Menschen, der offensichtlich in die falsche Familie geboren wurde, sich aber durch nichts und niemanden unterkriegen lässt.

Dahl, Roald: Matilda.
Aus dem Englischen von Sybil Gräfin Schönfeldt
Rowohlt, Reinbek 1997.
192 S., 6,99 €
ISBN 978-3-499-20855-3

Inhalt
Die kleine Matilda ist ein besonderes Mädchen. Mit anderthalb Jahren spricht sie fehlerlos und ihr Vokabular umfasst ebenso viele Wörter wie das eines Erwachsenen. Mit drei Jahren bringt sich Matilda selbst das Lesen bei und beherrscht es im Alter von vier Jahren fließend. Da in ihrer Familie Bücher mit einer gewissen Abscheu beäugt werden und deshalb rar im Haus sind, leiht sich das kleine Mädchen nach und nach alle Kinderbücher aus der Stadtbücherei und versetzt damit die verwunderte Bibliothekarin in helles Entzücken. Schon bald liest Matilda, die noch nicht einmal eingeschult ist, Werke von Charles Dickens, Jane Austen, H.G. Wells, Ernest Hemingway und George Orwell.

Die Eltern kümmern sich wenig um ihr hochbegabtes Kind und verbringen ihre freie Zeit lieber damit, Fastfood vor dem ständig eingeschalteten Fernsehgerät zu verzehren. Der Vater von Matilda, Harry Wurmwald, ein betrügerischer Gebrauchtwagenhändler, haut seine Kunden mit faulen Tricks übers Ohr und prahlt daheim mit seiner Gaunerei. Matildas älterer Bruder Michael soll eines Tages das Geschäft des Vaters übernehmen. Wenn dieser seine kleine Tochter nicht gerade als frech und vorlaut bezeichnet und ihr einredet, sie sei dumm, tut er so, als sei sie Luft. Matilda erkennt schon mit ihren fünf Jahren, dass die Tätigkeit des Vaters unehrlich ist, und stellt ihn mehrfach zur Rede, indem sie an seine Moral appelliert und ihn daran erinnert, dass ihm die Leute ihr Vertrauen entgegenbringen. Die stark geschminkte und wasserstoffblondierte Mutter, deren Hauptbeschäftigung das Bingospielen ist, pflichtet ihrem Mann beständig bei. Ihr Lebensmotto lautet: Eine Frau hat hübsch zu sein und nichts im Kopf zu haben, um einem Mann zu gefallen. Herrn Wurmwald versetzt es schon in helle Wut, wenn er seine Tochter nur lesen sieht, und es steigert seinen Jähzorn noch, wenn Matilda aus etwas Vergnügen gewinnt, das seinen Horizont übersteigt. Des Weiteren unterschätzt er die Kopfrechenkünste seiner Tochter kolossal und bezichtigt das unschuldige Kind des Betrugs, wobei er es auf misogyne Art und Weise beschimpft.

Matilda fällt es schwer, ihre oberflächlichen und ungebildeten Eltern, die nicht imstande sind, das Außergewöhnliche an ihr zu entdecken, nicht zu hassen. Mit ihren ständigen Gemeinheiten versuchen sie, Matilda, die einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit besitzt und für ihre Überzeugungen kämpft, niederzumachen. Doch schnell merkt das kluge Kind, dass ihr weder Geheul noch Trotz etwas einbringen. So entwickelt das kleine Mädchen im Laufe der Zeit eine überlebenswichtige Strategie, wie sie ihren Eltern jede Gemeinheit heimzahlen kann ...

Nach der Einschulung wird das Verhältnis zu den Eltern nicht besser. Ganz im Gegenteil. Herr Wurmwald denunziert seine eigene Tochter präventiv bei der Schulleiterin Fräulein Agatha Knüppelkuh.  Für ihre Schule gilt: keine Rücksicht auf Begabung. Kinder, die in ihren Augen unartig sind, werden kurzerhand in den sogenannten 'Luftabschneider' gesteckt, einen ganz schmalen Schrank, in dem die Kinder dann für mehrere Stunden ganz still stehen müssen. Man möchte empört einschreiten und dieser Frau den Beruf verbieten, denn verfehlt hat sie ihn ohne Zweifel, da Frau Knüppelkuh ausschließlich den paradoxen Wunsch äußert, möglichst viele Schüler von der Schule zu verweisen, um es für sich erträglicher zu machen.

Aber nach der zunächst holprigen Einschulung und ersten Auseinandersetzungen mit Frau Knüppelkuh findet Matilda eine erste Bezugsperson. Fräulein Honig interessiert sich für die kleine Matilda und deren außergewöhnliche Begabung. Sie ist von Matildas außergewöhnlichem mathematischen Verstand, ihren Lesefähigkeiten und ihrer Intelligenz überaus beeindruckt, hält sie für ein Wunderkind und beginnt, das Mädchen heimlich zu fördern. Weiterhin entdeckt sie Matildas übernatürliche Fähigkeiten …

Bei einem privaten Besuch in Fräulein Honigs ärmlich eingerichtetem (Garten-)Haus, erfährt Matilda die Lebensgeschichte ihrer Klassenlehrerin: Sie ist die Nichte von Fräulein Knüppelkuh, die sich auf betrügerische, aber leider unnachweisbare Art und Weise das Erbe von Fräulein Honigs Vater einverleibt hat und ihre Nichte durch zusätzliche 'Abgaben' zwingt, am Existenzminimum zu leben. So empört wie der Leser ist, reagiert auch Matilda: Sie beschließt zu helfen, indem sie ihre telekinetischen Fähigkeiten trainiert ...

Kritik
Es geht um Themen wie Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, Gewalt, Betrug, Freundschaft, Loyalität und Liebe. Auch wenn Matilda von der eigenen Familie Steine in den Weg gelegt werden, geht sie ihren Weg, indem sie auf ihr Herz hört. Im Gegensatz zu ihrer Familie ist Matilda eine geradlinige und starke Persönlichkeit, die sich gegen alle Ungerechtigkeiten zur Wehr setzt. Alte Rollenklischees und Denkmuster, die besagen, dass ein Mädchen weder (kognitiv) etwas zu leisten im Stande sei noch dürfe und einzig brav auf das achtzugeben habe, was man ihm sage, werden durch Matilda widerlegt und über Bord geworfen. So siegt am Ende das Gute: Die bösen Menschen werden zu Fall gebracht. Wenn es eine Moral gäbe, lautete sie womöglich: Egal aus welchem Elternhaus oder sozialen Umfeld ein Mensch auch stammt, er kann alles aus sich machen und alles erreichen, wenn er nur will.

Fazit
Roald Dahl beschreibt herzerfrischend und humorvoll die Geschichte um dieses außergewöhnliche Kind und erreicht damit Jung und Alt.


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