von Julia Oppenberg

Wir wollen immer das, was wir nicht haben. Wieso also sollte was für uns gilt, nicht auch für Gespenster gleichermaßen Gültigkeit besitzen? So erzählt Otfried Preußlers siebter Kinderroman Das kleine Gespenst von 1966 von einem kleinen Nachtgespenst, dessen größter Wunsch es ist, die Welt einmal bei Tageslicht zu erkunden.

Preußler, Otfried: Das kleine Gespenst.
Thienemann, Stuttgart 2005.
135 S., 11,90 €
ISBN 978-3522110808

Inhalt

Nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen geht der Wunsch des kleinen Gespenstes schließlich wie durch ein Wunder doch noch in Erfüllung. Allen Warnungen durch seinen Freund Uhu Schuhu, dem weisen Geschichtenliebhaber, zum Trotz, mischt sich das kleine Gespenst in das Tagesgeschehen ein und bringt die Erwachsenenwelt ganz schön durcheinander.

Von der Sonne schwarz gefärbt, ist es als "schwarzer Unbekannter" bei allen gefürchtet – so dass das kleine Gespenst schon bald beginnt, sich nach seinem alten nächtlichen Leben und seinem gefiederten Freund Schuhu zurückzusehnen. Rettung scheint nur möglich, wenn alle zusammenhalten und so erweist sich die Freundschaft als ein Schlüsselthema des Romans. Diese wird auf der einen Seite durch die Verbindung von kleinem Gespenst und Schuhu und auf der anderen Seite durch den Zusammenhalt der Geschwister Herbert, Günter und Jutta verkörpert.

Kritik

Der Roman legt einen besonderen Fokus auf die Innensicht des kleinen Gespenstes, was es dem Leser erleichtert, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren und mit ihr mitzufiebern. Anders als in anderen Darstellungen von Gespenstern, die diese oft als unheimliche, negativ konnotierte Nachtwesen zeigen, erscheint das kleine Gespenst in Preußlers Roman als verspielter, abenteuerlustiger Dickkopf, dessen Fehltritte und Streiche auf humoristische Weise geschildert werden und dem Leser so ein besonderes Lesevergnügen bereiten.

In 22 kurzen Kapiteln präsentiert sich Das kleine Gespenst als abwechslungsreicher Roman, der in einfacher und kindgerechter Sprache gehalten auch für junge Leser leicht zugänglich ist. Aufgrund des episodischen Aufbaus der einzelnen Kapitel eignet sich der Roman in besonderer Weise als Vorlesebuch für Kinder im Alter von 3-6 Jahren.

Auf der inhaltlichen Ebene geht es um Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und das Vermögen, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist.

Fazit

Otfried Preußlers Roman erzählt eine leicht lesbare Geschichte, die mit lustigen Szenen und Anekdoten zu bestechen weiß. In Form eines sympathischen und überhaupt nicht gruseligen kleinen Gespenstes vermag das Buch kleinen Lesern die Angst vor Spukgestalten zu nehmen.

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