von Svenja Thomas

Das geheime Vermächtnis des Pan bildet den Auftakt der romantischen Fantasy-Trilogie von Sandra Regnier. Erzählt wird die Geschichte der 18-jährigen Schülerin Felicity "City" Morgan, die sich nach der Begegnung mit dem geheimnisvollen Elfenprinz Lee im Mittelpunkt einer uralten Prophezeiung zur Rettung der Elfenwelt wiederfindet. 

Regnier, Sandra: Das geheime Vermächtnis des Pan
Carlsen Verlag, Hamburg 2013.
414 Seiten. 8,99 €
ISBN 978-3-551-31380-5

Inhalt 

Auf der gezielten Suche nach der prophezeiten Retterin seines Volkes besucht der gutaussehende Elfenprinz Leander "Lee" FitzMor als neuer Schüler das Londoner Horton College of Winchester. Als ihm eine wunderschöne Schülerin namens Felicity vorgestellt wird, glaubt er, die besagte Auserwählte gefunden zu haben. Um ihre Bindung zueinander zu festigen und somit die Prophezeiung zu erfüllen, schenkt er ihr einen verzauberten Kuss. In diesem Augenblick platzt die pummelige Zahnspangenträgerin Felicity "City" Morgan ungewollt in die Kussszene zwischen Lee und ihrer Namensvetterin hinein, und Lee wird klar, dass er einen verhängnisvollen Fehler begangen hat:

""Heißt du tatsächlich City?" Ich richtete mich auf und sagte so freundlich wie möglich im besten Oxford-Akzent: "Natürlich nicht. Meine Freunde nennen mich Felicity. Felicity Morgan." Er sah mich so erschüttert an, als hätte ich gesagt, ich wäre die Prinzessin von Wales." (S. 21)

Der unerkannt unter den Menschen wandelnde Elf Lee muss feststellen, dass er einer Namensverwechslung unterlegen ist und die falsche Felicity in seinen Bann geschlagen hat. Daraufhin versucht er die misstrauische und ganz und gar nicht zugängliche City näher kennen zu lernen. Diese lässt sich jedoch nicht so einfach um den kleinen Finger wickeln, wie er erwartet hatte, und kontert die Annäherungsversuche des neuen Mädchenschwarms mit charmanter Schlagfertigkeit. Lee hingegen lässt nichts unversucht, um der widerspenstigen Außenseiterin näher zu kommen. Und auch wenn City eigentlich ganz andere Sorgen hat und die ungewohnte Situation ihr ziemlich suspekt erscheint, muss sie sich schon bald eingestehen, dass dieser nach Moos duftende Neuling ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen will – vor allem, weil beide scheinbar die Gedanken des anderen lesen können: 

"Lee zog einen Mundwinkel hoch. Es wirkte gequält. "Gar nichts verstehst du, Felicity." Ich starrte ihn groß an. Ich hatte ihn gehört, aber seine Lippen hatten sich nicht bewegt. Ähnlich wie im Französischtest. Mich schauderte." (S. 122)

Im weiteren Handlungsverlauf von Das geheime Vermächtnis des Pan wird City wiederholt von seltsamen Visionen geplagt, die ihr vergangene Ereignisse, fremde Personen und Orte der Elfenwelt zeigen. Und auch wenn ihre Beziehung zu Lee immer vertrauter wird, bleibt seine geheimnisvolle Herkunft fürs erste rätselhaft. 

In den folgenden zwei Bänden der Pan-Trilogie muss sich Felicity Morgan nicht nur mit ihrer Bürde als Auserwählte der Elfenwelt auseinandersetzen, sondern auch mit intriganten Feinden, magischen Zeitreisen und anderen gefährlichen Situationen. Lee steht bei all dem an ihrer Seite, auch wenn sich City lange nicht sicher sein kann, welche Ziele der Elf tatsächlich verfolgt und welche bestimmte Rolle er in der uralten Prophezeiung spielt.

 

 

Kritik

Sandra Regnier hat mit dem ersten Teil ihrer beliebten Pan-Trilogie eine untypische Romanheldin geschaffen, die sich im Gegensatz zu den Protagonistinnen anderer Fantasyromanzen, wie beispielsweise Bella aus Twilight, positioniert. Felicity "City" Morgan ist eine unbeliebte Außenseiterin mit einem festen Freundeskreis, die sich kaum mit Oberflächlichkeiten auseinandersetzt und klare Ziele vor Augen hat: Sie möchte der nächtlichen Arbeit im Pub ihrer Mutter entkommen und eines Tages Lehrerin werden. Um das zu erreichen, kommt sie auch unausgeschlafen zu beinahe jeder Unterrichtsstunde und sorgt durch ihr ungepflegtes Aussehen häufig für Spott und Gelächter unter ihren Mitschülern. Unter den meist verletzenden verbalen Attacken des sogenannten "Star Clubs" (bestehend aus den vier reichsten, schönsten und ebenso arroganten Schülern) leidend, muss City sich auch mit Teenager-typischen Unsicherheiten und Selbstzweifeln auseinandersetzen. Mit diesen und anderen Problemen geht die junge Hauptfigur jedoch außergewöhnlich schlagfertig und tapfer um und wird dabei von ihren ebenso loyalen wie toleranten Freunden unterstützt. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht die persönliche Wandlung der weiblichen Hauptfigur, welche sich langsam, aber stetig zu einer selbstbewussten Heldin entwickelt. Währenddessen spielen sich die fantastischen Elemente eher im Hintergrund ab, und werden erst mit der Zeit immer deutlicher Teil der erzählten Geschichte. Trotz der originellen Herangehensweise an die Fantasythematik zögert Regnier nicht, in ihrer Romanreihe mit bekannten romantischen Elementen zu spielen – werden diese auch nicht in den Vordergrund gestellt, sondern nur hin und wieder in das Geschehen eingestreut. Da City kein verschwärmtes Schulmädchen ist, das sich sofort Hals über Kopf in den neuen Mitschüler verliebt, muss sich der Elfenprinz Lee anstrengen, um sich als Freund zu beweisen und ihre Sympathie zu verdienen. Durch diese Hürde entwickelt sich erst im Laufe der Zeit eine realistisch wirkende Verbundenheit zwischen den beiden Hauptfiguren. Trotzdem verkörpert die Figur des Lee FitzMor den stereotypischen Prinzen in strahlender Rüstung: Er kann alles, weiß alles und sieht immer fabelhaft aus und entspricht somit dem modernen Mädchentraum à la Edward Cullen. So überrascht es auch nicht, dass selbst die zaghafte und ganz und gar nicht perfekte City sich irgendwann für ihn interessieren muss. Trotz der realistisch dargestellten Beziehungsentwicklung der beiden Hauptfiguren, erinnert die Handlung zwangsläufig an eine typische "Cinderella-Story". So stellt Regnier im Verlauf der Handlung auch immer wieder textuelle Bezüge zu ähnlich strukturierten Romantasy-Werken her, indem sie augenzwinkernd auf die Twilight-Saga oder Beastly verweist:

"Immerhin wollte der heißeste Typ der Schule mit mir ausgehen. In den Pub meiner Mutter. O Gott, spätestens danach würde er nicht mehr mit mir reden. Oder sollte das ganze etwa eine Finte sein? So wie in dem Buch Beastly, wo der Schulliebling das hässliche Mädchen zum Ball einlädt und dann mit einer anderen auftaucht?" (S. 84)

Fazit 

Mit dem Auftakt ihrer Pan-Trilogie ist Sandra Regnier ein überzeugendes Jugendbuch ab 12 Jahre gelungen. Die Autorin versteht es, mit klugen Dialogen, gekonnten Wortwitzen und interessanten Figuren einen spannenden Handlungsfluss aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz zu anderen romantischen Fantasybüchern der Jugendliteratur wird die Liebesthematik dabei jedoch nicht vollends in den Mittelpunkt gestellt. Stattdessen können die LeserInnen einen Einblick in die Liebesgeschichte einer ungewöhnlichen Heldenfigur bekommen, die sich im Fokus eines fantastischen Abenteuers um die Rettung einer längst vergessenen Elfenwelt wiederfindet. 

 


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