von Franziska Kirchner

Bei den Zwillingen Lea und Lucie geht es wieder drunter und drüber: Als ihre Oma aus Venedig zu Besuch kommt, soll auf einmal ihr geliebter Papagei Punkt-um ausziehen und in der Schule gibt es Ärger mit einigen Mitschülern von Lucie, die die Klasse tyrannisieren.
Doppelte Schwestern-Power ist gefragt, um das Chaos zu beheben.

Schröder, Patricia: Die Doppelkekse. Chaos hoch zwei mit Papagei.
Planet, Stuttgart 2017.
221 Seiten. 9,99 €
ISBN 978-3-522-50513-0.
Empfohlen ab 9 Jahren.

Inhalt

"Die Doppel-Kekse" -  das sind die Zwillingsschwestern Lea und Lucie von Leipnitz. Obwohl sich die beiden Mädchen so ähnlich sehen, sind sie doch sehr verschiedene Menschen: Lea ist ruhiger, ordentlich, hat zwei beste Freundinnen und wünscht sich sehnlichst eine Gitarre. Lucie reimt, ist chaotisch und ihr Freund Rabatze spielt in der Schulband. Doch wenngleich es immer wieder Streit zwischen den beiden gibt, halten die Schwestern zusammen, wenn es darauf ankommt.

So auch, als ihre Mutter ihren sprachbegabten und ziemlich vorlauten Papagei Punkt-um abgeben will. Nur weil ihre Nonna aus Venedig zu Besuch kommt und man mit diesem Papagei im Haus keinen Besuch ins Haus lassen könnte. Auch in der Schule läuft nicht alles rund. Lucie hat auf Wunsch ihres Vaters, der Mathelehrer an der Schule ist, die Klasse gewechselt und ist nun in der 7a Klassensprecherin. Doch in der Klasse sind drei Jungen, die alle Schulaktionen sabotieren und auch sonst ihr Unwesen treiben, ohne dass die Lehrer etwas dagegen tun. Das Mädchen Miriam hat ihretwegen sogar die Schule gewechselt. Während Lea mit einem Nebenjob als Hundesitterin versucht das Geld für ihre Gitarre zusammenzubekommen, überlegt Lucie mit Rabatze, wie man die Jungs auffliegen lassen könnte. Die zwei schmieden einen Plan und mit Hilfe von Lea und Lucies Vater sowie Leas Hundesitter-Hund können sie die Jungen überlisten und dafür sorgen, dass sie ihre gerechte Strafe erhalten.

Auch in Freundschaftsfragen geht es turbulent zu: Lea hat zwei beste Freundinnen, doch die mögen sich untereinander nicht und sind fast schon ein wenig neidisch aufeinander, sobald Lea mit einer von ihnen Zeit verbringt. Und Lucies bester Freund ist Rabatze, der immer für sie da ist und sogar Papagei Punkt-um bei sich aufnimmt, während die Oma der Zwillinge da ist. Doch immer häufiger weiß sie in seiner Gegenwart nicht, was sie sagen soll und als er sich mit der Schulzicke trifft, ist sie ziemlich eifersüchtig. Aber verliebt – nein! Das ist sie nicht. Gerade erst zur neuen Sängerin der Schulband gemacht, wird Lucie krank, so dass sie nicht singen kann. Lea hat eine Idee und probt heimlich mit Rabatze und Punkt-um, der nicht nur Autohupen und Türklingeln, sondern auch Menschen prima imitieren kann. So kommt es, dass beim Schulfest neben Rabatze der Papagei Punkt-um auf der Bühne steht. Lucie ist begeistert und Rabatzes T-Shirt-Spruch "I ♥ Lucie" schafft es endlich sie und Rabatze zusammenzubringen. Auch die Frage nach Punkt-ums Umzug klärt sich. Nonna Dolce Vita, die bei der Aufführung dabei war, erkennt den Papagei wieder. Er hat einst ihrem Mann gehört, doch nach seinem Tod hat sie ihn ins Tierheim gegeben, da er sie mit seinen Kommentaren zu sehr an ihren Mann erinnert hat.

Auch für Lea geht die Geschichte gut aus. Auf der einen Seite verdient sie sich nun mit dem Ausführen von Hunden etwas dazu, auf der anderen Seite hat sie die beste Zwillingsschwester der Welt. Diese hat nämlich für ihre alten Kleidungsstücke, die sie nicht mehr brauchte und nun an die Caritas gespendet hat, eine Menge Geld von ihrer Nonna bekommen, das Lucie nun ihrer Schwester schenkt.

Kritik

Bereits das ansprechend gestaltete Cover, das vom Design stark an den ersten Band angelehnt ist, verrät was den Leser erwartet: Eine unterhaltsame, leicht geschriebene Geschichte über den Zusammenhalt zwischen Familie und Freunden, jede Menge gute Laune und natürlich das eine oder andere Gebäckstück. Im Buch finden sich keine Bilder, jedoch gibt es einige Einschübe, die an handschriftliche Zettel erinnern. Dabei wurde jeder Person eine eigene Schrift zugeteilt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Lucie und Lea in der dritten Person geschildert, so dass der Leser Einblick in die Gefühlswelt beider Mädchen erhält. Beide Mädchen und auch ihr Umfeld sind liebenswert und authentisch gestaltet.

Obwohl Lucie ein eher extrovertierter Mensch ist, dem gegenüber ihrer Schwester Lea eher zurückhaltend wirkt, quälen sie ziemliche Zweifel: Mögen ihre Eltern die ordentliche Lea, die immer im Haushalt hilft lieber? Außerdem hat sie keine eigenen Freundinnen. Und wie empfindet wohl Rabatze ihr gegenüber? Lea dagegen hat wie erwähnt das Problem, dass sie zwischen ihren Freundinnen steht. Außerdem würde sie manchmal gerne mehr aus sich rauskommen und mehr so sein wie Lucie, die sich ohne weiteres auf eine Bühne stellen und singen würde. Doch letzten Endes zählt nur, dass sie sich auf einander verlassen können. Auch wenn es öfter einmal Streit gibt.

Dieser Zusammenhalt in der Familie von Leipnitz ist stark. So hilft der Vater Lucie beispielsweise bei der nur semilegalen Aktion, um die Störenfriede aus Leas Klasse zu stoppen, die sowohl sie als auch eine ehemalige Klassenkameradin bedroht haben.

Als Leser rauscht man quasi durch das Buch hindurch. Stets steht man vor kleinen Rätseln, deren Auflösung sich mittunter bis zum Schluss hinzieht und somit die Spannung aufrechterhält. Auch ohne den ersten Band zu kennen, kommt man leicht in die Geschichte herein und kann der Handlung problemlos folgen.

Der Papagei Punkt-um ist eine amüsante Ergänzung zu der menschlichen Besetzung des Buches. Seine Kommentare sind punktgenau auf die Handlung abgepasst und sehr unterhaltsam. So kann er wie oben bereits erwähnt eine Autohupe und die Klänge der Gitarre imitieren. Aber am lustigsten sind seine Kommentare. Fast scheint es, als würde er die Gespräche verstehen und darauf eingehen, so z.B. als Lucies und Leas Mutter beim Mittagessen kommentiert "Die Anschaffung dieses Papagei ist eine einzige Schnappsidee gewesen!" und Punkt-um "Prost in die Runde!" entgegnet. Als Lea und Lucie anschließend ihren Vater für den Papageienkauf verantwortlich machen, krakeelt er "Verrraaat!" (S. 12f.). Seine Anmerkungen verdrehen bisweilen die Zusammenhänge. In anderen Momenten bringen sie aber auch verborgene Tatsachen ans Licht und zeigen Kontexte auf, die dem Leser ansonsten womöglich entgangen wären

Auch sonst sind es die vielen kleinen, liebevollen Details, die die Geschichte zu einem gelungenen Ganzen machen. Aufgrund ihres Nachnamens von Leipnitz nennen die Zwillinge ihre Eltern "die Butterkekse" und ihr leidenschaftlich backender Opa wird Opa Pistorix genannt – abgeleitet von dem lateinischen Wort für Bäcker.

Fazit

Die Geschichte bietet eine wunderbare Mischung aus Alltag und Familienzusammenhalt, aber auch die Themen Freundschaft, Liebe und Schulprobleme sowie eine ordentliche Portion Humor gehören zu dem Buch dazu – kurz: "Chaos hoch zwei mit Papagei"! Die Geschichte ist für Kinder ab 9 Jahren zu empfehlen, aber auch ältere werden mit der Erzählung über die beiden ungleichen Zwillingsschwestern gut unterhalten sein und auch sich selbst wiederfinden können.


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