von Kjara von Staden

Ein Sommercamp in den Rocky Mountains, eine Wette zwischen Titan Prometheus und Göttervater Zeus – und ein Mädchen, das ungewollt zwischen die Fronten gerät. GötterFunke. Liebe mich nicht von Marah Woolf versetzt die griechischen Götter in unser Zeitalter und verknüpft geschickt bekannten Mythos mit Fiktion. Heraus kommt dabei eine spannende Liebesgeschichte voller überraschender Wendungen.

Woolf, Marah: GötterFunke. Liebe mich nicht.
Dressler, Hamburg 2017.
464 Seiten. 18,99 €
ISBN 9783791500294.
Empfohlen ab 12 Jahren.

Inhalt

Sterblich sein. Für Prometheus, Titan und Erschaffer der Menschen existiert keine größere Sehnsucht. Doch diese kann sich nur erfüllen, wenn er eine Wette gegen Zeus, die er schon seit Jahrhunderten regelmäßig verliert, endlich gewinnt: Er muss mit allen Mitteln um ein Mädchen werben, welches ihn jedoch abweisen muss. Was zunächst einfach klingt, entpuppt sich angesichts von Prometheus' Charme und Schönheit als nahezu unmöglich. Für die 18-jährige Jess gibt es diesen Sommer hingegen nichts Entspannteres, als in ein Sommercamp in den Rocky Mountains zu entfliehen – weg von ihrer Mutter, die ihren Kummer über den Betrug des Vaters in Alkohol ertränkt, weg von der Verantwortung, die Geldsorgen der Familie bewältigen zu müssen. Jess will ihre Sprachfähigkeiten in Altgriechisch verbessern und mit ihren Freunden Robyn, Cameron und Josh Spaß haben. Doch dann lernt sie die Familie des Campleiters kennen: Die strahlende Schönheit Athene, den charmanten Apoll und den für alle Mädchen unwiderstehlichen und undurchschaubaren Cayden. Gerade letzterer bringt sie und ihr Herz sofort aus dem Konzept und ruiniert damit ihren Plan, sich zur Abwechslung mal nur auf sich selbst zu konzentrieren, komplett. Und nicht nur das: Es passieren immer mehr merkwürdige und übernatürlich anmutende Dinge, die Jess sich nicht erklären kann. Denn Apoll, Athene und das Campleiter-Ehepaar Zeus und Hera sind tatsächlich die Götter der griechischen Mythologie. Und Cayden ist niemand Geringerer als Prometheus, der Jess’ Freundin Robyn für sich gewinnen soll, um von Zeus Sterblichkeit zu erlangen. Doch Caydens Interesse scheint eher Jess zu gelten. Oder doch nicht? Jess wird immer verwirrter. Und dann wäre da auch noch der verstoßene und tot geglaubte Sohn des Zeus, der laut einer uralten Prophezeiung die Macht haben soll, seinen Vater zu stürzen.

Kritik

Autodiegetische Erzählerin von GötterFunke. Liebe mich nicht ist Jess. Diese bietet eine Reihe von Identifikationsmöglichkeiten für Mädchen ab zwölf, wobei vor allem die Authentizität ihrer Liebe zu Cayden und der Schmerz, den sie dabei empfindet, auffällt:

"Ich lachte trocken. Einen Gott konnte man schlecht ermorden. Er würde ewig leben und so lange vermutlich Herzen brechen. Was sollte man tun, wenn man die Ewigkeit vor sich hatte? Was scherte es ihn, uns Sterbliche zu verletzen?" (S.422).

Zwischen jedem Kapitel aus Jess’ Sicht werden die Geschehnisse allerdings kurz von dem Götterboten und Sohn Zeus’ Hermes geschildert. Er wandelt unsichtbar zwischen der menschlichen und göttlichen Welt und beurteilt alle Ereignisse mit oftmals sehr humorvollen Kommentaren:

"(…) zum Schluss waren sie ihm alle verfallen. Ausnahmslos. Das würde in diesem Jahrhundert nicht anders sein. Im Gegenteil. Es würde schwieriger werden. Diese Mädchen küssten ja sogar in aller Öffentlichkeit." (S.81).

Somit wird der Handlung noch einmal ein göttlicher Blickwinkel mit Hintergrundinformationen über die Mythengestalten verliehen. Der Roman besticht aber vor allem durch das glaubwürdige und spannende Weiterspinnen der griechischen Mythologie. So werden nicht nur die Götter Athene und Apoll zu charmanten und jugendlich wirkenden Figuren weiterentwickelt, auch Zeus und seine Frau Hera erfahren eine positive Wandlung. Zeus, der in der klassischen Mythologie ein ewiger Betrüger und Frauenverführer ist, wird als geläuterter und liebender Familienvater inszeniert. Hera, deren Ruf traditionellerweise einer eifersüchtigen Frau entspricht, zieht selbst Zeus’ uneheliche Kinder wie ihre eigenen auf und straft Schriftsteller wie Homer mit ihrer sanftmütigen und freundlichen Art Lügen. Marah Woolf schafft es so, die bekannten Mythen um die Götter und Titanen in die heutige Zeit zu transportieren und die Figuren gleichzeitig wie Menschen des 21. Jahrhunderts und der Antike wirken zu lassen: Die Götter passen sich den Großteil der Handlung über an die aktuelle Gesellschaft an, verfügen aber dennoch über eine besondere, übernatürliche Ausstrahlung, die die anderen Figuren im Buch sofort bemerken. So ist es möglich, dass die Leser einen Bezug zu den Göttern finden können und gleichzeitig etwas über griechische Mythologie lernen.

Dies wird durch die Seminare in Altgriechisch, die Jess im Camp besucht, das dort stattfindende Besprechen antiker Mythen und Sagen und die detaillierten Erläuterungen der göttlichen Figuren hinsichtlich der Rezeption antiker Stoffe, ermöglicht. GötterFunke hält sich trotzdem nicht lange mit langatmigen und jugendliche Leser langweilende Geschichten um uralte Texte über Götter auf. Vielmehr wird der Grundkonflikt zwischen Göttern und Titanen verständlich dargelegt. Auch die Geschichte über Prometheus, seinen Streit mit Zeus und die Prophezeiung über Zeus’ ungeborenen Sohn ist spannend. Die Leser lernen so ganz nebenbei, viel über griechische Mythologie und Geschichte.

Im Anhang findet sich ein Glossar über die griechischen Götter und Wesen, das Mythos von fiktionalen Erweiterungen trennt. Dies stellt ein richtiges Verständnis der Begebenheiten sicher und gibt Lesern, die keine Vorkenntnisse zur griechischen Mythologie besitzen, die Chance, alles noch mal genau nachzulesen. Des Weiteren bietet ein Stammbaum der Götter und Titanen einen genauen Überblick über die teilweise sehr verwirrenden Familienkonstellationen.

Fazit

Marah Woolf gelingt es mit GötterFunke. Liebe mich nicht eine authentische Brücke zwischen bekanntem Mythos und modernen Figuren zu schlagen. Sie kreiert eine ganz eigene Welt von griechischen Göttern, die Leser ab zwölf Jahren nicht nur eine authentische und mitreißende Liebesgeschichte liefert, sondern auch einiges über antike Stoffe lernen lässt.

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