von Kirsten Kumschlies

Kampf der Geschichten und Verfolgungsjagd an berühmten Paris-Schauplätzen: Der Auftakt der Trilogie der Fabelmacht-Chroniken folgt einem tradierten Schema und entführt die Leser an touristische und fantastische Orte.

Lange, Kathrin: Die Fabelmacht-Chroniken: Flammende Zeichen.
Arena, Würzburg 2017.
409 Seiten. 18,00 €
ISBN 978-3-401-60339-1.
Empfohlen ab 14 Jahren.

 Inhalt

Mila reist nach einem Streit mit ihrer Mutter von ihrem Wohnort Berlin an ihren Geburtsort Paris. Entnervt von der Überfürsorglichkeit ihrer Mama Helena sucht die 17jährige dort Zuflucht bei ihrer künstlerischen Freundin Isabelle, die direkt in Montmartre wohnt. Doch schon auf der Zugfahrt spürt die jugendliche Protagonistin, dass irgendwas nicht stimmt. Sie scheint in einen seltsamen Bann gezogen zu werden, denn sie trifft bereits im Zugabteil auf einen merkwürdigen alten Mann, der sie fragt, ob sie an die große Liebe glaube und ihr zum Abschied zuraunt: „Worte, junges Fräulein. Worte können sehr mächtig sein. Wenn die richtigen Menschen sie benutzen, sogar mächtig genug, die Welt zu verändern.“ (S.19). Nach und nach erfährt Mila, und mit ihr der Leser, was damit gemeint ist: Mila besitzt die Fabelmacht, die nur in Paris wirkmächtig ist. Mit ihrer Kraft werden alle Geschichten wahr, die derjenige aufschreibt, der über die Fabelmacht verfügt. Mila ist eine leidenschaftliche Schreiberin und erfindet schon seit vielen Jahren Geschichten über Nicholas – und ebenden trifft sie in Paris und findet heraus, dass auch er fabelmächtig ist und seinerseits über sie geschrieben hat. Es entbrennt ein Kampf der Geschichten gegeneinander, denn, die selbst geschriebenen Erzählungen der Fabelmächtigen sind nicht identisch. Welche Geschichte wird nun wahr? Langsam wird Mila klar, das ihre Familie auch mit der Fabelmacht verbunden ist und der Tod von Vater und Bruder, nach dem die Mutter Helena Paris verließ, auch etwas mit der Geschichten-Kraft zu tun haben muss. Manifest wird diese durch blaue Schriftzeichen, die flammend auf dem Arm des fabelmächtigen Schreibers aufleuchten. Ehe sich Mila versieht, wird sie plötzlich zur Gejagten, denn die fabelmächtige Familie von Nicholas will die Liebesgeschichte zwischen den beiden unterbinden. Begleitet wird Mila von Eric, den sie, ebenso wie Nicholas, an ihrem ersten Tag in Paris am Gare de l´Est trifft. Es beginnt ein Kampf um Leben und Tod, die die Figuren in die Katakomben der französischen Metropole führt. Dort trifft sich die geheime Bruderschaft, die der Fabelmacht abgeschworen hat. Doch Nicholas` Vater Caruel kennt kein Erbarmen. Er jagt die Jugendlichen mit bitterer Kraft - und schweren Waffen. Müssen Nicholas und Mila sterben?

 

Kritik

Mit den 409 Seiten starken Fabelmachten-Chroniken – Flammende Zeichen legt Kathrin Lange den Auftakt einer neuen Urban Fantasy-Trilogie vor, die alles hat, um dem Schema unterhaltsamer, fantastischer Jugendliteratur sauber entsprechen zu können. Die Geschichte ist sehr einfach erzählt von einem heterodiegetischen Erzähler, der den Überblick über die Handlung hat und demnach die Möglichkeiten, zwischen verschiedenen Figurenperspektiven zu springen. So folgt er mal Nicholas, mal Mila oder auch dem Buchhändler Maréchal, der sich im Laufe der Geschichte zu einem Beschützer Milas entwickelt. Was vielversprechend beginnt, vermag letztlich nicht zu überzeugen: Allzu hölzern ist die Figurenkonzeption. Neben der braven, mustergültigen Mila steht der geheimnisvolle Nicholas, deren Liebesbeziehung konstruiert und wenig nachvollziehbar wirkt, weil ein vertiefender Blick ins Innere der Figuren fehlt, sie wenig Profil und Tiefenschärfe haben. Das Motiv des Geschichten-Kampfes, das an das Buch-in-Buch-Motiv in Funkes Tintenherz erinnert, ist eine innovative Idee, auch deshalb, weil hier intertextuelle Bezüge , vor allem zu Baudelaire, aber auch zu Carrolls Alice im Wunderland gezogen werden. Dabei bleibt es, denn die Intertextualität erschöpft sich darin, dass andere Bücher einfach nur genannt werden, der Geschichten-Kampf fungiert lediglich als handlungsverknüpfendes Element, das die Story in einfachen Schritten vorantreibt: Mila wird gejagt, Eric und der Buchhändler Maréchal begleiten und beschützen sie, sie verliebt sich in Nicholas, Eric verliebt sich in sie, es beginnt eine Verfolgungsjagd, die für Nicholas tödlich enden könnte. Wer einfache Unterhaltung mit fantastischen Elementen mag, wird sich daran nicht stören und sich an diesem dicken Schmöker freuen – literarästhetische Qualität hat diese typisch schematische Fantasy-Mischung eher nicht. Gelungen aber ist die Raumgestaltung insofern, als der Schauplatz Paris sehr plastisch und anschaulich ausgestaltet ist und somit als kognitiver trigger fungiert, der den Paris-Kenner erfreuen kann, vorausgesetzt, er mag die typischen, lange tradierten, touristischen Paris-Bilder. Farbenprächtig beschreibt die Erzählerin die berühmten touristischen Schauplätze: Eiffelturm, Montmartre, Notre-Dame und den Cimitière du Père-Lachaise:

„Mila musste nur vom Gare de l´Est die Metro Richtung Porte de Clignancourt nehmen und an der Station Chateau Rouge aussteigen. Isabelles Wohnung lag dank ihrer reichen Eltern mitten im Künstlerviertel Montmartre. Um sie zu erreichen, musste Mila zwar zu Fuß den gesamten Hügel erklimmen, aber das war ihr egal. So konnte sie sich gleich ein bisschen umsehen – und vielleicht sogar einen Abstecher zur berühmten Kirche Sacré- Coeur machen.“ (S. 21)

Bei diesem oberflächlichen, tendenziell klischierten Blick auf Paris, der sich auf die genannten touristischen Schauplätze bezieht, bleibt es: der romantische Büchermarkt am Ufer der Seine und das bunte Treiben vor dem Eiffelturm.

Fazit

Ein schematisch konstruierter, unterhaltsamer Urban Fantasy-Roman, der lesefreudigen Jugendlichen ab 14 Jahren zu empfehlen ist, die einfach abtauchen und sich in ein romantisch-fantastisches Touristen-Paris entführen lassen wollen und Freude an literarischen Verfolgungsjagden haben. Gute Urlaubslektüre oder einfaches Lesefutter, das einem altbewährten Schema folgt.

  


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