von Sindy Hildebrand

"'Sprich deinen größten Wunsch laut aus und er wird wahr werden.' Es wurde beinahe vollkommen still in mir. […] Der Wunsch hing wie ein fiebriger Kloß in meinem Kopf. Was, wenn es funktionierte?" (S. 24) Zu spät bemerkt Oskar, welche Worte der Glückskeksspruch über seine Lippen schwappen lässt …

Lundberg Hahn, Kerstin: Oskar und die Sache mit dem Glück.

Aus dem Schwedischen von Gesa Kunter.

Mit Illustrationen von Susanne Göhlich
Aladin, Hamburg 2015.
176 Seiten. 10,95 €
ISBN 978-3-8489-2064-8
Empfohlen ab 9 Jahren.

Inhalt

Oskar will einfach nur, dass seine Eltern normal sind, so wie er selbst. Papa Edvard wird fröhlich, wenn er singen darf, wie auf der Treppe vor Oskars Klassenzimmer, als er eine Arie schmetterte. Mama Lotta ist glücklich, wenn sie tanzen darf, so wie bei Oskars Schuldisco, als sie plötzlich aufs Parkett sprang und einen rasanten Hip-Hop hinlegte. Papa und Mama küssen sich sogar im Supermarkt! Ausgerechnet vor dem Regal, in dem Oskar und sein Freund Hugo nach Weingummis suchen! Und erst Papa mit seinem Liebesgeflüster, das alle hören können! Wie peinlich ist das denn? 

Bie, das Mädchen aus dem chinesischen Restaurant, schenkt Oskar einen Glückskeks, und sein Herzenswunsch sprudelt unaufhaltsam über seine Lippen. Schnell erkennt er, dass er selbst in eine Flut peinlicher Situationen hineinschlittert: Er meldet sich freiwillig, um den Stallknecht im bevorstehenden Weihnachtskonzert zu singen, für den sich coole Jungen nie hergeben würden. Ohne zu zögern, gesteht er per SMS seiner Mitschülerin Maja, dass er sie liebt, obwohl sie an Hugo interessiert ist. Ähnlich wie sein Papa schwingt sich Oskar eines Tages um einen Laternenpfahl und trällert Singin᾽ in the Rain. Mit dem Zombietanz kommt er bei der Schuldisco noch gut an, aber der Moonwalk geht an die Tischkante, Oskar landet auf dem Boden und Popcorn fliegt ihm um die Ohren. 

Es muss noch ein Glückskeks her, denn nur durch einen solchen glaubt er, seine Misere beenden zu können. Bie will ihm dabei helfen und stibitzt aus dem Restaurant ihrer Eltern einen Haufen Glückskekse, in der Hoffnung, den gleichen Zettel wiederzufinden, damit Oskar seinen Wunsch nun korrekt formulieren kann. Bei ihrer Suche haben die beiden eine Menge Spaß, Bie findet sogar Oskars Pupsen witzig. "Plötzlich lagen wir da und kugelten uns auf dem Boden und lachten so sehr, dass wir Bauchkrämpfe bekamen. […] es [fühlte] sich kein bisschen peinlich an, nur lustig." (S. 110) Wie die Laterne, die Bie vor dem Restaurant für Weihnachten anzündet, so erhellt sich auch in Oskar ein kleines Licht …

Kritik

Zum Aufhänger von Oskar und die Sache mit dem Glück macht die schwedische Kinderbuchautorin Kerstin Lundberg Hahn einen Glückskekszettel, der die Erfüllung eines Wunsches verspricht, sobald man diesen laut äußert (schwed. Originaltitel Lyckokakan (›Glückskuchen‹), 2013). Ungewollt unglücklich formuliert rutscht Oskar ein Wunsch heraus, der seinen Eltern gilt. Ihm ist ihr Auftreten in der Schule, im Supermarkt oder zu Hause oft peinlich, dabei sind Papa und Mama nur spontan und wollen ebenso Spaß haben. Durch die ungeschickte Wunschformulierung glaubt sich der Ich-Erzähler Oskar infolge selbst in unerwartete Situationen versetzt, die in 25 Kapiteln vor einer vorweihnachtlichen Kulisse mit Schnee, Plätzchen und Weihnachtsliedern dargestellt werden. Waren ihm zuvor seine Eltern peinlich, sind ihm nun seine eigenen Worte und Taten unangenehm. Dabei reagieren weder seine Mitschüler, noch seine Familie beschämt. Dass eine 'Peinlichkeit' vielleicht nur ein Unfall oder Versehen war oder es einfach Spaß machen kann, etwas Unverhofftes zu tun, wird dem Fünftklässler erst klar, als er Bie kennenlernt. Ihre Hilfsbereitschaft wird nicht nur durch einen anderen Glückskeksspruch 'vorausgesagt', auch kann sie herzlich über Oskars ungewollt entfleuchten Pupse lachen. Solche Situationen sollen für komische Momente sorgen, die Kinder zum Lachen bringen, aber im Grunde unangenehm und abstoßend wirken können. Eher rufen seine fröhlichen Eltern sowie seine liebe Oma und ihre (angebliche) Schwerhörigkeit das eine oder andere Schmunzeln hervor. 

Auch wenn Oskar von einem merkwürdigen Erlebnis in das nächste stolpert, skizziert das Kinderbuch letztlich alltägliche Begebenheiten, die im Leben eines Schülers durchaus nicht unüblich sind. Die Ich-Perspektive gewährt dem Leser Einblick in seine Befindlichkeiten, die sich häufig darum drehen, ob jemanden oder etwas peinlich ist und wie sich Verliebtsein anfühlt. Allerdings muten einige Gedankengänge, Formulierungen und Beschreibungen wenig authentisch oder zu detailliert für das Ausdrucksvermögen und Bewusstsein eines Fünftklässlers an, wie z. B. das Zitat im Teaser oder die folgende Passage zeigt:

"In mir flammte Hoffnung auf. Es war, als hätte jemand eine Wunderkerze angezündet, die in meiner Brust Funken sprühte […]. [Bie] steckte die Hand in die große Dose und nahm vier kleine Goldpäckchen heraus. Die Wunderkerze in mir brannte weiter und die Funken verteilten sich bis in meine Arme, so dass die ganz zittrig wurden […]. Völlige Nieten. […] Ich knüllte die kleinen Papierstreifen zusammen […]. Die Wunderkerze in meinem Körper war drauf und dran zu erlöschen. Nur noch ein kleines bisschen Glut war übrig." (S. 110-102).

Es bleibt fraglich, ob ein Zehn- bzw. Elfjähriger über seine Gefühlszustände so bewusst nachdenkt und diese auf so metaphorische Art und Weise zu formulieren weiß. Auffällig ist, dass Oskar seine eigenen Worte und Handlungen stark davon beeinflussen lässt, was andere (vermeintlich) über seine Familie und ihn denken. So meidet er seinen besten Freund Hugo, im Glauben, dass dessen Freundin Maya ihm erzählt hat, dass Oskar sie liebt. Zum Lucia-Fest (skandinavischer Weihnachtsbrauch am 13. Dezember) will er den Stallknecht nicht singen, weil diese Rolle in den Augen seines Mitschülers Nisse, der den Ton unter den Jungen der Klasse angibt, als uncool gilt. Doch Oskar erkennt, dass er feige ist und singt seinen Part doch – auch, weil Bie, in die er sich verliebt hat, im Publikum sitzt. Die Aneinanderreihung von mehr oder weniger witzigen Situationen wird durch das Auffinden des lange gesuchten Glückskekszettels abgerundet, den Oskar für später aufhebt. Durch seine Erlebnisse ist ihm bewusst geworden, dass man sein Glück nicht herausfordern und vorsichtig mit Wünschen umgehen sollte. 

Zum Lesen motiviert neben der gut verständlichen einfachen Sprache, vor allem auch die Gestaltung des Buches, die Illustrationen Susanne Göhlichs fügen sich fröhlich in den Text ein, die Kapitelüberschriften werden durch verschiedene Plätzchenskizzen eingeleitet. Warum der Aladin Verlag nicht die Originalbilder der schwedischen Zeichnerin Maria Nilsson Thore übernommen hat, lässt sich nicht nachvollziehen.       

Fazit

Vor vorweihnachtlicher Kulisse erzählt Oskar und die Sache mit dem Glück Begebenheiten aus dem Leben des Schülers Oskar, die ihm ungewöhnlich und durch einen Glückskeksspruch ausgelöst erscheinen. Diese können jedem passieren, auch ohne vorher einen Glückskeks verspeist und einen Wunsch ausgesprochen zu haben. Für den einen oder anderen Leser mögen die Episoden wie aufgereiht und ohne Spannungshöhepunkt wirken. Durch die angesprochenen Themen wie 'peinliche' Eltern, Freundschaft und erstes Verliebtsein sowie einige lustige Situationen dürfte die Geschichte Kinder zwischen 9 und 12 Jahren zum Lesen einladen. Die kleinen Abenteuer und komischen Zwischenfälle, die Oskar, Bie und Co. erleben, lassen sich mit Oskar und das Mandelherz (dt. Ersterscheinung 2017) weiterverfolgen.  

 

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