von Kjara von Staden

Wie kann ein Nerd das Mädchen seiner Träume erobern? Graham, 16 Jahre alt, schlaksig, bebrillt und verliebt in seine beste Freundin Roxy, stellt sich diese Frage in Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums immer wieder. Seine Lösung: Auf der New Yorker Comic-Convention die gemeinsame Passion nutzen und seiner Traumfrau ein unvergessliches Wochenende samt epischer Liebeserklärung bereiten. Ein Roman voller Wortwitz und einem tollpatschigen, aber sehr authentischem Protagonisten – für Fans von Superhelden-Comics, fantastischen Serien und Filmen bestens geeignet!

Tash, Sarvenaz: Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums
Magellan, Bamberg 2016.
304 Seiten. 16,95 €
ISBN 9783734850271.
Empfohlen ab 12 Jahren.

Inhalt

Graham Posner lässt sich als intelligenter, aber ein wenig schüchterner Comic-Nerd bezeichnen. Am liebsten gestaltet er mit seiner besten Freundin Roxana selbst Comics und denkt sich lustige und kreative Texte zu ihren Zeichnungen aus. Schon seit Jahren sind die beiden befreundet, machen fast alles zusammen und teilen ihre größte Leidenschaft – Serien, Filme und Comics – miteinander. Was Roxy aber nicht weiß: Seit ein paar Monaten kann Graham nicht aufhören, an sie zu denken und sich mehr mit ihr vorzustellen als Freundschaft. Doch wie soll er ihr das beibringen? Und empfindet sie auch dasselbe für ihn? Graham fängt an, einen Plan zu entwickeln. Er will auf dem größten Nerd-Event des Jahres, der New Yorker Comic-Con, seinen ganzen Mut zusammennehmen und Roxana seine Liebe gestehen. Um den Moment perfekt zu kreieren, zeltet er sogar eine Nacht in einer Warteschlange, um an Tickets für eine Session mit Roxys größtem Idol zu gelangen. Doch alles kommt anders: Er kann keine der Eintrittskarten ergattern und muss Roxys Aufmerksamkeit zu allem Unglück auch noch mit einem charmanten und gut aussehenden Briten teilen. Der geeignete Augenblick, Roxy zu sagen, was er fühlt, scheint dahin. Aber Graham gibt nicht auf. Er wird seine beste Freundin für sich gewinnen – koste es, was es wolle. Zusammen mit seinem besten Freund Casey und Roxys Freundin Felicia stolpert er von einer peinlichen und komischen Situation in die nächste, um an sein Ziel zu kommen.

Quelle: Magellan

Kritik

Der Roman kann vor allem bei Comic- und Fantasy-Liebhabern auf große Zustimmung stoßen. Dafür sorgt nicht nur der hauptsächliche Handlungsort, die Comic-Convention im New Yorker Javits Center, der von der Autorin anschaulich durch explizite Nennung von einzelnen Hallen und Konferenzsälen beschrieben wird. Auch werden im Text immer wieder Bezüge zu den Storyworlds bekannter Blockbuster und Serien hergestellt. So freunden sich Roxy und Graham beispielsweise durch das gemeinsame Lesen der Harry-Potter-Bücher an und Casey und Graham lassen Dumbledore und Gandalf in ihrer Fantasie in einem magischen Kampf gegeneinander antreten, um sich die Zeit zu vertreiben. Zudem stellt Graham immer wieder Vergleiche mit Filmfiguren und Comic-Helden an, die sehr unterhaltsam sind: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Wangen inzwischen das Rot von Supermans Schlüpfer angenommen haben" (S. 176). Diese intertextuellen und intermedialen Verweise werden wiederholt geschickt in die Handlung eingebunden, sodass deutlich wird, mit welcher Intensität sich der Protagonist und seine Freunde für die Welt der Superhelden begeistern.

Durch die Häufigkeit dieser Vergleiche entsteht letztendlich der Eindruck eines kompletten Netzwerkes aus Comic- und Filmbezügen, die auf ein großes Wissen der Autorin schließen lassen. Da einige Hinweise auf weniger populäre Filme und Comics allerdings ohne Erklärung bleiben, könnte es an diesen Stellen gerade für Laien der Comic-Szene schwierig sein, Grahams Gedanken nachzuvollziehen.

Interessant am Roman sind auch die fiktiven Comic-Welten, die die Autorin selbst kreiert. So ist nicht nur Grahams und Roxys Lieblingsserie "Die Chroniken von Althena" eine Eigenkreation der Autorin, sondern auch die von den Protagonisten verfasste Reihe "Die Freaks von der Magus High". Dieses Buch-im-Buch Motiv zieht sich durch den gesamten Roman, wobei auch hin und wieder direkte Zitate aus den Reihen verwendet werden, wenn Graham seinen Gefühlszustand auf die Figuren aus der "Althena"-Serie bezieht. Vor allem diese Comic-Reihe wirkt gut durchdacht und glaubhaft – der Leser kann sich leicht vorstellen, dass "Die Chroniken von Althena" problemlos mit transmedialen Größen wie Spiderman und Superman mithalten könnten.

Das Herz des Romans ist allerdings die Figurenkonzeption des Protagonisten. Graham ist authentisch, besitzt Humor und verfügt über viel Identifikationspotential. Seine liebenswerten Nerdeigenschaften, die Unbeholfenheit und die leicht fanatische Passion für Comics und Fantasy harmonieren hervorragend mit seinem Wortwitz:

"Mir ist klar, dass ich hier auf die totale Nerd-Mitleidstour komme. Aber in diesem Moment ist nichts mehr unter meiner Würde. Und wenn er verlangen würde, dass ich vor ihm niederknie oder den Boden ablecke oder vor der ganzen Comic-Con eine Ariana-Grande-Ballade schmettere – ich würde es tun." (S. 86)

Zudem werden seine Gefühle für Roxy und seine Wünsche genau so beschrieben, wie man es sich von einem schüchternen, die meiste Zeit in Fantasywelten versunkenem Nerd vorstellt: Ein wenig unrealistisch, kitschig, aber liebenswert und sympathisch. Grahams Vorstellungen, was eine Beziehung mit Roxy betrifft, erinnern oftmals an schnulzige Szenen aus Filmen:

"Wir zwei allein in einem leeren Konferenzsaal hier auf der Comic-Con. Wie […] Roxana in meine Arme sinkt, während rings um uns die Musik anschwillt…" (S. 152).

Somit wird eine erste Liebe geschildert, die unbeholfen, verwirrend und auch ein bisschen träumerisch ist.

Allerdings endet die Geschichte nicht mit einem kitschigen Happy-End und wirkt deshalb sehr authentisch und realistisch, da Roxy nie Anzeichen von romantischen Gefühlen für Graham zeigt. Jugendlichen Lesern wird damit gezeigt, dass Liebe auch unerwidert bleiben kann und dass das nicht zwingend schlimm sein muss.

Fazit

Mit Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums gelingt Autorin Sarvenaz Tash ein unterhaltsamer Jugendroman, der durch interessante Film- und Comicbezüge und selbst kreierte Serien glänzen kann. Leser ab zwölf Jahren werden sich gut mit Protagonist Graham identifizieren können, da dieser die Wünsche und Sehnsüchte eines Teenagers gut widerspiegelt und zudem auch sehr sympathisch und humorvoll erscheint.


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