Innovative Entdeckungsreise zum bzw. in den Kopf

von Gerd Klingeberg

Wissenswertes und Witziges, Philosophisches und Phantastisches, Skurriles und Sprichwörtliches zum Inneren und Äußeren des menschlichen Kopfes vom Hals an aufwärts haben die tschechischen Autoren David Böhm und Ondřej Buddeus gesammelt. Herausgekommen ist ein reich bebildertes, sehr informatives und unterhaltsames Buch, das sich auf der Umschlagseite selbst als "Lektüre für stolze Träger eines eigenen Kopfes" charakterisiert.

Böhm, David /Buddeus, Ondřej: Kopf im Kopf.
Aus dem Tschechischen von Doris Kuba.
Karl Rauch Verlag, Düsseldorf 2016.
120 Seiten. 25,00 €
ISBN 978-3-7920-0367-1.
Empfohlen ab 6 Jahren.

Inhalt

Kopf im Kopf - so der etwas kryptisch lautende Titel des Buches - ist mit vielen, teils ganzseitigen oder gar auf vierfaches Seitenformat ausklappbaren Bildern, Fotos und Zeichnungen ausgestattet. Die zugehörigen Texte sind weitgehend kurz und übersichtlich gefasst; sie sind mitunter aphoristisch, oft humorig und hintersinnig, einiges ist gereimt. Auf mehreren Seiten sind zahlreiche metaphorische Wortspielereien und Redewendungen zu Kopf, Hals, Mund, Augen und Nase zusammengestellt und mit einfachen Strichzeichnungen anschaulich gemacht, indem etwa der Kopf als Birne, Kürbis oder Rübe skizziert wird. 

Quasi mit den Augen eines Detektivs werden illustrativ spezifische Merkmale von Kopf und Gesicht erläutert, die jedem einzelnen Menschen sein charakteristisches Aussehen verleihen. Unterhaltsam wird weiterhin über diverse Arten der Maskierung berichtet, etwa über das Mundtuch eines Banditen (das, wie zu erfahren ist, zuerst als Staubschutz von Cowboys getragen wurde), die Bedeckung mit einer Burka, den Helm eines Astronauten oder den Stahlgitter-Gesichtsschutz einer Fechterin. 

In kurzen Abhandlungen beantworten die Autoren interessante Fragen, beispielsweise: "Wie erinnert man sich an Dinge?", "Warum tut uns der Kopf weh?", "Wie entsteht eine Idee?" oder "Wie wird man zum Genie?". Zudem werden in loser Reihenfolge Fakten zur Anatomie und Funktion verschiedener Gehirnareale und allen Sinnesorganen aufgelistet. 

Themen sind Mnemotechniken und Träume, aber auch die Subjektivität jeglicher Wahrnehmung. Anekdotisches und kleine Bildergeschichten sorgen für zusätzliche Abwechslung. Und schließlich wird sogar der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass der Tod eines Menschen mittels fehlender Hirnaktivität festgestellt wird.

 

 

Kritik

Kopf im Kopf ist eine originelle Mischung aus Bilderbuch, Enzyklopädie und Sach- bzw. Geschichtenbuch. Es ist sprachlich und grafisch so gestaltet, dass es für Kinder (etwa ab Schuleintrittsalter), Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen unterhaltsam und lehrreich ist. Auch komplexe Inhalte werden in einer weitgehend unkomplizierten, gut verständlichen Wortwahl dargelegt; so werden etwa Träume als "kleines Filmfestival" bezeichnet oder ein Knockout beim Boxkampf mit dem "Schlafmodus" und anschließenden Neustart eines Computers erklärt. 

Die Illustrationen sind recht abwechslungsreich, zumeist als naiv anmutende oder karikierend überzeichnende Skizzen ausgeführt; sie regen durch ihre Reduzierung auf signifikante Merkmale dazu an, sich mit der behandelten Thematik eingehender zu befassen. 

Nicht zufriedenstellend ist das Geschlechterverhältnis der im Buch dargestellten Figuren: Abbildungen weiblicher Personen sind erheblich unterrepräsentiert. Unsensibel, wenn nicht gar diskriminierend (aufgrund naheliegender Assoziationen) mutet es zudem an, dass unmittelbar zwischen den Abbildungen eines maskierten Banditen und der Verbrechergestalt Fantomas das Bild und die Beschreibung einer Frau mit Burka platziert wurde. 

Hervorzuheben ist die gelungene Übersetzung aus dem Tschechischen durch Doris Kouba, die offensichtlich für die ursprünglich tschechischen Redensarten jeweils passende deutsche Pendants gefunden hat; lediglich einige gereimte Passagen - etwa solche wie "In Berlin die Wut ist immer wieder gut. Zornig in Bern? Merci, gern"“ - wirken etwas holprig (wobei unklar bleibt, ob sich die Übertragung damit möglicherweise am Original orientiert hat). 

Fazit

Kopf im Kopf  ist kein Buch, das nur streng von Anfang bis Ende zu lesen wäre; man kann es zum Schmökern ebenso gut an beliebiger Stelle aufschlagen. Die durchweg sinnfällige, teils sehr fantasievolle Herangehensweise mittels Wort und Bild bei unterschiedlichsten Themen rund um das wichtigste menschliche Körperteil macht diese erste "Kopfopädie" - so die Eigenbezeichnung des Buches – zu einem für (Schul-)Kinder wie Erwachsene gleichermaßen interessanten Nachschlage-Bilder-Lesebuch.

 

Erstveröffentlichung: 19.01.2018

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