von Gerd Klingeberg

Eigentlich sollte es ein entspannter Urlaub ohne Eltern im sonnigen Italien werden. Doch Opas altersschwacher VW-Bulli streikt leider schon bei der ersten Rast an einem einsam gelegenen Waldsee. Die Geschwister Jonas und Marie und ihr Hippie-Opa nehmen diesen unfreiwilligen Stopp indes gelassen – und erleben wider Erwarten den wohl schönsten Sommer ihres Lebens…

Welk, Sarah: Sommer mit Opa.
Illustrationen von Alexander von Knorre.
arsEdition, München 2018.
154 Seiten. 10 €.
ISBN 9783845821955.
Empfohlen ab 7 Jahren.

Inhalt

Weil die Eltern auf der Arbeit plötzlich unabkömmlich sind, muss der ursprünglich geplante Drei-Generationen-Urlaubsflug nach Teneriffa leider gestrichen werden. Kurzerhand entscheidet sich Hippie-Opa Franz, stattdessen mit dem elfjährigen Enkel Jonas und dessen zwei Jahre jüngerer Schwester Marie in seinem klapprigen VW-Camperbus in Richtung Italien zu starten. Schon nach der ersten Picknickpause an einem idyllisch gelegenen, einsamen Waldsee will der Motor des altersschwachen Gefährts nicht mehr anspringen. Hilfe lässt sich nicht anfordern, denn fatalerweise ist auch noch der Handy-Akku leer. Was tun? Nach kurzer Überlegung heißt es: Wir bleiben einfach hier. Essen ist – vor allem in Form von Nudeln - reichlich vorhanden; schlafen kann man einigermaßen bequem im Bulli. Und mit Opa, dem alternden Hippie, lässt es sich ohnehin prima auskommen. Der träumt und erzählt noch immer gerne von Woodstock, trägt Pferdeschwanz oder Vogelnestfrisur und runde Sonnenbrille, steht auf geblümtes Design, hat seinen Sohn tatsächlich Che genannt, ist meist tiefenentspannt und macht sowieso – das ist seine Prämisse – immer nur, was er will (S. 13).

Die drei verbringen glückliche Tage mit Spielen, Klettern und Angeln und sogar einem nächtlichen Bad im See. Sie freunden sich mit der rotschöpfigen, aus wenig erfreulichen Familienverhältnissen stammenden Lucky an und können sogar deren Familie aus einer Bredouille helfen. Mit Opas Unterstützung lernt Jonas ganz nebenbei, sich seinen Ängsten zu stellen: In der Schule hat er sich nie getraut, vom Dreimeterbrett zu springen; mutig geworden, wagt er jetzt sogar einen Satz aus dem hohen Baum direkt ins Wasser. Und das schlechte Verhältnis zu seinem gefürchteten Sportlehrer Brettschneider kann er schließlich auch noch geraderücken.

Kritik

Spektakuläres sucht man in Sarah Welks Sommer mit Opa vergeblich: Das Versenken von Opas Hose (S. 76 ff) im Rahmen von Angelübungen der Kinder, der (nicht geahndete) adverbiale Gebrauch von "scheiße" (S. 12) oder Jonas' wagemutiger Sprung vom Baum in den See (S. 66) sind nicht wirklich aufregend. Gerade aber weil die Autorin nicht auf ausgeprägte Spannungsmomente setzt, ist ihr ein reizvolles Buch gelungen, das bei aller Realitätsnähe durchaus ein bisschen nostalgisch anmutet und ungeachtet mancher kindlicher Kabbeleien ein unbeschwertes Heile-Welt-Bild vermittelt.

Welk lässt dazu Jonas aus der Ich-Perspektive erzählen. Manches scheint dabei nicht mehr so ganz zur Gedankenwelt eines 11-Jährigen zu passen, aber Wortwahl und flüssige Satzkonstruktionen sind durchgehend verständlich und kindgerecht; so beispielsweise die Einleitung:

"Ich knalle die Bustür hinter mir zu und bin froh. Ich bin so froh, dass ich mit dem Po auf dem Sitz hüpfe wie ein Verrückter und damit gar nicht mehr aufhören kann. Eigentlich machen so was natürlich nur Kleinkinder und ich bin schon elf. Aber jetzt gerade ist mir das egal und überhaupt kein bisschen peinlich. Weil es nämlich nur Opa sieht, und dem ist es schnurz. Und meine Schwester, aber die ist mir schnurz." (S. 11 f)

Eine Identifikation junger Leserinnen und Leser mit den Protagonisten ist somit problemlos möglich. Auch Opas kleine, niemals moralinsauer wirkende Lebenshilfe-Botschaften kommen gut an: Etwa dass sich mit einem mantra-ähnlich gemurmelten autosuggestiven "Ich mache es einfach" (S. 141) bisweilen auch beängstigende Situationen meistern lassen.

Ähnliches gilt für die aus technischer Sicht nur schwerlich nachvollziehbaren, aber dennoch erfolgreichen Bemühungen der Kinder (S. 106 ff), lediglich mittels sanfter Hammerschläge und einer Spraydose "Startwunder" den Motor des Bullis wieder flott zu kriegen: Es ist zumindest immer einen Versuch wert, die Dinge selbst ins Lot zu bringen.

Am Anfang jedes Kapitels gibt es eine liebevoll skizzierte, witzige Illustration, die das Geschehen im Text zusätzlich verdeutlicht.

Fazit

Sommer mit Opa ist eine wunderschöne, gleichermaßen zum Selberlesen wie zum Vorlesen geeignete (Urlaubs-)Lektüre, in der nicht von fernen Ländern geträumt wird, sondern vor allem Einfachheit, Freundschaft, Mut und Vertrauen im Vordergrund stehen. Aufgrund seiner problemlos nachvollziehbaren Thematik und seiner einfühlsamen, sehr verständlichen Sprache kann das Buch bereits für Kinder ab 7 Jahren empfohlen werden. Weil sein Text gänzlich frei ist von bedrohlich anmutenden Passagen, eignet es sich auch hervorragend als nette Gute-Nacht-Geschichte.

Erstveröffentlichung: 16.08.2018


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