von Kirsten Kumschlies

Die Buddenbergs sind wieder da und feiern Weihnachten! Aber nicht nur das, wer den ersten Band kennt, weiß es schon: Die lustige Patchworkfamilie liebt Geheimnisse, und ein solches gibt es auch jetzt wieder zu entschlüsseln. Etwas seichte, aber moderne und schöne Kinderliteratur zum Wohlfühlen und damit eine wunderbare Familienlektüre für die Weihnachtszeit.

Herden, Antje: Wir Buddenbergs - Das Geheimnis vor der Tür.
Fischer: KBJ: Frankfurt am Main 2018.
219 Seiten. 13,00 €
ISBN 978-3-7373-4111-0.
Empfohlen ab 7 Jahren.

Inhalt

Alles beginnt mit einem ominösen Paket, das der Postbote bei der Familie Buddenberg kurz vor Weihnachten abliefert. Adressiert ist es an P. Buddenberg, aber den gibt es in der Familie gar nicht. Denn, die Buddenbergs, das meint um es mit den Worten der Ich-Erzählerin Mia auszudrücken:

"Mama, Opipi, meinen ältesten Bruder Joshua, meine kleinen Zwillingsbrüder Luis und Lukas und (m)ich. Natürlich gehören Klaus, der Papa der Zwillinge, Joshuas Vater, der Seemann, und mein Papa genauso zu uns. Und auf alle Fälle auch Lisbeth, meine beste Freundin. Klaus ist nämlich nicht nur der Papa von Luis und Lukas, sondern auch der zweite Papa von Lisbeth, darum ist sie sowas wie meine Schwester. Klaus und Lisbeth wohnen zusammen mit Lisbeths Mama Mona im Haus gegenüber. Obwohl man auch sagen könnte, dass Lisbeths Mama gegenüber wohnt, während Lisbeth und Klaus dort oft nur übernachten. Den Rest der Zeit sind sie in der Schule und im Büro oder bei uns. So jedenfalls kommt es mir manchmal vor." (S. 8-9)

P. Buddenberg, das kann es sich nur um Paule Buddenberg handeln, einen Großneffen, so meint jedenfalls Opipi, einen entfernten Verwandten, den bisher noch keiner kannte. Und: Richtig! Dieser Paule steht kurz darauf vor der Tür und benimmt sich höchst merkwürdig, denn er verhält sich sehr reserviert, spricht kaum, will aber trotzdem unbedingt bei der Buchfamilie übernachten und weigert sich, in ein Hotel zu gehen. Merkwürdig, und von daher eigentlich passend, ist auch der Inhalt des geheimnisvollen Pakets, denn: Wer verschickt schon einen Granitblock? Und was will Paule damit? Sofort ist das kriminalistische Gespür von Mias Freundin Lisbeth geweckt. Sie ist sicher: Es kann sich bei Paule nur um einen Bankräuber handeln. Aber stimmt das tatsächlich? Das soll hier nicht verraten werden. Eingebettet ist die Handlung in diesem zweiten Band der Abenteuer der unkonventionellen Familie Buddenberg in die Weihnachtszeit. Sie backen Plätzchen, holen einen Weihnachtsbaum, gehen Schlitten fahren, denn selbstverständlich schneit es, und am Ende wird einträchtig zusammen Weihnachten gefeiert.

Kritik

Das zweite Abenteuer der Familie Buddenberg – nach Der Schatz, der mit der Post kam entwirft Antje Herden auch in diesem Band eine heitere Familiengeschichte, die gleichsam liebevoll wie einfach erzählt ist. Hervorzuheben ist vor allem die gelungene Patchworkfamilienkonstruktion der Buchfamilie, die mit tradierten Normen und gewohnten Mustern bricht. Die alleinerziehende Mutter, die Kinder mit mehreren Männern hat, ist als liebevolle, engagierte Vollblutmama gezeichnet, die für ihre Kinder da ist, ihnen Stabilität und Halt bietet und hier, im Weihnachtsband, ganz traditionelle Weihnachtsbräuche mit ihren Kindern etabliert: Da werden Plätzchen gebacken, es wird gemeinsam der Schlitten ausgepackt und zum Rodelberg getragen und am Ende fröhlich und harmonisch Weihnachten gefeiert. Zu ihren Exmännern pflegt die Mutter ein herzliches Verhältnis. Vor allem der Seemann, Vater von Joshua, ist eine lustige Figur. Er wird von allen Kindern geliebt, nicht nur von seinem leiblichen Sohn, ist demnach auch derjenige, den die Kinder im geheimnisvollen Fall um die Identität von P. Buddenberg ins Vertrauen ziehen. Diese Offenheit in der Darstellung bezüglich der Unkonventionalität des Familienmusters ist dem Kinderroman hoch anzurechnen, trägt sie doch der Tatsache Rechnung, dass viele Kinder heute nicht mehr in der klassischen Eltern-Kind-Familie aufwachsen. Herdens Kinderroman steht in der Tradition des tragikomischen Familienromans, wie er von namhaften Autorinnen wie Christine Nöstlinger oder Kirsten Boie etabliert wurde, verzichtet aber auf tragische Elemente. Denn bei den Buddenbergs herrscht totale Harmonie. Das kann man kritisch sehen und als realitätsfern betrachten – oder einfach genießen, als unterhaltende und lustige Kinderliteratur, die durch den vermeintlichen Kriminalfall auch durchaus spannende Momente enthält.

Fazit

Ein moderner Wohlfühl-Kinderroman, der ideal in die Weihnachtszeit passt: Lustig, locker und fröhlich kommt eine ganz und gar nicht traditionelle Buchfamilie daher, die Erzählform dagegen ist als traditionell zu bezeichnen. Eine freudige Lektüre für die ganze Familie mit Kindern ab 7 Jahren, die das Buch bei entsprechend entwickelter Lesekompetenz auch selber lesen können.

Wir verlosen dieses Buch: Schreiben Sie uns zur Teilnahme an der Verlosung einfach eine eMail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Titel des Buches, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an dem Tag, an dem wir das Buch vorstellen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Kirsten Kumschlies und die Redaktion wünschen Ihnen viel Glück und drücken alle Daumen!

 

 

Erstveröffentlichung: 27.11.2018


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