von Dr. Anna Stemmann

Ein Fuchs in Trenchcoat, der eine so perfekt getarnte Detektei hat, dass er selbst manchmal daran vorbeiläuft, ist die Hauptfigur Jacky Marrone in Franziska Biermanns gleichnamigen Kinderkrimi. In seinem ersten Fall begibt sich der Detektiv auf die rasante Jagd nach dem Superschurken Goldpfote – Ein Krimi für Erstleserinnen und Erstleser.

Franziska Biermann: Jacky Marrone jagt die Goldpfote.
Mit Illustrationen von Franziska Biermann.
dtv Junior, München 2018.
117 Seiten. 12,95 €.
ISBN 978-3-423-76230-4.

Inhalt

Die Geschichte beginnt damit, dass Jacky Marrone in seinem neu eröffneten Büro – nicht zufällig in der Bäckerstraße gelegen – gelangweilt auf Kunden wartet und sich die Zeit mit "Bürostuhl-Stretching" und "Bauchmuskelübungen mit dem Marmormülleimer" (S. 7) vertreibt. Mit der Witwe Bolte erscheint dann unverhofft Marrones erste Kundin: Ihr ist das wertvolle Goldhuhn Aurelia gestohlen worden und sie beauftragt den Detektiv damit, es wieder zu finden. Ausgestattet mit diversen und vor allem irrwitzigen Schnüffler Gadgets, wie dem "Super-Special-Agent-360xip-Koffer der Firma 'Sherlock'" (S. 24) und einem Satz "Superlauscher" (S. 44) begibt sich der Fuchs auf die Spur des Huhns. Der sogenannte "SpuSiSauger" (S. 29) bringt ihn schließlich bis zum Laden des dubiosen Pfandhändlers R. Stilzchen, der dort zwielichtigen Geschäften nachzugehen scheint. Marrone observiert den Laden mittels weiterer Spezialausrüstung und deckt langsam das Geheimnis des Besitzers auf. In dem immer rasanter erzählt werdenden Finale kommt es schließlich zum großen Showdown mit allen zuvor etablierten Figuren und einem plötzlich um ein Vielfaches vergrößerten Riesenhuhn Aurelia, das in Godzilla Manier plötzlich die Stadt überragt. Natürlich kann Jacky Marrone aber am Ende wieder für alle den ursprünglichen Zustand herstellen und den Ganoven fassen.

Kritik

Jacky Marrone jagt die Goldpfote ist ein kurzweiliger und gut erzählter Kinderroman, der sich nicht nur bei bewährten Motiven aus Krimis und Spionagegeschichten bedient, sondern mit diversen Versatzstücken und intertextuellen Anspielungen arbeitet. Die bereits genannte Bäckerstraße und Witwe Bolte, aber auch Herr R. Stilzchen sowie eine tierische Gruppe von Stadtmusikanten oder ein weißes Kaninchen der Besitzerin Alice verweisen auf unterschiedlichste literarische Stoffe. Viele Namen, wie Aurelia, sind sprechend und die Handlanger von Goldpfote sind durch die begleitenden Zeichnungen wiederum als Hommage an Wilhelm Buschs Max und Moritz zu lesen. Man muss all diese Verweise aber gar nicht erkennen und wird dennoch wunderbar unterhalten. Denn die vielen skurrilen Einfälle, die mit großer Liebe zum Detail erzählt werden, und das gute Erzähltempo ergeben einen gelungenen Kinderkrimi mit hohem Komikanteil. Darüber hinaus sorgen die Anspielungen aber für eine Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität, die elegant an den narrativen Kern des Krimis angelagert werden, etwa wenn sich der Fuchs am Anfang darüber sorgt, dass er besser nicht auf die Suche nach einem Geflügel gehen sollte: "Einer wie er geriet da schnell mal selber unter Verdacht …" (S. 16f.) Der Fuchs ist literarisch als Hühnerdieb eine bereits einschlägig vorbelastete Figur, worum Marrone hier selbst weiß.

Der Schrifttext ist zum einen für Leseanfängerinnen und Leseanfänger groß und gut lesbar gesetzt, wird zum anderen in der typographischen Gestaltung auch variiert und zum weiteren Erzählelement. Das graphische Spiel setzt sich in den Illustrationen fort, die nicht nur die Inhalte ins Bild setzen, sondern zusätzlich dazu erzählen und weitere Referenzen beinhalten. Jede Seite ist so individuell mit dem visuellen Material gestaltet und lädt dazu ein, immer neue Details zu entdecken. Die Zeichnungen überzeugen weiterhin durch ihren kräftigen Strich und einen klaren Stil, der in seiner Machart irgendwo zwischen den Bildern von Nadia Budde und Anke Kuhl zu verorten ist.

Fazit

Mit Jacky Marrone jagt die Goldpfote hat Franziska Biermann einen unterhaltsamen, lustigen und spannend erzählten Kinderkrimi vorgelegt. Sowohl inhaltlich als auch in der Verbindung von Schrift- und Bildtext kann der Roman überzeugen und richtet sich an Erstleserinnen und Erstleser ab sieben Jahren, bietet aber auch allen älteren Leserinnen und Lesern gute Unterhaltung. Die Fortsetzung Jacky Marrone rettet die drei kleinen Schweinchen (2019) ist bereits erschienen und schreibt das Spiel mit Märchenelementen als Kriminalgeschichte weiter fort. Für den ersten Band wurde Franziska Biermann für das Jahr 2019 in der Sparte Kinderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

 

Erstveröffentlichung: 11.04.2019


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