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Das Experiment mit dem alten Zauberbuch

von Roswitha Budeus-Budde

Rosarot und Glitzer auf dem Cover lösen Mädchenbuchalarm aus. Und doch werden die Leserinnen, in Erwartung der typischen Geschichten über Mädchenfreundschaft und alltägliche Erlebnisse in Schule und Elternhaus, in der Erzählung von Kate Saunders irritiert sein. Sie entdecken bald, dass sich in Flora Fox und das verflixte Vorgestern viel mehr verbirgt, als Austauschbares, locker erzähltes Immergleiches.

Kate Saunders: Flora Fox und das verflixte Vorgestern
Aus dem Englischen von Annette Hahn
Fischer Schatzinsel, Frankfurt a. M. 2012.
304 Seiten, 12,99 €.
ISBN 3-596-85449-0

Der Anfang erinnert an einen typischen englischen Internatsroman, die dreizehnjährige Flora wird gegen ihren Willen von ihren Eltern für ein Jahr in ein vornehmes Mädcheninstitut geschafft. Aus dem Weg geräumt, wie sie meint, um ihren Eltern Zeit zu geben, die ungeliebte kapriziöse Großmutter zu pflegen, die nach einem Sturz auf die Familie angewiesen ist.

 

Wut und Heimweh mischen sich bei dem Mädchen auf der Fahrt zur Schule, die jedoch ganz plötzlich eine unerwartete Wendung nimmt. Nach einem leichten Ohnmachtsanfall erwacht sie zwar wieder im Zug, aber in einer komplett anderen Zeit, im England des Jahres 1935. An ihrer Seite eine unbekannte Begleiterin, die ihre Verwirrtheit und ihr Entsetzen als ganz natürliche Folge ihrer weiten Reise als Tochter eines indischen Kolonialoffiziers ansieht, die sie nun zu sein scheint. Als sie schließlich nach ihrer Ankunft ihren neuen Zimmergenossinnen gegenübersteht, löst sich das Rätsel. Diese haben mit einem alten Zauberbuch experimentiert und in einer Art Zeitsprung Flora in die Vergangenheit und das Mädchen aus den Kolonien in die Gegenwart katapultiert.

Die Autorin erzählt nun unterhaltsam, aber auch mit politischen Zeitbezügen, aus dem Internatsleben vor 77 Jahren, gesehen aus dem irritierten Blick der Flora des 20. Jahrhunderts. Dazu, typisch Mädchenbuch, entwickelt sich nun eine wirkliche Freundschaft, die die Autorin mit einer raffinierten Volte in die Gegenwart katapultiert, – und damit auch das Geheimnis dieser Zeitsprunggeschichte aufdeckt. (ab 12 Jahre)

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Diese Rezension erschien ursprünglich in der Süddeutschen Zeitung Nr. 154 am 6. Juli 2012. Veröffentlichung auf KinderundJugendMedien.de mit Erlaubnis der Redaktion der Kinder- und Jugendliteraturseite der Süddeutschen Zeitung.


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