von Sabine Planka

Hazel und Gus wären zwei normale Jugendliche, wenn es da nicht den Krebs als ständigen Begleiter in ihrem Leben gäbe. John Green zeigt in seinem tiefgehenden Roman zwei starke Jugendliche und eine große Liebe, die sich vor der Endlichkeit des Lebens entfaltet, ohne dabei ins Rührselige abzudriften.

Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verräter.
Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz.
Hanser, München 2012.
288 S., 16,90 €
ISBN 978-3446240094.

Inhalt

Über das Buch Das Schicksal ist ein mieser Verräter schreibt der US-amerikanische Autor Lev Grossmann im Time Magazine (6. Februar 2012): "Ich sage nicht leichtfertig, etwas habe das Zeug zum Klassiker, doch John Greens The Fault in Our Stars [so der engl. Titel des Buches; Anm. S.P.] sehe ich jetzt schon im Kanon der Jugendliteratur neben großen amerikanischen Schriftstellern wie Judy Blume und anderen." (Grossmann 2012). Und wenn selbst das ZDF/heute journal in seiner Sendung über ein Jugendbuch und dessen Faszination auf Jugendliche berichtet, muss es sich um ein Buch mit nachhaltiger Wirkung handeln (Vgl. ZDF/heute journal vom 17. September 2012).  Das erstaunt in Zeiten von Twilight, Eragon & Co., handelt es sich um ein Buch mit ernstem Thema: Es geht um Krebs.

Die an Lungenkrebs erkrankte Hazel verliebt sich in einer Selbsthilfegruppe in den an einem Osteosarkom erkrankten Gus, der ein Bein bereits an den Krebs verloren hat. Beide verlieben sich ineinander und es entsteht eine Liebesgeschichte, die alles andere als schmalzig und kitschig daher kommt. Das Thema Krebs, dem die beiden mit Ironie und Sarkasmus, aber auch mit einer – wie Lev Grossmann es formuliert – neuen "Art von Krebsrhetorik, eine, die der Wahrheit offen ins Gesicht blickt" (Grossmann, 2012) begegnen, begleitet die beiden in ihrem Alltag, den die beiden versuchen, so selbstständig wie möglich zu meistern.

Ihre Gespräche kreisen um die Krebsgruppe, um ihr Leben und um die Bücher, die sie lesen. Hazel erzählt Gus von dem Buch Ein herrschaftliches Leiden des Autors Peter Van Houten, den sie sehr verehrt und dessen Werk, sein einziger Erfolg, Hazel nachhaltig beeinflusst, aber auch mit vielen Fragen zurückgelassen hat. So nachhaltig, dass sie Gus das Buch empfiehlt. Und Gus tut etwas, was die die Verletzlichkeit und die Tragik dieser Liebe verdeutlicht: Er schenkt Hazel seinen Herzenswunsch, der krebskranken Kindern geschenkt wird, und erfüllt ihr den Traum, nach Amsterdam zu reisen, um Peter Van Houten zu treffen, um ihre Fragen an ihn stellen zu können.

Doch das Treffen in Amsterdam – Hazel ist mit Gus und ihrer Mutter angereist – entpuppt sich für Hazel als herbe Enttäuschung: Van Houten ist ein Säufer, der Hazel und Gus und zudem auch seine Sekretärin Lidewij beschimpft und aus dem Haus ekelt. Zudem muss Hazel in Amsterdam erfahren, dass bei Gus der Krebs wieder ausgebrochen ist: "Ich leuchte wie ein Weihnachtsbaum, Hazel Grace. Die Brusthöhle, die linke Höhle, die Leber, überall." (Green 2012, S. 196). Und weiter sagt er: "Gegen wen führe ich Krieg? Gegen den Krebs. Und woraus besteht der Krebs? Aus mir. Die Tumoren gehören zu mir. Sie gehören genauso zu mir wie mein Gehirn und mein Herz. Es ist ein Bürgerkrieg, Hazel Grace, ein abgekarteter Bürgerkrieg, bei dem der Sieger feststeht." (Green 2012, S. 198).

Nach der Rückkehr nach Indiana verschlechtert sich Gus‘ Zustand zusehends. Und gerade der Sarkasmus, mit dem sich Gus wissend seinem Tod nähert – "Eines Nachmittags zeigte [Gus] mit schwacher Hand auf den Wäschekorb in der Ecke und fragte mich: 'Was ist das?' 'Der Wäschekorb?' 'Nein, daneben.' 'Daneben sehe ich nichts.' 'Das war der letzte Krümel meiner Würde. Er ist ganz klein.'" (Green 2012, S. 228) –, macht seinen Tod so unendlich tragisch und traurig, für seine Familie, Hazel, aber auch für den Leser, der miterlebt, wie die Liebe der beiden von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

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Kritik

Schonungslos und klar geht John Green mit dem Thema Krebs um und zeigt, dass Krebs eine tückische Krankheit ist, die sich in unterschiedlichen Facetten zeigt und noch nicht endgültig besiegt ist. Und doch zeigt er neben den Enttäuschungen und der Ohnmacht, mit der man der Krankheit gegenübersteht, auch die mit der Krankheit verbundenen Hoffnungen, Träume und Wünsche, die sich im Angesicht der Endlichkeit des Lebens eröffnen. So hat sich z. B. Hazels Mutter im Angesicht der Krankheit ihrer Tochter an der Indiana University für Sozialpädagogik eingeschrieben, um später Familien in Krisensituationen beraten und helfen zu können.

Das Buch ist kein typisches Krebsbuch, das die Krankheit verharmlost oder die Patienten als bemitleidenswerte Opfer der Krankheit darstellt. Es zeigt die Patienten als starke Persönlichkeiten, die der Krankheit mit Sarkasmus, Trotz, einem unglaublichen Lebenswillen und großer Liebe begegnen, die wirklich nur der Tod brechen kann.

Fazit

Tobias Rüther hält fest: "John Green schreibt über Jugendliche so, wie John Updike über Mittelschichtspaare aus New England und Philip Roth über jüdische Männer aus New Jersey schreiben: weil er aus dem, was ihnen passiert, die ganze Welt ableiten kann." (Rüther 2012).

Und Lev Grossmann schreibt: "Dieser übersättigte Kritiker [und damit meint er sich selbst; Anm. S.P.] hat seit Jahren keine Träne über einem Roman vergossen, doch bei diesem Buch, ich gebe es zu, habe ich geweint." (Grossmann 2012). Mehr kann man zu einem Buch eigentlich nicht sagen.

 

Literatur

Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Aus dem Engl. v. Sophie Zeitz. München: Carl Hanser, 2012.

Grossmann, Lev: Das Zeug zum Klassiker. Ein Jugendroman, der mit Humor und Pathos brilliert, in: Time Magazin (06.02.2012), zitiert nach: Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Aus dem Engl. v. Sophie Zeitz. München: Carl Hanser 2012, unpaginiertes Vorwort.

Rüther, Tobias: So wie wir waren, in: FAZ (22.05.2012), zitiert nach: Green, John: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Aus dem Engl. v. Sophie Zeitz. München: Carl Hanser 2012, unpaginiertes Vorwort.


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