Poppe, Grit: Monty Vampir

von Dr. phil. Sabine Planka

Es gibt viele Geschichten von Menschen, die zu Vampiren werden, freiwillig und unfreiwillig. In dieser Geschichte jedoch erlebt der Leser eine Verwandlung der anderen Art: Monty Vampir wird zu einem Mensch. Und damit fangen Montys Probleme erst so richtig an…

Poppe, Grit: Monty Vampir
Mit Illustrationen v. Regina Kehn.
110 S., 9,95 €
dtv, München 2012
ISBN 978-3-423-76067-6

Inhalt

Vampire sind seit jeher ein Motiv der Literatur. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Figur des Vampirs auch in Kinderbüchern aufgegriffen wird und seit Stephenie Meyers Twilight-Romanen zu neuem Ruhm gekommen ist. An diese Vampirwelle in der KJL knüpft auch Grit Poppes Buch Monty Vampir an.

Monty ist ein seit einhundert Jahren sieben Jahre alter Vampir, der das erste Mal einen Menschen beißen soll. Er macht sich auf die Suche nach einem potenziellen Opfer, das er in der gleichaltrigen Luzi zu finden glaubt. Doch Luzi hat nicht wirklich Angst vor ihm, im Gegenteil: Bei ihrer ersten Begegnung trägt Luzi ein Gespensterkostüm. Als sie Monty entdeckt, stellt sie sich ihm entgegen und fordert ihn auf, zu sagen wer er ist. Als Monty offenbart, dass er ein Vampir ist, glaubt Luzi ihm erst nicht und zerrt ihn in die Wohnung. Vor dem Spiegel erkennt sie dann, dass Monty die Wahrheit sagt, denn: Auch er hat, wie andere Vampire vor ihm auch, kein Spiegelbild. Luzi ist begeistert und will freiwillig von ihm gebissen werden. Doch als Monty – er verabscheut Blut und steht damit in einer Reihe mit Gudrun Pausewangs Spinatvampir (Pausewang 2005) – Luzi beißen will, kann er es nicht. Und Luzi, enttäuscht und frustriert, schreit ihn an: "Du willst ein Vampir sein? […] Ha, du weißt ja nicht einmal, wie man jemanden beißt!" (Poppe 2012, 44f.). Und dann tut Luzi etwas, was Montys Leben komplett auf den Kopf stellt: Sie beißt Monty "mit aller Kraft in den Hals" (Poppe 2012, 45).

Das hat Folgen: Licht macht ihm nichts mehr aus, er wird rosig im Gesicht, er kann nicht mehr fliegen und: Er hat ein Spiegelbild! Luzi klärt ihn schließlich auf: "[…] du bist ein Mensch. […] Das ist alles meine Schuld. Ich hab dich gebissen […]" (Poppe 2012, 61f.). Und Luzi hilft ihm, wieder Vampir zu werden. Nach einem Tag mit Luzi in der Schule erkennen die beiden, dass Monty nur durch den Biss eines Vampirs wieder selbst Vampir werden kann. Und letztlich wird er dann auch von seiner Großmutter, die die Gestalt einer Fledermaus angenommen hat, gebissen.

Monty ist wieder Vampir. Was aber viel wichtiger ist: In Luzi hat er eine neue Freundin gefunden, für die Montys Andersartigkeit kein Problem ist.

Kritik

Grit Poppe verhandelt in ihrem Buch gängige Vampirklischees: Vampire schlafen im Sarg, sind nachtaktiv, meiden die Menschen, haben kein Spiegelbild und trinken Blut. Ihr Protagonist Monty Vampir hebt sich von diesen Vampiren insofern ab, als dass er als vegetarischer Vampir präsentiert wird. Ein Novum ist das nicht, hat doch bereits Gudrun Pausewang in ihrem Spinatvampir ihren Protagonisten Basil als Vampir gestaltet, der Blut verabscheut, aber leidenschaftlich gerne Spinat isst. Auch Stephenie Meyer lässt in der Twilight-Saga ihre Vampire der Familie Cullen als vegetarische Vampire auftreten, die kein Menschenblut trinken, sondern sich ausschließlich von Tierblut ernähren. Insofern ist, was die Ausgestaltung des Vampirs betrifft, kein Novum zu erkennen. Auch dass Monty seit einhundert Jahren sieben Jahre alt ist, ist nicht neu: Bereits Angela Sommer-Bodenburg hat mit Rüdiger von Schlotterstein in Der kleine Vampir einen ungefähr 150 Jahre alten Vampir geschaffen.

Neu ist jedoch der Umstand, dass ein Mensch einen Vampir beißt und ihn dadurch zu einem Menschen macht; Eine Umkehrung des bisher bestehenden Mythos, dass ein Vampir einen Menschen durch einen Biss zu einem von seinesgleichen machen kann. Die daraus entstehenden Folgen führen dazu, dass der Außenseiter Monty von der 'Insiderin' Luzi in die Welt der Menschen eingeführt wird und diese bei Tage kennenlernt. Der Leser wird mit einer Situation konfrontiert, die ihm sicherlich nicht fremd ist, hat doch auch er sich unbekannten Momenten stellen müssen. Hier ist es Luzi, die als Sozialisationshilfe fungiert und Monty in einer ihm fremden Umgebung hilft, sich zurechtzufinden. Somit findet Monty in Luzi eine Verbündete, eine Freundin, die ihm nicht nur im neuen Alltag hilft, sondern sich auch darum bemüht, dass aus Monty wieder ein Vampir wird. Sie stellt sich sogar Montys Familie und setzt ihr eigenes Leben für Monty aufs Spiel.

Grit Poppe greift somit in ihrer Vampirgeschichte, die die typischen Elemente eines Vampirromans – und damit u.a. die für eine Gothic Novel konstitutiven Elemente – enthält, auch Elemente sowohl des Abenteuerromans als auch der Schulgeschichte auf und verknüpft alles zu einer unterhaltsamen Geschichte.

Fazit
Monty Vampir ist ein durchaus spannendes Buch, das jüngere Leser mit der Figur des Vampirs vertraut macht, Elemente der aktuellen Vampirdarstellung aufgreift und mit altbekannten Elementen verknüpft. Die Handlung überzeugt durch den Kniff, den Vampir durch einen Menschenbiss zu einem Menschen zu machen – ein Novum in der derzeitigen Vampirliteratur.

Literatur
Pausewang, Gudrun: Der Spinatvampir. 3. Aufl. Hamburg: Carlsen, 2005.

Angela Sommer-Bodenburg: Der kleine Vampir. Reinbek: Rowohlt, 1979.

Hier geht es zur Rezension von Monty Vampir - Gefahr bei Vollmond.

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