von Dr. phil. Kirsten Kumschlies

4 Millionen Euro in einer Reisetasche, ein rätselhaftes Mädchen im Kofferraum: Dies und mehr sind die Zutaten des neuen Jugend -Thrillers von Stephan Knösel…

Knösel, Stephan: Jackpot - Wer träumt, verliert.
Gulliver von Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel, 2013.
296 S., 8,95 €
ISBN 978-3407-74436-4

Inhalt

Chris ist fassungslos: Völlig unvermittelt stolpert er kurz vor Weihnachten mitten in einen Kriminalfall hinein. Direkt vor seinen Augen kommt ein Wagen von der Fahrbahn ab und kracht gegen einen Baum. Im Kofferraum des Autos findet er Sabrina, die gefesselt neben einer Tasche voller Geld liegt. Die 16Jährige bittet den etwas jüngeren Jungen, das Geld für sie zu verstecken. Eine atemlose Hetzjagd beginnt, denn Chris nimmt das Geld an sich, in der Hoffnung, sich und seinem älteren Bruder Phil damit zu einem besseren Leben zu verhelfen. Die beiden Brüder hätten es dringend nötig: Seit dem Tod ihrer Mutter sind sie ganz auf sich allein gestellt. Der Vater begann zu trinken, und sie leben nun allein in einem sozialen Brennpunkt von München. Doch so einfach, wie Chris es sich gewünscht hat, klappt es dann doch nicht mit dieser ominösen Reisetasche voller Geld. Nicht nur Sabrina hängt sich an seine Fersen, sondern auch eine jugendliche Gang aus seinem Viertel, zudem die Polizei. Schnell wird klar, dass es sich um die Beute aus einem Raubüberfall handelt. Aber welche Rolle spielt die schöne Sabrina hierbei? Das fragt sich auch Chris` älterer Bruder Phil, der sich spontan in das Mädchen verliebt. Und das fragt sich ebenfalls Kommissarin Katrin Menschek mit ihrem jungen Kollegen Afrim. Es entflammt ein blutiger Kampf um die Tasche mit den 4 Millionen Euro, an dem auch der brutale Verbrecher beteiligt ist, der einen Geldtransporter überfallen hatte… Das Ende wartet mit einer großen Überraschung auf: Sabrina entkommt mit den 4 Millionen Euro.

Kritik
Stephan Knösel hat einen spannenden, temporeichen  Jugend-Thriller geschrieben, voller Action und unerwarteten Wendungen. Geschickt werden in dieser rasanten story Elemente aus Krimi und Thriller miteinander verbunden. Sicher ist dies der Hauptgrund, warum der Titel auf der Nominierungsliste der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 steht. "Neben der leichten, ungezwungenen Sprache", sei  es "vor allem die Erzählweise, die Jackpot so besonders macht", so heißt es in der Begründung der Jugendjury.

Empfehlenswert ist das Buch vor allem für Jungen, zumal die Figuren gerade sie zur Identifikation einladen, insbesondere wegen ihrer "Unerschrockenheit", mit der sie in den Kampf auf den Straßen des sozialen Brennpunkts ziehen, wie die Buchbewertung auf www.boysandbooks.de verdeutlicht.

Der Text liest sich einfach, ist erzähltechnisch relativ simpel gestaltet, es gibt nur einige wenige Abweichungen von der Chronologie der Ereignisse. Recht interessant erscheint jedoch die Figurenkonzeption, da die Charaktere nicht klar in Gut und Böse einzuteilen sind. Insbesondere der Erzähler Chris hat sympathische Züge und dient als Identifikationsfigur für den jugendlichen Leser, aber das gestohlene Geld will er doch für sich behalten. Deshalb lügt er, was dem Leser aber weithin verborgen bleibt. So lernt er die Erzählerfigur Chris ebenso wenig kennen wie die anderen Figuren, deren Charaktere alle nur ausschnitthaft gezeigt und in ihrem Handeln in der jeweiligen Situation beschrieben werden.

Der Roman lässt sich von Jugendlichen schnell und in einem Rutsch weg lesen und ist auch deshalb als gelungene Unterhaltungsliteratur zu bezeichnen. Negativ gewendet ließe sich auch davon sprechen, dass dem Autor der Griff in die Klischeekiste der Actionfilme gut gelungen ist. Denn etwas Besonderes ist das Buch nicht. Die Handlung ist zwar spannend, aber teilweise auch verwirrend. Es scheint, als dürfte von keinem der klassischen Actionfilm-Elemente etwas fehlen, nicht der typische Showdown mit Schießereien, nicht die Liebesromanze am Rande…

Diese Klischeehaftigkeit spiegelt sich nicht zuletzt in dem reißerischen Untertitel "Wer träumt, verliert" wider, der in keinem Bezug zur Handlung des Romans steht. Er verweist lediglich auf das Actionfilm-Paradigma.

Fazit
Dennoch bleibt: Eine spannende Unterhaltungslektüre für Jugendliche, die vor allem Jungen anzusprechen vermag. Das Buch sei all jenen empfohlen, die Lust auf einen spannenden Thriller haben, der sich an einem Abend durchlesen lässt. 

Literatur

Begründung der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises 2013: http://www.djlp.jugendliteratur.org/preis_der_jugendjury-5/artikel-jackpot-3857.html

Bewertung des Buches auf www.boysandbooks.de

 


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