von Sabine Planka

Die Bewohner der Friedhofstraße 43 machen sich auf nach Hollywood: Ihr Leben soll verfilmt werden. Der anfängliche Schein, der von der Filmwelt ausgeht, verliert jedoch bald seinen Glanz, als Ignaz Griesgram, Severin und Olivia hinter die Kulissen der Traumfabrik gucken – und erfahren müssen, dass hier nicht immer fair verhandelt wird…

Klise, Kate / Klise, M. Sarah (Ill.): Friedhofstraße 43: Band 5 – Gespensterspuk in Hollywood
Mit Illustrationen von M. Sarah Klise.
Aus d. Amerikanischen v. Nina Schindler.
155 S., 12,95 €
Gerstenberg, Hildesheim 2013.
ISBN 978-3-8369-5766-3

Inhalt
Der fünfte Band der Friedhofstraße 43  setzt die Geschichte um die drei bekannten Protagonisten fort und bringt sie nach Hollywood, da ihr Leben und ihre Geschichten verfilmt werden sollen. Doch der anfängliche Enthusiasmus darüber wird rasch getrübt: So müssen die Protagonisten feststellen, dass sie einen Vertrag unterschrieben haben, der ihnen alle Rechte am fertigen Werk sowie die daraus resultierenden weiteren Vermarktungen vorenthält. Zudem soll für Severin ein anderer Junge gecastet werden, der dann seine Rolle übernehmen soll. Ähnliches passiert mit Olivia, die von der gealterten Schauspieldiva Ivana Oscar verkörpert werden soll, deren Ableben von den skrupellosen Filmemachern Manni Blockbuster, Mira Mähne und Philipp S. Schund geplant ist: Ivana soll 'plötzlich' während des Filmdrehs einen Unfall erleiden und versterben. Das haben sie sogar in einer Sterbeklausel im Vertrag festgehalten…

Nachdem Ignaz von der Filmindustrie optisch verändert wurde und Severin sich unter dem Pseudonym Willi Mohrle die Rolle hat angeln können, um sich selbst darzustellen, wendet sich das Blatt und nach und nach kommen die Bewohner der Friedhofstraße hinter die bösen Machenschaften der Filmleute und können deren Pläne vereiteln: Severin kann die Filmprobe mit seinem Handy filmen und so mit Hilfe von Ivana und Olivia die Filmcrew des geplanten Mordes an Ivana überführen. Zudem werden auch die anderen betrügerischen Machenschaften aufgedeckt. Die Beweise führen dazu, dass Mähne und Schund einen von Ignaz aufgesetzten Vertrag unterschreiben, durch den die drei Bewohner der Friedhofstraße nicht nur alle Rechte an ihrem Film und den daraus folgenden Vermarktungen zurückerhalten, sondern auch Besitzer der Filmproduktionsfirma Busterboy-Spaßindustrie werden, die vorher Manni Blockbuster gehörte – und die sie umbenennen in DEFIPRO (Demokratische Filmproduktion). Zudem entpuppt sich Severin als Regietalent: Er wird mit Ivana deren kommenden Film realisieren und plant, weitere Filme zu drehen…

Kritik
Mit dem inzwischen gewohnten Erzählstil über Briefe, Zeitungen und Emails, die als authentische Dokumente präsentiert werden, und die erneute Verwendung sprechender Namen – Max Herzlos kann als herzloser Sensationsjournalist angesehen werden, Philipp S. Schund als Produzent, dessen Filme sich nicht durch hohe Qualität auszeichnen  – gelingt es dem Autorenduo Klise, einen kritischen Blick auf die Traumfabrik Hollywood zu werfen und zu zeigen, dass in der Tat nicht alles Gold ist, was glänzt und die Filmwelt mehr Schein als Sein ist. So müssen sich die Protagonisten diversen kosmetischen Schönheitsbehandlungen und Imageberatungen unterziehen, um dem Bild eines erfolgreichen Schauspielers (Ignaz) bzw. eines umschwärmten Teenie-Idols (Severin) zu entsprechen. Damit macht das Buch auf die vordergründige Glitzerwelt Hollywoods aufmerksam, in der nur der Schein zählt, der zum kommerziellen Erfolg eines Films beiträgt.

Entlarvt wird auch die Schnelllebigkeit der Filmbranche: Als Severin sich die Rolle zur Darstellung seines Lebens unter dem Pseudonym Willi Mohrle angeln kann, zu einem Teenie-Idol aufsteigt und seine Tarnung später von den Medien aufgedeckt wird – ein weiterer Hinweis auf die Sensationssucht der Medien –, lassen ihn die Medien fallen und bezeichnen ihn als Hochstapler und Betrüger. Der fiktive Satz des Filmkritikers Heini Mecker verdeutlicht die Fassade Hollywoods: "Der Junge wurde innerhalb dreier Wochen vom Helden zum Bösewicht […]. Willkommen in Hollywood!" (S. 103) Zudem wird die Profitgier der Filmemacher aufgezeigt: Der geplante Tod von Ivana soll medienwirksam vermarktet werden. Gezielt schreibt die Regisseurin Mira Mähne den Herausgeber der Zeitschrift Der Tägliche Skandal Max Herzlos an und verspricht Fotos von Ivana, auf denen sie "in der Rolle ihres Lebens zu sehen sein [wird] – und ihres Todes, wenn Sie verstehen, was ich meine." (S. 105)

Auch wenn – natürlich im Sinne der Narration – einzelne Elemente extrem überspitzt werden, so führt das Buch in die (Schein-)Welt Hollywoods ein und macht dem Leser klar, dass die Welt des Films nicht nur harte Arbeit ist, sondern auch u.U. von der Profitgier einzelner Akteure bestimmt wird. Besonders hervorzuheben ist, dass das Buch auf die Manipulationen der Protagonisten eingeht, die sich auf optischer Ebene vollziehen, und zeigt, dass Menschen verändert werden, um gängigen Schönheitsidealen zu entsprechen, um Profit zu erzeugen, so dass die Individualität einzelner Akteure stark beschnitten wird. Dass dazu auch die Medien eingespannt und manipuliert werden, zeigt das Buch ebenso wie die – letztlich – erfolgreichen Versuche von Severin, Olivia und Ignaz, sich dem System zu stellen und es nach ihren Wünschen zu verändern, um ihm Würde und Ehrlichkeit zu verleihen.

Fazit
Auch der fünfte Band der Friedhofstraße 43 ist unterhaltsam und kurzweilig geschrieben und greift gleichzeitig ein aktuelles Thema auf, nämlich das der Filmproduktion, das wohl viele Leser fasziniert. Dabei werden nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseiten des Filmbusiness fokussiert – und herrlich überspitzt. Dennoch bleibt die Aussage klar: Oftmals sind Filmbusiness und Filmentstehung nicht nur harte Arbeit, sondern zudem auch mehr Schein als Sein, dem man nur bedingt glauben kann.

Ein wunderbares Buch, dem hoffentlich noch weitere folgen werden.

Hier geht es zu den Rezensionen von Band 1, Band 2, Band 3 und Band 4.

 

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