von Sabine Planka

Bei der Zeitreise in die Zeit der alten Ägypter gelangen Tanja, Andrea, Cornelia und Alex zusammen mit ihrem väterlichen Freund Lukas Jansen, einem Zeitreisenden aus der Zukunft, an den Hof des noch jungen Pharaos Tutanchamun – und entdecken eine Verschwörung, die es eigentlich zu diesem Zeitpunkt gar nicht geben darf und den verfrühten Tod des Pharaos bedeuten würde. Das muss verhindert werden, damit die Historie ihren vorgesehenen Verlauf nehmen kann. Der Beginn einer inzwischen 6-bändigen Reihe, die die Vermittlung von Geschichte in den Fokus rückt.

Rittig, Gabriele: Mission Zeitreise, Bd. 1: Verschwörung gegen den Pharao
Illustrationen von Jens Weber
G & G Verlagsgesellschaft, Wien 2011
(Erstauflage 2003)
5. Auflage, 160 S., 10,95 €
ISBN 978-3-7074-0231-5

Inhalt
Unerwartet erhalten die Kinder Tanja, Andrea, Cornelia und Alex Besuch von ihrem Freund Lukas Jansen, einem Zeitreisenden aus der Zukunft. Er braucht nicht lange um die vier zu überreden, eine Zeitreise ins alte Ägypten zu unternehmen – zumal Tanja am Montag ein Referat über Ägypten halten muss, um ihre Versetzung nicht zu gefährden. Mit Hilfe des Zeithoppers, einem "metallene[m] Gerät, etwas größer als ein mp3-Player, mit vielen Knöpfen und einem kleinen Display am oberen Ende" (S. 15), können sie an jeden Punkt der Vergangenheit reisen, ohne dass in der Gegenwart die Zeit vergeht (vgl. ebd.). Dabei gibt der Zeithopper vor, wie lange man in der Vergangenheit bleiben darf: Die Zeitspanne variiert von einigen Stunden bis hin zu mehreren Wochen. Auch andere Sprachen stellen kein Hindernis dar, da der Zeithopper eine Verständigung ermöglicht (vgl. S. 17) – auch wenn nicht erklärt wird, wie genau das funktioniert. Bevor sie in die Vergangenheit aufbrechen, nimmt Lukas den Kindern das Versprechen ab, die Zeitlinie nicht zu verändern, da das massive Auswirkungen auf die Gegenwart haben kann.

Die fünf brechen auf in die Vergangenheit und landen in einem Tempel in Ägypten. Von dort machen Sie sich auf den Weg und gelangen nach Theben, wo sie beim Opet-Fest unvorhergesehen auf den Pharao Tutanchamun treffen, der sie zu sich in den Palast einlädt. Dort werden sie gastlich bewirtet und zur Übernachtung eingeladen. Auch an der Löwenjagd werden sie beteiligt: Alex darf den Streitwagen des Pharaos lenken. Doch es kommt zu einem Unfall, bei dem er und der Pharao aus dem Wagen geschleudert werden. Sie bleiben jedoch unverletzt, der Pharao kann in seinen Palast zurückkehren. Lukas und Alex stellen jedoch fest, dass die Radspeiche nicht von selbst gebrochen, sondern angesägt wurde und Ursache für den Unfall war.

Bevor sie jedoch den Mädchen Bescheid sagen können, werden Andrea und Cornelia nachts entführt – sie sollen als Sklaven verkauft werden. Tanja hat das beobachtet und kann sowohl Lukas und Alex als auch dem Pharao davon berichten. Tutanchamun befiehlt, die Mädchen zu suchen und schickt seinen Feldherren Haremhab los, damit er die Spur der Mädchen aufnimmt. Gleichzeitig brechen der Pharao und sein Gefolge wieder nach Memphis auf.

Im Laufe der Narration können Andrea und Claudia jedoch entkommen und treffen in Memphis auf Tanja, Alex  und Lukas. Gemeinsam brechen sie auf, um zu dem Tempel vor den Toren Thebens zurückzukehren, in dem sie eingangs angekommen waren und wo sie ihren Zeithopper versteckt haben. Auf dem Weg können sie rekonstruieren, dass Eje, der Hohe Priester des Pharaos, den Pharao bestohlen und Schätze beiseite geschafft hat, um persönlichen Reichtum anzuhäufen. Die fünf Zeitreisenden werden jedoch allesamt erneut gefangen genommen ausgerechnet von Eje, der den vorzeitigen Mord an Tutanchamun geplant hat und ihn zusammen mit den fünf ihm unbekannten Menschen hat umbringen wollen. Er sperrt die fünf im unterirdischen Labyrinth des Tempels ein, aus dem sie jedoch wieder entkommen können. Es gelingt ihnen, den Zeithopper zu erreichen und vor den Augen Ejes in ihre eigene Zeit zurückzuspringen – wo nicht eine Minute vergangen ist.

Kritik
Das Buch Verschwörung gegen den Pharao greift als erster Band einer inzwischen 6-bändigen Kinderbuchreihe - die nicht chronologisch gelesen werden muss - ein bekanntes und immer wieder genutztes Motiv in der Kinder- und Jugendliteratur auf, nämlich das der Zeitreise, dass seit Kerstin Giers Edelstein-Trilogie einen erneuten Boom in der KJL ausgelöst hat (vgl. zur Zeitreise: Planka 2014).

Das Konzept der Zeitreise wird in diesem Fall jedoch didaktisch genutzt und macht die Bücher daher nicht nur für den Deutsch-, sondern durchaus für den Geschichtsunterricht interessant, besteht doch hier der Anspruch, im Rahmen einer fiktiven Geschichte historische Fakten zu vermitteln. Und das gelingt dem Buch wunderbar, das die Protagonisten Geschichte erleben lässt – die Zeitreise macht es möglich. Dem Anspruch, Geschichte zu vermitteln, wird das Buch zudem dadurch gerecht, als dass es ein Glossar sowie eine Karte von Ägypten und eine Zeittafel bietet. Hinzu kommt ein Abriss über das Leben im alten Ägypten. Denn auch damit werden die Protagonisten konfrontiert: Sie erleben nicht nur das luxuriöse Leben im Palast und den Palastanlagen des Pharaos, sondern auch die bittere Armut des einfachen Volkes. Damit ähnelt das Konzept der Bücher der Reihe Das magische Baumhaus von Mary Pope Osborne, die ebenfalls Geschichtswissen vermitteln und zwei Kinder – Anne und Philippe – zusammen mit Merlin und Morgan agieren und durch die Zeit reisen lassen.

Die hier vorliegende Geschichte gewinnt zudem an Spannung, da ein Kriminalfall eingewoben wird, der eine Veränderung der Zeitlinie zur Folge hat. Da das verhindert werden muss, werden die Akteure unfreiwillig von Beobachtern der Geschichte zu Akteuren, die dafür sorgen müssen, dass die Zeit nicht verändert wird. Die Protagonisten sind dabei so gestaltet, dass der Leser sich mit ihnen identifizieren kann und ihm so ebenfalls einen Zugang zur dargestellten Zeit ermöglicht wird. Gleichzeitig verfolgt der Erzähler, der sich als heterodiegetischer entpuppt, die Zeitreisenden, auch als sie durch die Entführung von Andrea und Cornelia getrennt werden. Das ermöglicht es, unterschiedliche Gesellschaftsschichten und damit eben auch die Armut darzustellen, die dem reichen Palastleben kontrastiv gegenübergestellt wird.

Interessant ist, dass sich zudem verschiedene Verbindungen zu anderen Büchern aufzeigen lassen, die ebenfalls Zeitreisen als narratives Moment nutzen: Das Verbot, die Zeit zu verändern und veränderte Zeitlinien zu korrigieren, findet sich z.B. auch in der TimeRiders-Serie von Alex Scarrow, die sich an jugendliche Leser richtet und ebenfalls anteilig historisches Wissen vermittelt – eine Übersicht über die richtige und die veränderte Zeit ist den Geschichten angehängt.

Fazit
Mit Verschwörung gegen den Pharao ist Gabriele Rittig ein Buch gelungen, dass sich dem Anspruch verpflichtet fühlt, Historie zu vermitteln – und diesem Anspruch auch gerecht wird, v.a. weil Geschichte zum einen eingebettet wird in eine spannende fiktive Geschichte, zum anderen erklären Glossar und Zeitlinie das Leben im alten Ägypten und eine Karte ermöglicht es dem Leser, die Route der Zeitreisenden zu verfolgen. Rittig ist so eine spannende Geschichte gelungen, die durch ihr Konzept auch didaktisch überzeugt und den Auftakt einer mehrbändigen Reihe darstellt.

Literatur
Planka, Sabine (Hrsg.): Die Zeitreise. Ein Motiv in Literatur und Film für Kinder und Jugendliche. Würzburg: Königshausen & Neumann 2014 (Kinder- und Jugendliteratur Intermedial, Bd. 3).

Hier geht es zu den Rezensionen Mission Zeitreise, Bd. 2: Verschwörung gegen Julius Cäsar und Mission Zeitreise, Bd. 4: Rettet Richard Löwenherz.


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