von Sabine Planka

Der Hauskater ist aufgeregt: Weihnachten steht vor der Tür. Alle kennen Weihnachten bereits, nur er nicht. Das will der Kater unbedingt ändern und legt sich abwechselnd an der Haustür und am Fenster auf die Lauer, denn dieser Weihnachten muss doch irgendwann einmal kommen – doch Weihnachten ist nicht in Sicht. Der Kater versteht die Welt nicht mehr: Warum sind alle so emsig und schmücken für diesen Weihnachten einen Baum und packen Geschenke? Eine amüsante Weihnachtsgeschichte aus der Sicht eines kleinen Hauskaters.

Feth, Monika: Weihnachten steht vor der Tür.
Illustriert von Cornelia Haas.
München, cbj 2013
48 S., 9,99 €, Neuausgabe
ISBN 978-3-570-15740-4

Inhalt
Als der Mann plötzlich sagt, dass Weihnachten vor der Tür stehe, ist der Hauskater aufgeregt, denn er liebt nichts mehr als Besuch. So läuft er zur Haustür… doch nichts passiert. Der Kater ist verwirrt und versteht die Menschen nicht mehr. "Seit Wochen rennen sie herum wie aufgescheuchte Hühner. Vor allem der Mann und die Frau. Sie kaufen ein. Schleppen Taschen und Tüten ins Haus. Verstecken Sachen in Schränken, Schubladen und Kommoden. Verschließen Türen und klimpern mit Schlüsseln und Schlüsselchen. […] Nachts werde ich von Alpträumen geplagt und tagsüber komme ich kaum zum Schlafen. Weil nichts ist wie sonst." (S. 17f.) Der Kater erlebt, dass alle emsig beschäftigt sind: Die Frau backt Kekse und hortet sie für den Weihnachtsmann in großen, kalten Blechdosen, der Mann werkelt im Keller herum und die Kinder musizieren, malen und basteln was das Zeug hält. Und immer wieder reden alle von Weihnachten, für den das alles veranstaltet wird. Und als am 6. Dezember nicht Weihnachten an der Tür steht, sondern der Nikolaus, ist der Kater völlig frustriert: "Der Hochstapler roch wie der Mann […]. […] Für jemanden, der fremde Gerüche stiehlt, sich als Weihnachten ausgibt und dann als schäbiger Nikolaus entpuppt, habe ich nur Verachtung übrig." (S. 27)

Doch so aufmerksam der Kater auch ist: Weihnachten kommt und kommt nicht, auch wenn der Kater beobachtet, dass in der gesamten Nachbarschaft Weihnachtsbäume herumliegen. Und auch der Nachbarshund Waldemar, ein Dackel, scheint dem Kater nicht helfen zu können: "Ich habe Waldemar gefragt, ob er weiß, wer Weihnachten ist. Das hat mich eine Menge Überwindung gekostet und dann war es auch noch ganz umsonst. Waldemar ist nämlich nicht nur feig, er ist auch blöd. Natürlich hat er es nicht gewusst. Das hat er aber nicht zugegeben. Er hat steif und fest behauptet, Weihnachten sei ein Festessen irgendwann im Dezember." (S. 35)

An Heiligabend erlebt der Kater dann den Schock seines Lebens: Als er sieht, dass die Familie den Weihnachtsbaum schmückt, ist er von den Kugeln so fasziniert, dass er nach einer angeln will – und prompt verjagt wird! Auch das Spielen mit den Geschenken wird im verboten. Der Kater ist beleidigt. Und auch als die Neugierde siegt und er ins Wohnzimmer zurückkehrt – immerhin sind die Großeltern da und alle singen nun friedlich miteinander –, so setzt er sich zunächst mit dem Rücken zum Geschehen auf die Fensterbank und schaut nach draußen. Bis man ihm ein Schälchen mit Sardinen hinstellt und ihm frohe Weihnachten wünscht: "Weihnachten? Schlagartig war ich satt. Hatte ich ihn etwa doch verpasst? […] Weihnachten musste da gewesen sein. […] So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen. Wenn es stimmt, was sie sagen, dann kommt Weihnachten ja wieder. […] Nächstes Jahr, da entkommt mir Weihnachten nicht." (S. 43ff.)

Kritik
Die von Monika Feth – die v.a. bekannt ist durch ihre Erdbeerpflücker-Thriller – geschriebene Geschichte Weihnachten steht vor der Tür präsentiert das (vor-)weihnachtliche Geschehen unterhaltsam aus der Perspektive eines kleinen Hauskaters, der nicht versteht, dass Weihnachten kein Mensch ist, den man begrüßen kann, sondern ein Fest, das begangen wird. Dabei wird der Kater deutlich in den Fokus gerückt und gewinnt an Individualität, obwohl er selbst namenlos bleibt. Kontur gewinnt er zum einen durch seinen Stammbaum, der erklären soll, warum er so ausdauernd im kalten Flur liegen kann, um auf Weihnachten zu warten. Zum anderen sind es seine Taten und die damit einhergehend festgehaltenen Eindrücke, die ihn individuell erscheinen lassen und zudem den Eigensinn, der Katzen oftmals nachgesagt wird, deutlich zutage treten lassen. Die erwachsenen Familienmitglieder bleiben anonym und erhalten keine Namen im Gegensatz zu den Kindern Marlene, Ellen und Fränzchen. Das ist auch nicht weiter tragisch, steht doch das Erleben der Vorweihnachtszeit des Katers im Fokus der Geschichte.

Die Sprache, in der die Geschichte geschrieben ist, ist auf einen kindlichen Leser zugeschnitten und ermöglicht es gerade jungen Lesern, sich die Geschichte selbst anzueignen und in sie einzutauchen. Letzteres wird auch ermöglicht durch die Illustrationen von Cornelia Haas, die dem Kater – wenn er schon keinen Namen hat – so zumindest ein Gesicht verleiht.

Die Verwirrungen, mit denen der Kater sich konfrontiert sieht, resultieren aus seiner Fehlannahme, dass Weihnachten eine Person ist und eben nicht ein Fest, wie es der Nachbarsdackel Waldemar im Ansatz richtig vermutet. Die daraus hervorgehenden Taten des Katers sind unterhaltsam – v.a., wenn er aufgeregt zur Tür läuft oder im Flur Gesellschaft von Fränzchen erhält, der sein Spielzeug um den Kater herum verteilt –, zeigen aber auch auf einer Meta-Ebene, wie sich Missverständnisse äußern können und dass Klarheit dem hätte vorbeugen können. 

Fazit
Monika Feths Geschichte Weihnachten steht vor der Tür reiht sich ein in eine Sparte von Kinderbüchern, die das Weihnachtsfest und die Vorbereitungen darauf aus einer tierischen Perspektive zeigen und unterhaltsam in Szene setzen. Die tierischen Protagonisten überzeugen gerade durch ihre Naivität, mit der sie Weihnachten begegnen und erzeugen so manches Missverständnis, über das geschmunzelt werden kann.

Didaktisch resultiert für alle Bücher zudem daraus das Potential, sich mit der Entstehung des Weihnachtsfestes auseinanderzusetzen.

 

Einen Überblick über weitere Weihnachtsbuchrezensionen finden Sie hier.

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