von Sabine Planka

Monty Vampir ist wieder da – und wird erneut zu einem Menschen. Da kann nur seine Menschenfreundin Luzi helfen. Denn Hilfe hat er auch nötig: Großmutter Isabella, die sich nicht mehr in einen Menschen zurückverwandeln kann, seit sie den Umkehrzauberspruch vergessen hat, und nun als Fledermaus lebt, ist aus der Gruft verschwunden…

Poppe, Grit: Monty Vampir – Gefahr bei Vollmond
Mit Bildern von Regina Kehn
dtv, München 2013
110 S., 9,95 €
ISBN 978-3-423-76084-3

Inhalt
Monty fühlt sich komisch: Sein Gesicht wird ganz warm und rosig und Gerüche, die er vorher ganz toll fand, stoßen ihn plötzlich ab. Er macht sich auf den Weg zu Luzi, seiner Menschenfreundin, und stößt auf dem Balkon der Wohnung erst einmal mit Luzis Vater zusammen, der ihn für einen Blumentopfdieb hält – wenn Monty landet, fällt schon mal der ein oder andere Blumentopf vom Balkon.

Luzi gelingt es, Monty unter dem Vorwand, für ein Referat üben zu müssen, in ihr Zimmer zu bringen und so vor den neugierigen Fragen des Vaters zu bewahren. Dort berichtet Monty ihr, dass von seiner Großmutter jede Spur fehlt. Doch bevor sie weiter überlegen können, was mit ihr geschehen sein könnte, unterbricht Luzis Vater die beiden und Monty macht sich auf den Heimweg – nicht ohne zusammen mit Luzi einen Blick in ihren Spiegel geworfen zu haben, um dort das eigene Spiegelbild kurz aufflackern zu sehen. In der Gruft angekommen, fühlt sich Monty schrecklich müde und legt sich schlafen – und ist am nächsten Morgen putzmunter. Das Licht blendet ihn nicht und wird ihm nicht gefährlich: Monty ist wieder zu einem Menschen geworden. Er macht sich auf den Weg zu Luzis Schule, denn schließlich hat sie ihn ja in der Vollmondphase gebissen und in einen Menschen verwandelt (siehe hierzu Band 1). Der anfängliche Verdacht der beiden, dass sich Monty nun immer an Vollmond in einen Menschen verwandelt, später aber wieder in einen Vampir zurückverwandelt, bestätigt sich am Ende der Geschichte.

Doch vorher können die beiden noch Montys Großmutter ausfindig machen: Luzi fällt ein, dass im Museum, in dem ihr Vater arbeitet, ein neuer Kollege eingestellt wurde, der als Präparator arbeitet. Und der hat Luzis Vater erzählt, dass er die alten Tierpräparate gegen neue austauschen will und auch schon ein paar Tiere gefangen hat, darunter eine wunderschöne Fledermaus.

Die beiden machen sich auf den Weg ins Museum und sollen durch ein Kellerfenster einbrechen, als sie dem Präparator Klotzkowski persönlich gegenüberstehen. Zunächst argwöhnisch, ist er jedoch ganz begeistert, als er Montys Haustier – eine Spinne – sieht, die er ihm abkaufen und dann präparieren will. Er zeigt Luzi und Monty bereitwillig die Käfige, wo die anderen Tiere sind und schon bald finden die Kinder auch Großmutter Isabella. Doch Klotzkowski sperrt die Kinder ein, da er unbedingt auch die Spinne haben möchte. Durch einen Trick können sich die Kinder und auch die anderen Tiere aus ihren Käfigen befreien, als plötzlich Luzis Vater in der Tür steht und den beiden zu Hilfe kommt.

Am Ende wird – natürlich – alles gut: Monty wird wieder zu einem Vampir und er kann seine Großmutter zurück in die Gruft bringen – auch wenn er eine traurige Luzi zurücklassen muss, die ihren Freund nur ungern ziehen lässt.

Kritik
Mit Monty Vampir – Gefahr bei Vollmond hat Grit Poppe den zweiten Band um Monty Vampir vorgelegt, der an das Konzept des ersten Bandes anknüpft und Monty – zumindest kurzfristig – wieder zu einem Menschen macht. Für den Leser ist das unterhaltsam, wird Monty doch hier erneut mit ihm unbekannten, für Menschen aber normalen Gepflogenheiten konfrontiert. So 'lernt' er, als er Luzi in der Schule aufsucht, dass man als Mensch einen Schatten hat, der einen begleitet, man Radiergummis nicht essen kann und er ist ganz stolz, dass er sich an die Grußformel erinnert, mit der sich Menschen voneinander verabschieden: "Auf Bibersehen." (S. 50)

Der heterodiegetische Erzähler erzählt die Geschichte aus Montys Sicht und ermöglicht es dem Leser, an Montys Erfahrungen in der Menschenwelt zu antizipieren. So wird im übertragenen Sinn das Verständnis evoziert, dass für jemanden, der aus einem anderen 'Kulturkreis' kommt, unsere Gewohnheiten fremd und neu sind und man sich damit erst vertraut machen muss – aber auch stolz sein kann, wenn man etwas geschafft hat.

Das alles wird mit einer Detektivgeschichte verknüpft und lässt die Elemente der Gothic Novel, die noch im ersten Band verstärkt zu finden waren, in den Hintergrund rücken. So werden Monty und Luzi zu Ermittlern und müssen den Spuren und Hinweisen folgen, die die beiden zufällig aufschnappen. Es ist Luzi und ihrer Kombinationsgabe zu verdanken, dass sie von ihrem Vater von dem Präparator im Museum gehört hat, der ein Prachtexemplar von Fledermaus gefangen hat, um sie präparieren und ausstellen zu können und dies verbindet mit der verschwundenen Fledermaus Isabella.

Die Freundschaft zwischen Monty und Luzi, die im ersten Band ihren Anfang gefunden hat, wird durch das gemeinsame Durchleben des Abenteuers gefestigt und kann sich einerseits gegen die bösen Machenschaften des Präparators behaupten, kann andererseits aber auch in der Schule bestehen, wenn Luzi Monty vor dem Mathelehrer in Schutz nimmt und es ihr möglich ist, Monty aus der Schule zu 'befreien'. Somit wird in diesem Band Luzis Rolle als Sozialisationshelferin gestärkt, aber auch Monty kann sich bewähren, indem er versucht, sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren und Angewohnheiten und Gepflogenheiten der Menschen zu übernehmen – sehr zum Vergnügen des Lesers, wenn Monty Grußformeln falsch in Erinnerung hat oder Radiergummis für etwas Essbares hält. Zudem muss sich Monty im zweiten Band Luzis Vater und anderen Menschen stellen, so dass hier eine Umkehrung der Verhältnisse des ersten Bandes zu finden ist, stand doch dort Luzi Montys Familie gegenüber.

Fazit
Monty Vampir – Gefahr bei Vollmond überzeugt durch eine spannende Geschichte, die verständlich für einen kindlichen Leser geschrieben und nachvollziehbar konstruiert wurde. Der Leser wird keineswegs überfordert und kann in die Geschichte eintauchen, wo er nun erfährt, wie sich Monty bei den Menschen schlägt. Auf übergeordneter Ebene erschließt sich dem Leser so auf unterhaltsame Art und Weise, dass sich jemand aus einer anderen 'Welt' erst an die uns bekannte Gesellschaft gewöhnen und sich mit unseren Gewohnheiten vertraut machen muss. Die Detektivgeschichte sorgt zudem für den nachhaltigen Eindruck, dass Gemeinsamkeiten zusammenschweißen und eine Freundschaft stärken.

Hier geht es zur Rezension von Monty Vampir.

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