STUBE - Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur

 

Von Dr. Heidi Lexe

Durch Wien zu wandeln kann heißen, dort Kaffee zu trinken, wo auch Thomas Bernhard Kaffee getrunken hat – im Bräunerhof. Aus Wien zu stammen kann heißen, seiner Morbidität beim Spaziergang über den Friedhof St. Marx oder den Friedhof der Namenlosen nachzukommen.  In Wien zu leben kann heißen, am Abend rasch mal Egon Schieles Eremiten zu besuchen.  In Wien zu arbeiten kann heißen, sich mit Blick über den Stephansplatz in Literatur zu vertiefen. Dann nämlich, wenn man Mitarbeiterin (oder gar Leiterin) der STUBE – Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur ist.  

Die STUBE ist eine Service-Einrichtung, die Wissen über Kinder- und Jugendliteratur (KJL) bündelt und für all jene aufbereitet, die sich für Kinder- und Jugendliteratur interessieren und/oder an Kinder und Jugendliche vermitteln. Im Miteinander von Literaturwissenschaft, Literaturkritik und Literaturvermittlung wird KJL dabei als integrativer Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Literaturkompetenz verstanden. Diese Literaturkompetenz erschöpft sich nicht in der Erschließung von Inhalten, sondern meint vielmehr die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge in einem komplexen Mediensystem nachzuvollziehen und unterschiedlichen Erzählstrategien (in Bild und Text) zu folgen. 

Der Vielfalt des Angebotes im Bereich der Literatur für Kinder und Jugendliche wird die STUBE durch eine Vielfalt an Herangehensweisen und Vermittlungsangeboten gerecht. Der Reiz der künstlerischen Variation soll sich also auch in den Angeboten und Schwerpunktsetzungen der STUBE spiegeln. Im Mittelpunkt steht die Weitergabe der Begeisterung für den Gegenstand, aus dem eine differenzierte Auseinandersetzung mit Literatur und Medien erst resultiert.

Der Empfehlungscharakter vieler Angebote (Buchtipps, Buchlisten, Broschüre "Seitenweise Kinder- und Jugendliteratur") fußt daher auf einer kritischen Auseinandersetzung mit den Traditionen, Trends und Darstellungsformen der KJL in Fachpublikationen, Studientagen oder Fachtagungen. Kernstück einer solchen aufmerksamen In-Blicknahme literarischer Angebote und Entwicklungslinien ist der Fernkurs Kinder- und Jugendliteratur der STUBE:

Das in dieser Art singuläre Fortbildungsprojekt im deutschsprachigen Raum ist als viersemestriger Lehrgang konzipiert und versucht, Wissen zur Kinder- und Jugendliteratur zu bündeln, zu systematisieren und zu vertiefen – und damit die ganz unterschiedlichen Vorkenntnisse und Praxiserfahrungen der Teilnehmer_innen zu strukturieren und zu erweitern. An den bisherigen, seit 1999 angebotenen Jahrgängen haben jeweils zwischen 170 und 270 Interessierte aus den Bereichen Kindergarten, Schule, Bibliothek, Buchhandel, Rezensions- und Verlagswesen etc., aber auch zahlreiche Studierende aus ganz unterschiedlichen universitären Fächern teilgenommen.

Als Abkürzung für den barocken Namen Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur verweist der Name STUBE bereits auf den Charakter eine Kompetenz- und Begegnungsraum, den die STUBE innehat. Das Miteinander von Kunstschaffenden, Kunstvermittelnden und Rezipient_innen steht im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe STUBE-Freitag, in der ganz unterschiedliche Fragestellungen aufgegriffen und Bücher vorgestellt werden – vor allem aber Lesungen und Werkstattgespräche stattfinden. Wichtig dabei ist es der STUBE, den Dialog über das Miteinander von Literatur, Theater, Film, Fernsehserien, Spiel, Museumskultur u.v.m. aufzugreifen und zu vertiefen. Wer also demnächst in Wien ist und über den Stephansplatz schlendert, lässt die Statue des Fensterguckers im Dom außen vor und schaut beim STUBE-Freitag vorbei. Oder besucht die STUBE virtuell und lässt sich von deren Angeboten zu einem vielleicht ganz neuen und überraschenden, immer aber sehr genauem Blick auf Literatur und Medien für Kinder und Jugendliche verlocken.

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