"Schau mich an" – Illustrationen von Ingrid Godon und Kinderporträts von August Sander

[21.05.2016]

Das 20. Jubiläum der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen wird von einer ganz besonderen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln begleitet. Die Präsentation "Schau mich an." (25. Mai bis 10. Juli 2016) vereint erstmals eine Reihe eindringlicher und zart gezeichneter Porträts der flämischen Illustratorin Ingrid Godon (* 1958), die diese für ihre Bücher "Ik wou" (Ich wünschte) und "Ik denk" (Ich denke) schuf, mit einer Auswahl von Kinder- und Familienporträts, die der berühmte Fotograf August Sander (1876-1964) zwischen den 1910er- und 1940er Jahren im Westerwald und Köln aufgenommen hat.

Die hier getroffene Gegenüberstellung kommt nicht von ungefähr, denn die Werke der Kinderbuchillustratorin Ingrid Godon sind durch die fotografischen Porträts aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und insbesondere von August Sander inspiriert. Der 2012 auf dem deutschsprachigen Markt unter dem Titel "Ich wünschte" erschienene Band – nominiert für den deutschen Jugendliteraturpreis 2013 in der Kategorie Kinderbuch – versammelt 33 nostalgisch anmutende Porträtzeichnungen von Menschen unterschiedlichen Alters. Aus diesem Band, wie auch aus dem neuen Buch "Ik denk" (Ich denke), wurden für die Ausstellung eine Auswahl von Kinderbildern zusammengestellt. Letzteres wurde übrigens bereits 2015 in Flandern mit dem renommierten Literaturpreis "Boekenpauw" ausgezeichnet.

Ingrid Godon gelingt es, in ihren Bildern mit ihrem unverwechselbaren bewusst einfachen, zart farbigen Malstil komplexe Gefühle auszudrücken. In den beiden Büchern werden die fiktiven Wünsche und Gedanken der Porträtierten von dem niederländischen Kinderbuchautor Toon Tellegen in Worte gefasst. Diese Texte (ins Deutsche übersetzt von Birgit Erdmann) ergänzen die Bildpaare von Ingrid Godon und August Sander in der Ausstellung. Dadurch ergeben sich quasi Triptychen, deren Teile auf unterschiedlichen künstlerischen Ebenen ein verwandtes Motiv behandeln.

August Sander wurde vor allem durch sein Porträt- und Kulturwerk "Menschen des 20. Jahrhunderts" berühmt, worin neben Porträts von Erwachsenen aus unterschiedlichen Berufs- und Gesellschaftsschichten, zahlreiche Fotografien einbezogen wurden, die Familien mit Kindern, Mütter mit Kindern oder ganz gezielt Jungen und Mädchen in verschiedenem Alter zeigen. Darüber hinaus existieren hunderte von Fotografien, die zauberhafte Kinderporträts vor Augen führen. August Sander, der selbst Vater dreier Kinder war, fotografierte den Nachwuchs seiner Kundschaft in seinem Atelier in Köln-Lindenthal oder außerhalb, meist in der Region des Westerwaldes, bevorzugt im häuslichen Umfeld der Kinder oder dort, wo sie spielten: sei es im Hauseingang zwischen Tür und Angel, auf der Straße oder auf einer weitläufigen Wiese. In vielen Fällen wurden die Kinder für das Bild ausstaffiert und hübsch angezogen. Für die Jungen hatte die Mutter einen guten Anzug hervorgeholt, vielleicht einen Hut; die Mädchen hatten weiße Krägen und Schleifen im Haar. Zuweilen wurde auch der Hund, die Puppe oder das Schaukelpferd ins Bild gesetzt. Die Vorlieben und Moden – so wird deutlich – änderten sich über die Jahrzehnte. Sander gelang es immer wieder lebendige Bilder großer Natürlichkeit aufzunehmen. Nie waren es steife Posen, nie wirken die Aufnahmen gekünstelt oder nicht kindgerecht. Der Fotograf begab sich auf Augenhöhe mit seinen kleinen Persönlichkeiten, die still in die Kamera schauend, Geschichten erzählen.

Vor allem ist es der intensive und genaue, zumeist frontal auf die porträtierten Kinder und deren spezifischen Ausdruck gerichtete Blick, der die fast 100 Jahre auseinanderliegenden Arbeiten von Ingrid Godon und August Sander verbindet. Ein eindrückliches und fast zeitloses Bild von Kindheit mag man in den Bildzusammenstellungen entdecken. So verdeutlicht die Zusammenschau beider Werkgruppen auch, dass Kindheit eben nicht zwangsläufig immer heiter und unbeschwert ist, sondern durchaus Momente der Ernsthaftigkeit, des In-Sich-Gekehrtseins und der Nachdenklichkeit umfasst. Gerade diese Gemüts- und Seelenzustände interessieren Godon und Sander und eröffnen dem Betrachter so eine andere und ungewöhnliche Annäherung an Kindheit, abseits von banaler Niedlichkeit oder anderen Klischees.

Die Präsentation im Museum für Angewandte Kunst Köln bietet für die jungen Besucher neben den beschriebenen Exponaten einen separaten Bereich, wo in den Büchern und Katalogen beider Künstler gestöbert werden kann, wo die Möglichkeit besteht, sich selbst zeichnerisch oder fotografisch zu porträtieren und die eigenen Gedanken und Wünsche in Worte und Bilder zu fassen. Ein umfangreiches museumspädagogisches Programm begleitet die Ausstellung.

Die August Sander-Fotografien sind analog erstellte Neuabzüge, die zwischen 1992 und 2001 auf Grundlage der historischen originalen Negativglasplatten aus dem August Sander Archiv in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur als Studien- und Ausstellungsstücke erarbeitet worden sind. Die Exponate sind Leihgaben der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln.

Die Ausstellung findet statt im Museum für Angewandte Kunst Köln – MAKK, An der Rechtschule, 50667 Köln und wird dort bis zum 10. Juli 2016 zu betrachten sein (Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 - 17 Uhr Eintritt: € 3,- /ermäßigt € 1,50). Eröffnung ist am 25. Mai 2016 um 19 Uhr.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm im MAKK finden Sie online.

(Quelle: Pressemitteilung)

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