[31.03.2017]

Am 21. Februar 2017 starb der Literaturwissenschaftler, Redakteur, Literaturkritiker, Gymnasiallehrer und Journalist Steffen Peltsch im Alter von 77 Jahren. Ein Rückblick auf Steffen Peltschs Wirken über die Jahrzehnte hinweg offenbart ein außerordentlich breites Engagement in sehr verschiedenen Bereichen. 

Der berufliche Weg von Steffen Peltsch begann als Gymnasiallehrer in Eberswalde. Sein damaliger Schüler Wilhelm Bartsch, der heute als Schriftsteller in Sachsen-Anhalt lebt, spricht nicht nur mit Hochachtung von seinem einstigen Lehrer, mit dem er bis zu dessen Tod in Verbindung geblieben ist. Bartschs Bewunderung der Wissensfülle, der Leidenschaft für Literatur und einer auf Ideologismen verzichtenden Darbietungsart seines Lehrers ist verbunden mit der Erinnerung an einen Lehrenden, der immer auf einen ernsthaften und zugleich humorvollen Umgang mit seinen Schülern ausgerichtet war und diese an der Entwicklung seiner Gedanken beteiligte und niemals etwas Vorgefertigtes bot. 

Diese Haltung von Steffen Peltsch konnten viele erleben, die in seinen weiteren Lebensetappen mit ihm arbeiteten oder in Kontakt standen. Steffen brachte sich nicht nur mit seinem vielschichtigen, tiefgründigen Wissen in jede neue Aufgabe ein, er zeigte auch überall Haltung. Seine linke Position verbarg er nicht, er passt sich auch nach der Wende nicht einfach an. Schon seine ernsthafte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Phänomen verhindert sowohl nostalgische Betrachtung des Vergangenen als auch Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist. Zu jeder Zeit engagierte sich Steffen Peltsch mit einer Geradlinigkeit und einem Kommunikationsvermögen, die singulär waren.

Seine Tätigkeit als Chefredakteur der "Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur" – der DDR-Zeitschrift zur literaturtheoretischen, literaturhistorischen und literaturkritischen Reflexion der Kinder- und Jugendliteratur – gab der Publikationsreihe über viele Jahre ihren unverwechselbaren Charakter. 1980 war Steffen Peltsch zum stellvertretenden Chefredakteur berufen worden; seit 1988 leitete er die Zeitschrift. Und während viele Erscheinungen dieser Art die Wende nicht überlebten, engagierte sich Steffen Peltsch für deren Erhalt. Seine mit diesem Ringen einhergehenden Schritte und Kompromisse offenbarten seine Aufrichtigkeit und seine partnerschaftliche Haltung. Trotz damit verbundener Risiken ließ sich von der Treuhand die Rechte an der Zeitschrift übertragen. So konnte es gelingen, dass nach einer Zwischenlösung, in der die Zeitschrift als Beilage in pädagogischen Publikationen des Westermann Verlages erschien, schließlich die "Beiträge" 1993 mit der von der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien herausgegebenen Zeitschrift "Informationen – Jugendliteratur und Medien" zu "Beiträge – Jugendliteratur und Medien" fusionierten. Mit Malte Dahrendorf und Steffen Peltsch arbeiteten hier Partner und Freunde von ähnlicher Integrität und weitem Wissenschafts- und Publikationsverständnis zusammen und schufen dergestalt auch die Grundlagen für die herausragende Qualität, die nun die Nachfolgerin von "Beiträge – Jugendliteratur und Medien", die Zeitschrift  "kjl&m", auszeichnen.

Es ist ein Gewinn, Steffen Peltschs Literaturkritiken und Rezensionen nochmals zu lesen, die in ihrer schnörkellosen, ästhetisch anspruchsvollen Sprache bar abgegriffener Formeln und gestelzter Theorieblasen der Literatur 'auf den Grund gehen'. 

[Quelle: Nachruf Prof. Dr. Karin Richter (gekürzte Fassung)]


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