[24.08.2017]

Anfang August begann die Diskussion um die Einladung von AfD-Politikern zum Bundesweiten Vorlesetag - ausgelöst durch eine Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj). Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. hat als Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Lesen zu dieser Diskussion in einem offenen Brief an Herrn Dr. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Stellung bezogen.

München/Frankfurt a.M., 22. August 2017

Sehr geehrter Herr Dr. Maas,

als Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Lesen kann der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. (AKJ) die aktuelle Diskussion um die Einladung von AfD-Politikern zum Bundesweiten Vorlesetag nicht ignorieren. Denn aus unserer Gründungsgeschichte, die ihren Ursprung in der Nachkriegszeit hat, leitet sich eine eindeutige politische Verpflichtung ab: Im Handlungsfeld der Leseförderung stehen wir für Verschiedenheit, Weltoffenheit, Toleranz und ein friedliches Miteinander. Angesichts aktueller Integrationsfragen ist dieses Anliegen auch nach über 60 Jahren aktuell.

Unsere tiefe Überzeugung ist: Kinder- und Jugendliteratur öffnet Türen zur Welt. So hat etwa der Deutsche Jugendliteraturpreis nicht nur das Ziel, die Lesefreude zu fördern, sondern auch die erklärte Absicht, junge Menschen für das Andere zu sensibilisieren und für das Fremde zu interessieren. Denn erst im Nebeneinander vielfältiger Sichtweisen schärft sich unser eigener Blick auf die Welt. Erst dadurch, dass sie unterschiedliche Lebens- und Gesellschaftsentwürfe kennenlernen, lernen Kinder und Jugendliche, unabhängig zu urteilen und selbst zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

Die von Ihnen eingeladenen AfD-Politiker stehen dieser Überzeugung – und auch den demokratischen Grundsätzen unseres Landes – diametral entgegen. Beispielhaft zu nennen wären an dieser Stelle der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke, der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon oder der saarländische AfD-Vorsitzende Josef Dörr. – Der renommierte Bundesweite Vorlesetag darf keine Plattform für rassistische und offen fremdenfeindliche Politiker bieten.

Die Einladung und Auswahl Ihrer Vorleser*innen steht in Ihrer Verantwortung, sie kann nicht an die Leiter*innen von Kitas und Schulen delegiert werden. Als Institution der kulturellen Bildung unterliegt auch die Stiftung Lesen hier einer besonderen Sorgfaltspflicht. Nach unserem Verständnis von Leseförderung muss die Auswahl der Vorleser*innen ebenso wie die der Literatur qualitativen Maßstäben genügen.

Der AKJ begrüßt es daher, dass Sie die begründete Kritik an Ihrer Einladungspraxis ernst nehmen und diese im kommenden Jahr überprüfen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Susanne Helene Becker
für den Vorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.V.

[Quelle: Pressemitteilung]

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