[14.07.2018]

Begonnen hat Christine Nöstlingers kinder- und jugendbuchschriftstellerisches Schaffen 1970 mit Die feuerrote Friederike und brachte mit diesem Erstlingswerk, welches sie selbst illustrierte, "eine Luftveränderung in die deutsche Kinderbuchliteratur", wie Lothar Müller für die Süddeutsche Zeitung schreibt oder vielleicht eher einen "neuen Sound": "eine fast hemingwaysche Lakonik, eine Empathie im Gewande der Unsentimentalität" (Mießgang 2018). Am 28. Juni 2018 ist Christine Nöstlinger gestorben.

Ihr erster Text war so erfolgreich, dass sie sich anschließend ausschließlich dem Schreiben widmen konnte. Dabei arbeitete Christine Nöstlinger nicht allein mit der Inszenierung einer idyllischen Kindheit. Vielmehr war sie, so schreibt Thomas Mießgang in seinem Nachruf für Die Zeit, "eine No-Nonsense-Schriftstellerin und nie eine Apologetin zuckerlrosa eingefärbter Kinder- und Sehnsuchtswelten mit letzten Einhörnern und Prinzessinnen im güldenen Gewande." (ebd.)

Als eine der ersten deutschsprachigen Jugendbuchautorinnen reflektierte sie in ihrem autobiografischen Roman Maikäfer, flieg (1973) und dem Nachfolger Zwei Wochen im Mai (1981) Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit. Schließlich war es "keine gute Zeit, in die sie 1936 in Wien hineingeboren wurde." (Müller 2018)

Als der Roman erschien, "suhlte sich Österreich noch in der Rolle von 'Hitlers erstem Opfer' und war weit von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im "Tausendjährigen Reich' entfernt, […]." (Mießgang 2018) Mit Maikäfer flieg inszenierte sich Christine Nöstlinger somit bereits in ihrer Funktion als "Rollenvorbild in einer Epoche […], die allmählich den willenlose Gehorsam der Nachkriegszeit ablegte […]." (ebd.) Schließlich war sie schon immer, so Nöstlinger in ihren Erinnerungen über sich selbst, "frecher als andere in meinem Alter."  

Für Wir pfeifen auf den Gurkenkönig (1972) erhielt sie 1973 den Deutschen Jugendliteraturpreis, zahlreiche andere Preise sollten in ihrem Leben noch folgen. 

Neben ihren erfolgreichen Kinder- und Jugendbüchern war sie zudem auch als Autorin für das Radio tätig und schuf mit der Radio-Comedy Dschi Dsche-i Wischer (1979) "ein Vorbild für zahlreiche Komödienformate der darauffolgenden Jahre." (Mießgang 2018). Darüber hinaus schrieb sie Kochbücher, journalistische Beiträge für den deutschsprachigen Feuilleton und dialektische Lyrik, mit sie ganz nah "dran [war] am Alltag der kleinen Leute". (ebd.)

Nach schwerer Krankheit ist Christine Nöstlinger am 28. Juni 2018 in Wien gestorben. 

 

[Quelle: Mit Material von Lothar Müller (SZ), Thomas Mießgang (Die Zeit) und Eva Reising (Ze.tt)]

 

 


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