[19.05.2020]

Am 17. Mai 2020 ist Hans-Joachim Gelberg im Alter von 89 Jahren in Weinheim verstorben. Über Jahrzehnte hat Gelberg die Kinder- und Jugendliteratur nachhaltig geprägt und aktiv gestaltet. In den 1970er Jahren stand er, wie kein anderer, als Pionier für eine neue Kinderliteratur und hat unzählige Autorinnen und Autoren sowie Illustratorinnen und Illustratoren entdeckt und gefördert.

Hans-Joachim Gelberg wurde am 27. August 1930 in Dortmund geboren. Nach seiner Ausbildung zum Sortimentsbuchhändler arbeitete er lange Jahre in diesem Beruf, bevor er in die Verlagswelt einstieg. Nach Lektorenjahren bei Arena in Würzburg und im Georg Bitter Verlag (vormals Paulus Verlag) in Recklinghausen kam er 1971 nach Weinheim zu Beltz. Ermutigt von den seinerzeit tiefgreifenden Veränderungen in der Kinder- und Jugendliteratur entwickelten Verleger Dr. Manfred Beltz Rübelmann und Gelberg das Kinder- und Jugendbuchprogramm Beltz & Gelberg – es wurde eine Erfolgsgeschichte. Die von Günther Stiller entworfenen 'orangenen' Bücher waren mit ihrer leuchtenden Farbe Aufbruchssignale einer aufmüpfigen, kreativen Kinder- und Jugendliteratur. Gelberg wurde zu einem der bedeutendsten Initiatoren einer emanzipierten, inhaltlich und gestalterisch wagemutigen Literatur, die Kinder und Jugendliche ernst nahm und ihr die Freude an Sprache, Worten und Geschichten vermittelte, wie er sie selbst immer verspürte und versprühte.

Als Verlagsleiter hat Hans-Joachim Gelberg viele Kinderbuchschaffende entdeckt und gefördert, darunter Christine Nöstlinger, Janosch, Peter Härtling, Mirjam Pressler, Klaus Kordon, Josef Guggenmos, Nikolaus Heidelbach, F. K. Waechter, Axel Scheffler oder Rotraut Susanne Berner, um einige zu nennen. Darüber hinaus gab er zahlreiche Jahrbücher der Kinderliteratur heraus, "poetische Laboratorien" nannte die F.A.Z. diese Sammlungen. 

Im Jahr 1981 kam die erste Literaturzeitschrift für Kinder dazu: Der bunte Hund stellte Geschichten, Gedichte, Märchen, Reiseberichte lesefreudigen Kindern und Eltern vor – und regte zum Selbstschreiben und Dichten an. Die Gedicht-Anthologien, die Hans-Joachim Gelberg zusammengestellte und veröffentlichte, sind nicht nur preisgekrönt, sondern auch bis heute Standardwerke. Für das erste Jahrbuch Geh und spiel mit dem Riesen erhielt er 1972 als Herausgeber den Deutschen Jugendliteraturpreis.

1997 ging Gelberg in den Ruhestand, war aber weiter als Herausgeber, Autor und Referent tätig. Unter anderem war er Mitglied des P.E.N. und lehrte am Institut für Jugendbuchforschung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt. 2004 wurde ihm der Friedrich-Boedecker-Preis für seine "außerordentlichen Verdienste um die Förderung der Kinder- und Jugendliteratur" verliehen. Besonderen Gefallen fand er an regelmäßigen Schreib-Werkstätten an Schulen, unter anderem in der Grundschule an seinem Wohnort im Weinheimer Stadtteil Lützelsachsen. Diese Schule wurde im Jahr 2014 auf seinen Namen getauft: die Hans-Joachim Gelberg Grundschule.

[Quelle: Nachruf der Verlagsgruppe Beltz (gekürzte Fassung)]


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