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von Christoph Carsten, B.A.

Monster, Hexen und Vampire nehmen nicht erst seit gestern einen festen Platz im Figurenrepertoire der Kinder- und Jugendliteratur ein. Die aktuelle Ausgabe der JuLit (3/12) geht der Frage nach, wieso Monster und andere phantastische Geschöpfe nach wie vor eine ungebrochene Faszination auf junge Leser ausüben.

Kinder gruseln sich gerne – dafür jedenfalls sind der anhaltende Verkaufserfolg und die Anzahl der jährlichen Neuerscheinungen von gruseligen Kinder- und Jugendbüchern und -filmen sowie Bilderbüchern ein deutliches Indiz. Wie aber ist es zu erklären, dass fiese Ungeheuer und gemeine Monster, die ihre jungen Rezipienten regelmäßig das Fürchten lehren, einen so großen Unterhaltungswert für Kinder und Jugendliche besitzen? Welche Bedeutung haben solche phantastischen Geschöpfe darüberhinaus für die psychologische Entwicklung und die literarische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen?

Auf solche Fragen versuchen die verschiedenen Beiträge der aktuellen JuLit (3/12), der Zeitschrift des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ), unter dem Themenschwerpunkt "Angst und Schrecken. Monster in der Kinder- und Jugendliteratur" Antworten zu finden.

Jana Mikota zeichnet in ihrem Beitrag die Entwicklung des Monster-Motivs von Mary Shelleys Frankenstein (1818) bis zu Kenneth Oppels Düsteres Verlangen. Die Wahre Geschichte des jungen Victor Frankenstein (2012) nach, welches als jugendliterarisches Prequel zu Shelleys Gothic Novel konzipiert ist. Als Funktion phantastischer Wesen in der KJL stellt sie dabei vor allem die Möglichkeit der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und eigener Unsicherheiten sowie die Einführung von Kindern und Jugendlichen in Gedächtnis- und Erzählgemeinschaften in den Vordergrund.

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Dass schauerliche Gestalten nicht nur im Kinder- und Jugendbuch zu finden sind, sondern gattungsübergreifend ihr Unwesen treiben, macht der Beitrag von Mareile Oetken deutlich, die sich mit Erzählungen vom Schrecken in der gegenwärtigen Bildliteratur für Kinder beschäftigt.

Eine entwicklungspsychologische Perspektive auf die Bedeutung von Monstern und Ungeheuern für Kinder liefert die Lehrerin und Diplom-Psychologin Gertraud Finger, die aufzeigt, wie Monster konkret zu der Entwicklung kindlicher Strategien der Angstbewältigung beitragen können.

Einen Großmeister der Gruselliteratur für Kinder und Jugendliche, dessen Bücher sich millionenfach verkauft haben und von vielen Seiten kritisiert worden sind, hat die JuLit für ein Interview gewinnen können: R.L. Stine, Schöpfer der Gänsehaut-Reihe, stellt sich den Fragen von Linda Dütsch und gibt Auskunft über sein Erfolgsgeheimnis, die Anziehungskraft von Horrorbüchern für Kinder und über seinen Schreibprozess.

Eine ganz andere Art des Schreckens im modernen Jugendbuch untersucht Nicole Filbrandt: Gewalt, Mobbing, Vergewaltigung und Drogen stellen in zeitgenössischen Romanen längst keine Tabuthemen mehr dar. Problembücher dieser Art verzichten auf Schwarz-Weiß-Malerei und schaffen es so, Jugendliche zu berühren, die sich oft selbst in einer schwierigen und undurchsichtigen Lebens- und Gefühlssituation befinden. Sie dienen ihren jungen Leser(inne)n als Katalysator.

Maurice Sendak, Schöpfer des Bilderbuchklassikers Wo die wilden Kerle wohnen von 1963, verstarb am 08. Mai 2012. Claudia Söffner lässt in ihrem Nachruf die Karriere des vielseitigen Illustrators, Kinderbuchautors und Bühnenmalers Revue passieren.

Auch über das Schwerpunktthema hinaus findet sich in der aktuellen JuLit in verschiedenen Rubriken und Beiträgen allerlei Interessantes und Lesenwertes. So etwa ein Werkstattbesuch beim erfolgreichen Nachwuchsautor Finn-Ole Heinrich, der mit Frerk, du Zwerg! nicht nur sein erstes Kinderbuch veröffentlicht hat, sondern darüberhinaus auch den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 gewinnen konnte. Auch die Besprechungen aktueller Neuerscheinungen aus dem Bereich Fachliteratur für Kinder- und Jugendmedien fehlen in der neuen Ausgabe nicht. In der Rubrik "Arbeitskreis aktuell" berichtet der AKJ über aktuelle Projekte und Seminare und zieht anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Jugendjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis Resümee. Abgerundet wird das Angebot durch Berichte und Nachrichten, die über das aktuelle Geschehen im Bereich Kinder- und Jugendmedien informieren.

Mehr Informationen zur aktuellen Ausgabe der JuLit, zu älteren Ausgaben sowie zum Abonnement finden Sie hier.