[01.10.2020]

Die Kinderbuchsammlung von Walter Benjamin soll für die Zukunft gesichert werden. Mit vereinten Kräften finanzieren der Bund, das Land Hessen und das Institut für Jugendbuchforschung die ersten Restaurierungsmaßnahmen an diesem wertvollen historischen Bestand.

Nur 204 Bücher umfasst die Sammlung aus dem früheren Besitz von Walter Benjamin. Doch sie ist gleich in mehrfacher Hinsicht besonders wertvoll: Für die Forschung liefert sie wichtige Erkenntnisse über den großen Intellektuellen, der eng mit Theodor W. Adorno befreundet war und zum Umkreis der Frankfurter Schule zählt. Stammen die Bücher doch zum Teil aus Benjamins eigener Kindheit, in seinen Schriften und Radiobeiträgen hat er sich auch ausgehend von seiner Sammlung mit Kinderliteratur befasst. Zudem handelt es sich durchgehend um besonders schöne und seltene Exemplare: Der gebürtige Berliner Benjamin hat vor allem nach ästhetischen Kriterien gesammelt; sein besonderes Interesse galt den illustrierten und künstlerisch aufwendig gestalteten Kinderbüchern.

An das Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt kam die Sammlung in den 1980er-Jahren durch Ankauf von den Erben Benjamins. Es war der ausdrückliche Wunsch des Sohnes Stefan Benjamin, dass die Sammlung wieder nach Deutschland gelange. Sie wurde in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt in einer Ausstellung gezeigt, zu der ein ansprechender Katalog erstellt wurde (zum Herunterladen auf den Seiten des Instituts.)

Seither werden die Bücher in einem Stahlschrank in der Bibliothek für Jugendbuchforschung aufbewahrt. Um sie weiterhin der Forschung zugänglich zu machen, sind dringend Restaurierungsmaßnahmen notwendig: Die Bücher sind stark benutzt und teilweise entsprechend beschädigt, der Zahn der Zeit hat ein Übriges getan. Nun sollen sie zunächst "stabilisiert" werden. Ein Teil ist bereits an das Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig gegangen, wo zunächst, soweit notwendig, das Papier entsäuert wird, die Buchdeckel und -kanten stabilisiert und maßgeschneiderte Klappdeckelboxen für jedes einzelne Buch hergestellt werden.

"Benjamin hat die Bücher seiner eigenen Kindheit mit bescheidenen Mitteln zu einer Sammlung ausgebaut", erklärt Dr. Felix Giesa, Kustos des Instituts für Jugendbuchforschung. Gesammelt habe er vor allem nach ästhetischen Kriterien, vorwiegend illustrierte Texte aus dem 19. Jahrhundert. Neben verschiedenen Ausgaben der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen gehören auch Märchenbücher von Wilhelm Hauff und Charles Perrault zum Bestand. Außerdem machen etwa sogenannte Verwandlungsbilderbücher wie ein seltenes Buch von Christian Gottfried Heinrich Geißler aus dem Jahr 1815 einen wichtigen Teil der wertvollen Sammlung aus.

Mit Mitteln der bundeseignen Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), die 50 Prozent der Kosten übernimmt, des Landes, das über das HMWK 40 Prozent trägt, und Berufungsmitteln von Prof. Ute Dettmar wird nun zunächst der Bestand gesichert und katalogisiert, dann soll es eine Ausstellung und ein Symposium geben. Insgesamt sind für diese Maßnahmen rund 30.000 Euro verfügbar. Anschließend soll der Bestand auch digitalisiert werden, damit er der Benjamin-Forschung im In- und Ausland zur Verfügung steht – ohne dass die Nutzung weitere Spuren in den Originalen hinterlässt.

[Quelle: Pressemitteilung Goethe Universität]


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