von Christoph Carsten, B.A.

In den letzten Jahren wendet sich die Kinder- und Jugendliteratur in verstärktem Maße Phänomenen wie Krankheit, Altern, Sterben und Tod zu. Die aktuelle Ausgabe der interjuli (01/13) mit dem Thema "Krankheit und Tod in der Kinder- und Jugendliteratur" untersucht in verschiedenen Beiträgen aktuelle Veröffentlichungen aus dem Bereich KJL, in denen diese Problematik auf unterschiedliche Weise verhandelt wird.

Waren Krankheit und Tod im späten 19. Jahrhundert tabuisiert und aus dem Bereich der KJL verbannt worden, erhielten sie ab den 1960er und -70er Jahren erneut Einzug in die realistisch-didaktische Kinder- und Jugendliteratur. Heute sind Themen wie Krankheit, Sterben und Tod in der Mitte der Literatur für junge Leser und Leserinnen angekommen; beispielhaft lässt sich dies am außerordentlichen Erfolg von John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter ablesen. Anhand der Geschichte von Hazel und Gus, die sich in einer Krebs-Selbsthilfegruppe kennen und lieben lernen, zeigt sich, dass in der neueren und neusten KJL auch Kinder und Jugendliche von Krankheit und Tod nicht ausgenommen sind.

Die aktuelle Ausgabe der interjuli, so Mitherausgeberin Marion Rana im Editorial, fragt danach, ob sich an der Auseinandersetzung mit dem Tod in der KJL ein gesellschaftlicher Wandel im Umgang mit der Vergänglichkeit ablesen lässt. Darüber hinaus interessieren sich die verschiedenen BeiträgerInnen dafür, wie nah sich die KJL im Umgang mit Alter und Tod an der Realität bewegt und welche sprachlichen und gestalterischen Möglichkeiten sie sich in diesem Zusammenhang zunutze macht.

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Im ersten Beitrag beschäftigt sich Sonja Loidl mit der Inszenierung gewaltsamen Sterbens in der dystopischen Jugendliteratur. Romane wie Die Tribute von Panem (Suzanne Collins), Vollendet (Neal Shusterman) oder Die Bestimmung (Veronica Roth) spielen oft an konfliktreichen und spannungsgeladenen Schauplätzen, an denen der Tod eine zentrale Stellung einnimmt. Die besprochenen dystopischen Romane interessieren sich dabei vor allem für die Umstände der meist nicht natürlichen Todesfälle.

Vanessa Joosen legt den Fokus ihres Artikels auf Phänomene des Alterns und untersucht die Darstellung von Kindern und alten Menschen in den Werken von Philippa Pearce, Lucy M. Boston and Eleanor Farjeon. Zwischen den ganz Jungen und den ganz Alten herrscht dort eine besondere Affinität vor, eine physische wie mentale Ähnlichkeit. Verbunden werden die Generationen durch ein gemeinsames Interesse an der Vergangenheit, dem Erzählen von Geschichten, an der Natur und der Phantasie.

In ihrem Roman Hundewinter erzählt K.A. Nuzum die Geschichte der jungen Dessa, die seit dem tragischen Tod ihrer Mutter allein mit ihrem Vater in einer einsamen Waldhütte lebt. Ihr einziger Freund ist ein streundender Hund, der sie eines Tages vor einem hungrigen Bären rettet. Minu Hedayati-Aliabadi und Sarah Kristina Strehlow fragen nach der Kindgemäßheit von Nuzums Roman im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit den Themen Trauer und Tod.

Mit der Schwierigkeit, den Tod zu visualisieren, müssen vor allem Bilderbücher umgehen. Marianna Missiou stellt drei Bilderbücher von Kitty Crowther vor, die durch ihre Bildsprache einen interpretativen Raum öffnen, der es Kindern erlaubt, sich dem Thema Tod durch das Entwickeln eigener Fragen und Antworten anzunähern.

In der Rubrik Universität und Schule beschäftigt sich Hartmut Vollmer mit dem didaktischen Potential von Gedichten, Kindern im Grundschulalter die Ästhetik und die spezifischen Elemente von literarischen Texten im Rahmen eines handlungs- und produktionsorientierten Unterricht näherzubringen. Beispielhaft werden zwei Gedichte (Wäre die Wolke ein Kissen… und Sachensammler) von Josef Guggenmos analysiert.

Auch beim Schweizer Prix Chronos spielt das Altern eine Rolle: Generationenbeziehungen in der Kinderliteratur lautet das Thema des Preises. Zu diesem Anlass hat sich die interjuli mit Isabelle Schmid, die sich im Namen der Fach- und Dienstleistungsorganisation für ältere Menschen Pro Senectute um die Ausrichtung kümmert, und Christine Lötscher vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM, die die Vorauswahl der zu prämierenden Bücher trifft, zum Interview getroffen.

Schließlich folgen eine Reihe von Besprechungen aktueller Primär- und Sekundärliteratur, in der die Themenkomplexe Krankheit, Altern, Sterben und Tod von Bedeutung sind.

Mehr Informationen zur aktuellen Ausgabe der interjuli, zu älteren Ausgaben sowie zum Abonnement finden Sie hier.


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