Soll der Deutsche Jugendliteraturpreis künftig nur noch an deutschsprachige Autoren und Autorinnen vergeben werden? Das fordert die "Initiative deutschsprachiger Kinder- und JugendautorInnen und IllustratorInnen" in einem offenen Brief an Bundesministerin Kristina Schröder. Dagegen plädiert der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), verantwortlich für die Organisation und Ausrichtung des Deutschen Jugendliteraturpreises, in einer Presseerklärung dafür, die Internationalität und Weltoffenheit des Preises zu bewahren.

In dem zum Welttag des Buches erschienenen offenen Brief an Bundesministerin Schröder kritisiert die Initiative die bisherige Vergabepraxis des Deutschen Jugendliteraturpreises. Obwohl es sich um den einzigen deutschen Staatspreis für Literatur handele, seien etwa 90% aller seit 1956 vergebenen Deutschen Jugendliteraturpreise an fremdsprachige Autoren und Autorinnen gegangen. Dadurch werde die Anerkennung und Förderung der eigenen Literaturproduktion verfehlt.

Dagegen plädiert die Initiative dafür, künftig nur noch deutschsprachige Originalwerke zuzulassen und Übersetzungen in einer eigenen Sparte zu bewerten. Um Kinder und Jugendliche zur Auseinandersetzung mit Literatur zu bewegen, sei der Fokus auf deutschsprachige Originalwerke zu legen. "Es sind eben v.a. deren AutorInnen, die in diesem Land Lesungen durchführen und dabei direkt und wirkungsvoll Literatur vermitteln können", heißt es in dem Brief. Zudem habe ein Text "nur in seiner Muttersprache die ursprüngliche literarische Dichte und Authentizität".

Die Leistungen von Übersetzungen wollen die Verfasser des offenen Briefes auch weiterhin gewürdigt wissen, allerdings in einer eigens für diese eingerichteten Sparte, in der das Augenmerk vor allem auf der Übersetzungsleistung, und nicht nur auf der literarischen Qualität des Werkes, liegen solle.

In der bisherigen Vergabepraxis komme die Förderung der Vermittlung der eigenen kulturellen Identität zu kurz, beklagt die Initiative. "Außerdem ist für interkulturellen Dialog der gegenseitige Austausch mit anderen Kulturen und Sprachen wichtig", heißt es weiter. Nur durch die gezielte Förderung deutschprachiger Autoren und Autorinnen erhielten diese weltweite Aufmerksamkeit, durch die ein interkultureller Dialog erst möglich werde.

Primäres Ziel des Deutschen Literaturpreises sollte es daher sein, "[d]eutschsprachige Bücher auszuzeichnen, die auf sprachliche und inhaltliche Qualität setzen". Nur dadurch könne die eigene Literaturqualität gesichert und gefördert werden. Zudem könnten Verlage dadurch dazu bewegt werden, auch "riskante" deutschsprachige Originaltitel mit ins Verlagsprogramm aufzunehmen und nicht nur auf leichtverkäufliche Mainstreamprodukte zu setzen.

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), der für die Organisation und die Ausrichtung des Deutschen Jugendliteraturpreises verantwortlich ist, nahm in einer Presseerklärung Stellung zu den erhobenen Vorwürfen der Initiative. Darin heißt es, Ziel des Deutschen Jugendliteraturpreises sei es, Kinder und Jugendliche "mit Hilfe eines qualitativ überzeugenden und vielfältigen Literaturangebots in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Orientierung zu bieten". Orientierung sei aber nicht nur hinsichtlich eines schier unüberschaubaren Buchmarktes notwendig, sondern auch bezüglich der "zunehmend komplexen Rahmenbedingungen des Aufwachsens in einer medial vernetzten, globalisierten Welt".

Der Deutsche Jugendliteraturpreis spiegele die gesamte Bandbreite des Angebots auf dem deutschen Buchmarkt, einschließlich der Übersetzungen aus anderen Sprachen. Nicht die Herkunft eines Werkes sei entscheidend, sondern in erster Linie die literarische Qualität.

Außerdem widerspricht der AKJ dem Vorwurf, dass ausländische Autoren gegenüber deutschsprachigen Autoren überproportional häufig ausgezeichnet würden: "In den vergangenen zehn Jahren erhielten 35 deutschsprachige und 33 nicht-deutschsprachige Autoren und Illustratoren den Preis. Außerdem wurden 28 Übersetzer dafür prämiert, dass sie die Preisbücher aus anderen Sprachen auf Deutsch zugänglich gemacht haben", heißt es in der Erklärung. Weiter habe die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg ermittelt, dass beim Deutschen Jugendliteraturpreis zwischen 1956 und 2004 unter den Preisträgern aller Sparten 96 deutschsprachige Preisbücher und 91 Übersetzungen aus anderen Sprachen ausgezeichnet worden seien.

Schließlich macht sich der AKJ dafür stark, Kindern Literatur über alle (kulturellen und nationalen) Grenzen zugänglich zu machen. Dazu gehöre auch, den Bekanntheitsgrad deutschsprachiger Literatur im Ausland zu erhöhen. Denn, so lautet das Fazit, "Literatur ist der Schlüssel zur Welt – zu einer Welt".


Den offenen Brief der "Initiative deutschsprachiger Kinder- und JugendautorInnen und IllustratorInnen" können Sie hier lesen.

Die Presseerklärung des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ) finden Sie hier.


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