Der Bamberger Verleger Lothar Schmid ist am 18. Mai gestorben, wie seine Familie mitteilt. Schmid leitete von 1951 bis 2003 den Karl-May-Verlag - zunächst mit seinen Brüdern Joachim und Roland, ab 2003 als alleiniger Verlagsleiter. Seit 2007 hat Schmids Sohn Bernhard die Nachfolge angetreten.

(Quelle: boersenblatt.net) Schmid wurde am 10. Mai 1928 als Sohn des Verlegers Euchar Albrecht Schmid in Dresden geboren. Dieser kannte Karl May persönlich und gründete nach Mays Tod 1913 mit dessen Witwe und dem Erstverleger den Karl-May-Verlag in Radebeul. Lothar Schmid studierte zuerst Jura und übernahm nach dem Tod seines Vaters 1951 mit seinen Brüdern Joachim († 2003) und Roland († 1990) die Leitung des Karl-May-Verlags in Bamberg. Ab 1993 führte Schmid den Verlag zunächst alleine und dann mit seinem Sohn Bernhard Schmid. 2007 zog er sich aus der ersten Reihe der aktiven Verlagsarbeit zurück und übergab diealleinige Geschäftsführung an Bernhard Schmid.

Neben seiner Tätigkeit als Verleger war Schmid ein passionierter Schachspieler, der u.a. zwischen 1950 und 1970 elf Mal für Deutschland bei Schacholympiaden und Länderkämpfen antrat. 1959 erhielt er den Titel "Internationaler Schachgroßmeister". Er gewann zahlreiche Preise und Auszeichnungen und wurde mit dem Schachclub Bamberg 1966, 1976 und 1977 zur deutscher Mannschaftsmeister. Bekannt wurde er auch als Schachschiedsrichter: Er leitete 1972 in Reykjavik den Weltmeisterschaftskampf zwischen Boris Spasski (Sowjetunion) und dem Bobby Fischer (USA). Die Presse berichtete damals, dass es Schmids umsichtigen Verhalten zu verdanken gewesen sei, dass der brisante Wettkampf trotz der damals herrschenden politischen Spannungen zur Zeit des Kalten Krieges ordnungsgemäß beendet werden konnte. Aufgrund seiner Verdienste wurde ihm 2005 der Ehrentitel "Schachschiedsrichter des Jahrhunderts" verliehen. Außerdem war der Träger des Bundesverdienstkreuz am Bande seit 2002 Ehrenmitglied des Weltschachbund FIDE (Fédération Internationale des Échecs) und leitete viele Jahre die  FIDE-Kommission "Schach und Kunst".

Mit mindestens genauso viel Begabung, Leidenschaft und Risikobereitschaft lenkte er sehr erfolgreich über Jahrzehnte die
Geschicke des Karl-May-Verlags in Bamberg. Nach Verlagsangaben ist Karl May mit über 80 Millionen verkauften Büchern allein in der Karl-May-Verlags-Ausgabe der meistgelesene deutsche Schriftsteller, übersetzt in 42 Sprachen. Schmid hatte die literarische Hinterlassenschaft von Karl May dem Freistaat Sachsen für 15 Millionen Euro angeboten, Sachsen wollte jedoch nur 3,5 Millionen geben, worauf der Verleger das Angebot 2008 ablehnte.

 

 

 


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