Die Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendliteratur der Georg-August-Universität Göttingen besteht seit März 2009 und gehört zum Lehrstuhl von Professor Dr. Christoph Bräuer. Schwerpunkt der Arbeitsstelle ist die Betreuung einer Sammlung zur historischen Kinder- und Jugendliteratur.

Die Sammlung besteht aus den beiden historischen Sammlungen Seifert, Wehner und Vordemann sowie der Arbeitsbibliothek Malte Dahrendorfs und umfasst etwa 35.000 Bände. Mit der Jungen Bibliothek verwaltet die Sammlung außerdem ca. 10.000 Bände neuer und neuester Kinder- und Jugendliteratur aus dem Bestand der SUB. Schwerpunkte der Sammlung liegen auf der Literatur der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, der roten Kinder- und Jugendliteratur und auf Märchenbüchern.

Die Sammlung ist als teaching library konzipiert: Ihre Ausleihbestände befinden sich in einem integrierten Bibliotheks-, Lese-, Arbeits- und Seminarraum. Damit sind sowohl individuelles Arbeiten, Gruppenarbeiten und Seminarsitzungen zu Themen der Jugendliteraturforschung möglich.

Sammlung Seifert (SamS)

Der Erwerb der wissenschaftlich besonders wertvollen Privatsammlung Jürgen Seifert ist für das Seminar für Deutsche Philologie der Georg-August-Universität Göttingen im Jahre 2008 ein enormer Gewinn. Die Sammlung gehört zu den bedeutendsten Kinderbuchsammlungen. Ca. 11.500 Titel spiegeln die Entwicklung der Kinderliteratur von ihren Anfängen bis in die frühen 90er Jahre und umfassen die gesamte Bandbreite des kinderliterarischen Spektrums. Es handelt sich bei der Sammlung Seifert (SamS) um eine Beispielsammlung zur Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur mit repräsentativer Bedeutung und einem hohen Gebrauchswert. Wegen ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung eignet sich die Sammlung besonders für interdisziplinäre Zusammenarbeit und bietet nicht nur der Literaturwissenschaft und der Fachdidaktik, sondern auch den Geschichts-, Kunst- und Politikwissenschaften, der Soziologie und Kulturanthropologie eine reiche Quelle an Forschungsmaterial.

Sammlung Wehner

Die Sammlung Wehner wurde in den 1970ern in Würzburg von Sigrid Wehner (*1931) begründet. Ursprünglich aus Pommern stammend hatte Wehner ihre Kinderbücher bei der Flucht 1945 zurücklassen müssen. Als sie viele Jahre nach Kriegsende eines der Werke in einem Antiquariat entdeckte, begann sie, Ausgaben ihrer ersten 100 Bücher wieder anzukaufen. Ab den 1990ern erweiterte Wehner ihr Sammelgebiet insgesamt auf die Kinder- und Jugendliteratur der Jahre 1925–1945, um abzubilden, was den Kindern ihrer Generation als Lektüre zur Verfügung stand. Aufgrund dieses breiten Sammelinteresses erwarb Wehner unter anderem auch Literatur, die von Bibliotheken nur selten aufgenommen wird: Groschenromane, Werbehefte für Kinder und Sammelalben. Weil gerade diese Druckerzeugnisse aber weit verbreitet waren, ermöglicht die Sammlung Wehner einen erweiterten Einblick in die Kinder- und Lesekultur der späten Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Die Sammlung Wehner konnte 2017 mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Niedersachsen und der Lindemann-Stiftung von der Universität Göttingen erworben werden. Sie befindet sich derzeit in der wissenschaftlichen und bibliothekarischen Ersterschließung und soll in den nächsten Jahren sukzessive der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Sammlung Vordemann

Die Sammlung Vordemann steht der akademischen Lehre seit Anfang der 1960er Jahre aufgrund einer Stiftung zur Verfügung. Sie ist nach dem Einbecker Superintendenten Karl Vordemann (1850–1931) benannt, der nach seiner Pensionierung in Göttingen lebte und jahrzehntelang Kinderbücher sammelte. Die Sammlung enthält Kinder- und Jugendbücher von Anfang des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Schwerpunkte liegen auf der Erziehungs- und Erzählliteratur der 19. Jahrhunderts, auf Mädchenbüchern und Abenteuerromanen.

Bibliothek Dahrendorf

Die Arbeitsbibliothek des Kinder- und Jugendbuchforschers Malte Dahrendorf (1928–2008) wurde 2014 durch eine Schenkung Teil der Göttinger Sammlung. Sie umfasst etwa 3500 Bände aus dem Zeitraum von der jungen Bundesrepublik bis in die frühen 2000er Jahre, in denen sich zahlreiche Notizen des ehemaligen Besitzers finden. Die Bibliothek Dahrendorf bildet damit die jüngere Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland exemplarisch ab und legt dabei einen deutlichen Schwerpunkt auf sozial engagierte Erzählwerke und Kinderbuchreihen wie z.B. rororo.

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