von Dr. phil. Iris Mende

Eine Romantrilogie von Kevin Crossley-Holland, bestehend aus den Einzelbänden Artus – Der magische Spiegel (2001), Artus – Zwischen den Welten (2002) und Artus – im Zeichen des Kreuzes (2004).

Handlung

Kevin Crossley-Hollands Artus-Trilogie spielt an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Auf einer ersten Handlungsebene wird die Geschichte des zu Beginn des ersten Bandes 13 Jahre alten Artus erzählt, dem Sohn des Grafen John de Caldicot. Dessen sehnlichster Wunsch ist es, als Knappe zu dienen und später Ritter werden zu dürfen. Sein Vater dagegen sähe ihn lieber als Priester. Die Handlung des ersten Bandes beschreibt vor allem Artus’ tägliches Leben auf dem Landgut Caldicot. Es wird nicht nur vom Leben der adligen Familie erzählt, sondern auch vom Alltag der Dorfbewohner.

Am Ende des ersten Bandes geht Artus’ Wunsch in Erfüllung: er wird von seinem Onkel, Lord Stephen, als Knappe angenommen und soll mit diesem zum Kreuzzug aufbrechen. Gleichzeitig erfährt er ein Geheimnis, das sein Leben entscheidend verändert: er ist nicht der Sohn von Sir John und Lady Helen, die er immer für seine Eltern gehalten hat, sondern der uneheliche Sohn von Sir William, von dem er geglaubt hatte, er sei sein Onkel.

Die Handlung des zweiten Bandes ist geprägt von den Vorbereitungen zum Kreuzzug. Außerdem erwacht in Artus der Wunsch, seine leibliche Mutter zu finden, und er beginnt, Nachforschungen anzustellen. Das Verhältnis zu seinem leiblichen Vater hingegen ist schwierig und ständig von schwelenden Konflikten geprägt.

Im dritten Band brechen Artus und Lord Stephen zum Kreuzzug auf. Im Kreuzfahrerlager in Venedig wird Artus zum Ritter geschlagen. Nach Jerusalem gelangen sie allerdings nicht: Lord Stephen wird bei einem Streit mit Sir William schwer verletzt, Sir William getötet. Artus muss den verletzten Lord Stephen zurück nach Britannien bringen, wo es ihm schwer fällt, sich nach all seinen Erlebnissen wieder in sein normales Leben einzufügen. Doch schließlich erreicht er, wonach er schon seit langem strebt, nämlich, seine Mutter zu treffen. Danach tritt er seine neue Aufgabe als Herr über das Landgut Catmole an, das ihm sein Vater vermacht hatte.

Parallel zu dieser Handlung verläuft eine zweite Handlungsebene, die sich in einem Stein abspielt, den Artus von Merlin, einem Freund seines Vaters, geschenkt bekommen hat. Im ersten Band sieht Artus, wie König Uther sich in Ygerna verliebt, wie sein Namensvetter im Stein geboren und zu Pflegeeltern gegeben wird, und wie er später das Schwert aus dem Stein zieht und König von Britannien wird. Die König-Artus-Handlung des zweiten Bandes widmet sich stärker den Rittern der Tafelrunde, während Artus eher in den Hintergrund rückt und fast schon zur Nebenfigur wird. Am Ende des zweiten Bandes erscheint der Heilige Gral in Camelot, wodurch die Gralssuche der Artusritter ausgelöst wird. Diese ist auch zentrales Element der Handlung im Stein des dritten Bandes. Außerdem wird die Guinevere-Lancelot-Handlung vorangetrieben. Die König-Artus-Handlung endet mit dem Kampf gegen Mordred und Artus’ Entrückung.

Populärrezeption

Obwohl die Artus-Trilogie von professionellen Lesern in der Regel positiv bewertet wird (vgl. Mende 2012, S. 165 f.), blieb der Erfolg beim eigentlichen Zielpublikum offensichtlich aus. Nur zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung sind die beiden ersten Bände nicht mehr erhältlich, interessierte Leserinnen und Leser können sie lediglich gebraucht erwerben (vgl. Verkaufsseite auf amazon.de). Kevin Crossley-Holland und sein Werk scheinen nur auf geringes öffentliches Interesse zu stoßen. So existiert zum Autor nur ein sehr kurzer Wikipedia-Artikel, zu seinen einzelnen Werken überhaupt keiner. Auch die geringe Anzahl an Kundenrezensionen auf Amazon.de deuten darauf hin, dass die Bücher nur mäßig erfolgreich sind. Da nur wenige Aussagen von Leserinnen und Lesern der Romane verfügbar sind, können diese nur als Hinweise auf die Gründe gelesen werden.

“Ein Kunde” schreibt auf Amazon.de über den ersten Band: “Wer sich für die wahre Geschichte des König Artus und sein Schwert Excalibur interessiert, sollte dieses Buch nicht lesen. Es ist dann eher enttäuschend.“ Aus dieser Aussage lässt sich die Erwartung ablesen, eine “richtige” Version der Geschichte präsentiert zu bekommen – die es allerdings beim Artusstoff überhaupt nicht gibt.

Ein anderer Kunde, der sich als Schüler der 8. Klasse ausweist, kritisiert die fehlende Spannung des zweiten Bandes:

“Das war auch eigentlich auch schon die wesentliche Geschichte, was ein dickes Minus ergibt, da es zwar wirklich schön geschrieben ist (auch die Ich-Perspektive liest sich gut), allerdings kommt so gut wie nie Spannung auf. Man wartet daher die ganze Zeit auf den Höhepunkt, welchen es leider nicht gibt. […] Mein Tipp an den Autor: Einfach das nächste Mal ein bisschen Spannung einbauen und es wird sicher eine wunderbare Geschichte werden.“

Schließlich äußert ein erwachsener Leser die Annahme, das Buch sei zu komplex für junge Leser:

“Der Roman wird als Jugendbuch angeboten. Das kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Zwar ist die Sprache leicht verständlich. Aber der Roman ist nicht geradlinig erzählt. Er entwickelt viele, teilweise durch die psychologische Tiefe recht komplexe Nebengeschichten. Viele Aspekte werden in einer Art und Weise angedeutet, die für den jugendlichen Leser schwer zu verstehen sein dürften. So ist dieses Buch eher ein Erwachsenenroman, hervorragend recherchiert, hervorragend geschrieben, aber – das ist meine Einschätzung – nur für leseerfahrene Jugendliche zu empfehlen.”

Die hohe Komplexität der Romane und die Abweichungen von dem, was in der Populärkultur oftmals als “Standardversion” des Artusstoffes präsentiert wird (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Artus und Mende 2012, S. 111 ff.), könnten tatsächlich dazu führen, dass die Romane von der Zielgruppe als wenig lesenswert wahrgenommen werden.

Wissenschaftliche Rezeption

Der wenig positiven Populärrezeption steht eine sehr positive Bewertung der Bücher in der Mittelalter- und Kinder- und Jugendliteraturforschung gegenüber. In der akademischen Forschung finden die Romane vor allem Beachtung im Bereich der Mittelalter-Vermittlung. In dieser Hinsicht verfügen die Artus-Romane Kevin Crossley-Hollands über ein sehr großes Potential, eine wissenschaftlich verantwortbare Mittelalter-Vermittlung zu leisten (vgl. Mende 2012, S. 199 ff.)


Bibliografie

Primärliteratur

  • Crossley-Holland, Kevin: Artus – Der magische Spiegel. 4. Auflage. München: dtv, 2007.
  • Crossley-Holland, Kevin: Artus – Zwischen den Welten. Stuttgart: Urachhaus, 2002.
  • Crossley-Holland, Kevin: Artus – Im Zeichen des Kreuzes. Stuttgart: Urachhaus, 2004.

Forschungsliteratur

  • Karg, Ina: Ritter, Elfen, Zauberwelten. Mittelalterbilder in aktuellen Kinder- und Jugendbüchern. In: Bilder vom Mittelalter. Eine Berliner Ringvorlesung. Hrsg. von Volker Mertens und Carmen Stange. Göttingen: V&R Unipress 2007. S. 155-179.
  • Mittelalter im Kinder- und Jugendbuch. Akten der Tagung Bamberg 2010. Hrsg. von Ingrid Bennewitz und Andrea Schindler. Bamberg: University of Bamberg Press, 2012 (im Druck).
  • Mende, Iris: Der König, der war, und der König, der sein wird. Die Artusrezeption in der Kinder- und Jugendliteratur. In: Rezeptionskulturen. Fünfhundert Jahre literarischer Mittelalterrezeption zwischen Kanon und Populärkultur. Hrsg. von Mathias Herweg und Stefan Keppler-Tasaki. Berlin: De Gruyter 2012 (= Trends in medieval philology 27). S. 411-424.
  • Mende, Iris: Vermitteltes Mittelalter? Schulische und außerschulische Potentiale moderner Mittelalterrezeption. Frankfurt am Main: Lang, 2012.

Internet

 

 Erstveröffentlichung: 01.11.2012

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