Weitere Textformen

Inhaltsverzeichnis

  1. Wissenschaftlichkeit und Themenfindung
  2. Literaturrecherche
  3. Formale Kriterien / Layout 
  4. Aufbau und Gliederung 
  5. Sprachliche Anforderungen 
  6. Zitation
  7. Weitere Textformen 
    1. Referat
      1. Besonderheiten eines Referats
      2. Anforderungen an ein Referat
      3. Hinweise für Referierende
    2. Exzerpt 
    3. Bibliographie
    4. Essay  
      1. Aufbau
      2. Argumentation
    5. Exposé

      1. Funktion
      2. Inhalt 

 

7.1 Referat

7.1.1 Besonderheiten eines Referats

Im Studium ist eine wissenschaftliche Hausarbeit häufig mit einem Referat verbunden. Oft wird im laufenden Semester ein Referat gehalten, dessen Thema dann im Rahmen einer Hausarbeit vertiefend ausgebaut und ausgearbeitet werden kann. Eingangs soll festgehalten werden, dass zwischen einer wissenschaftlichen Hausarbeit und einem Referat trotz dieser Kopplung wesentliche Unterschiede bestehen: Die Aufgabe, ein Referat zu einer Hausarbeit zu halten, zielt demnach nicht darauf ab, eine bereits ausformulierte Hausarbeit vorzulesen. Im Umkehrschluss reicht es dabei für die Erstellung einer Hausarbeit nicht aus, die Präsentation eines bereits gehaltenen Referates zu verschriftlichen.

Einen wesentlichen Unterschied stellt zudem auch der Adressatenbezug und der damit verbundene performative Aspekt eines Referates dar: So richtet sich dieses dezidiert an ein anwesendes und über einen ähnlichen Wissensstand verfügendes Publikum. Dieses muss im Zuge eines Vortrags aber auch bereits bei dessen Planung mit einbezogen werden. Somit sind mit der Konzeption eines Referates durchaus didaktische Vorüberlegungen verbunden, die den genannten Einbezug des Publikums sicherstellen sollen. Als Einbeziehungsmöglichkeiten bieten sich dabei Diskussionselemente oder Aufgaben während der Referatszeit an oder auch eine Feedbackrunde nach dieser. Um Interesse für das Thema und das Referat zu wecken, ist es sinnvoll bereits nach einigen einleitenden Worten und Thesen die Zuhörenden einzubeziehen und bspw. über (kontroverse) Diskussionsimpulse zu animieren. Der gezielte Einsatz unterschiedlicher Medien (Präsentationssoftwares, Thesenpapiere, Filmausschnitte etc.) kann zudem auch zu einer gelungenen Präsentation beitragen. Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass das anwesende Publikum nur begrenzt aufnahmefähig ist. Deswegen sollte neben dem Einsatz der genannten und auf Interaktion ausgerichteten Vortragselemente auch das Einhalten des vorgegebenen zeitlichen Rahmens im Zuge der Planung bedacht werden. 

 

7.1.2 Anforderungen an ein Referat

Als Einstieg in einen Vortrag eignet sich ein motivierender 'Wachmacher': So könnte anstelle einer komplizierten Definition oder der Erläuterung eines abstrakten Konzept ein interessantes Detail, eine beeindruckende Zahl oder Statistik oder ein Zitat den Einstieg in ein Referat und den Zugang zu dessen Thema erleichtern. 

Auf diesen einleitenden Impuls folgt neben einer kurzen Erläuterung des Themas auch eine Vorstellung des geplanten Verlaufs, um den Zuhörenden einen Überblick über den Inhalt aber auch die Struktur des Referats zu geben und ihnen so das Zuhören zu erleichtern. Betont soll an dieser Stelle einmal mehr werden, dass es nicht der Anspruch eines Referates ist, ein Thema vollständig und umfassend zu erläutern. Stattdessen dient es dazu, Impulse und Denkanstöße zu geben, die bei Interesse weiter vertieft werden können.

Der Hauptteil eines Referates setzt sich aus verschiedenen Unterkapiteln zusammen, wobei die Kapitelanzahl in Anbetracht der Aufnahmefähigkeit der Zuhörenden und des zeitlichen Rahmens nicht zu hoch sein sollte.

Für den Schluss bietet sich zum einen eine kurze Zusammenfassung der Kernaussagen an. Zum anderen kann an dieser Stelle jedoch auch der einleitende Impuls erneut aufgegriffen werden, um damit möglicherweise auch eine Überleitung in eine sich anschließende Diskussionsphase zu schaffen.

Falls das Referat durch ein Thesenpapier oder ein Handout begleitet wird, sollte dies den Zuhörenden im Vorhinein zugänglich gemacht und nicht erst direkt vor dem Referat ausgeteilt werden. Dies ermöglicht es den Zuhörenden sich auf das Thema vorzubereiten und das Handout oder Thesenpapier nicht nur als Mitschreibersparnis zu nutzen. Auch deshalb gilt sowohl für begleitende Handouts, Thesenpapiere oder Präsentationen, dass diese nicht bereits sämtliche Informationen des Vortrags beinhalten, sondern als Grundlage und Orientierung für die im Rahmen des Referats präsentierten Erläuterungen konzipiert sein. Neben diesen Sachinformationen müssen Thesenpapier und Präsentation zudem ein Literaturverzeichnis vorweisen. 

 

7.1.3 Hinweise für Präsentierende

Ein Referat wirkt umso souveräner, je freier der Vortragende spricht. Freies Vortragen heißt hierbei nicht, dass alle Informationen auswendig vorgetragen werden müssen – ein Manuskript ist durchaus hilfreich. Dieses Manuskript kann entweder Stichworte oder einen Fließtext enthalten. Bei der zweiten Variante besteht jedoch die Gefahr, einen vorformulierten Text vorzulesen. Zudem weist die Schriftsprache große Unterschiede im Vergleich zum mündlichen Vortrag auf. Ein Stichwortmanuskript zwingt dagegen zur freien Formulierung der Inhalte, was den Vortrag zum einen lebendiger erscheinen lässt und zum anderen automatisch zu mehr Blickkontakt mit dem Publikum führt. Dieser Blickkontakt ist dabei eine weitere wichtige Anforderung: So sollte weder allein der Präsentation noch dem Dozenten oder der Dozentin zugewandt referiert werden. Der Blick zum Publikum erleichtert es dem Vortragenden dabei auch, bestimmte Unklarheiten oder Verständnislücken unter den Zuhörenden zu erkennen und zu adressieren.

Zudem spielt gerade der sprachliche Aspekt der Präsentation eine wichtige Rolle dabei, die Zuhörenden nicht zu überfordern. So sollte die Sprache einfach verständlich  – d. h. keine zu langen und verschachtelten Sätze enthalten – und präzise sein und Erklärungen sowie illustrierende Beispiele bieten. Bei komplexen Inhalten sind ggf. sogar sprachliche Redundanzen, die helfen Bezüge und Verbindungen sicht- oder eher hörbar zu machen, hilfreich. Nicht empfehlenswert sind hingegen lange Aufzählungen. Wichtig ist zudem ein angemessenes Redetempo. 

Wenn Unsicherheiten hinsichtlich des Vortrages selbst bestehen, empfiehlt es sich, Zeit für das Üben und Durchsprechen einzuplanen, wobei sich dies unabhängig von etwaigen Unsicherheiten auch für ein korrektes Zeitmanagement anbietet. 

In Bezug auf die Gestaltung einer begleitenden und unterstützenden Präsentation lassen sich zudem einige weitere Anforderungen bestimmen: So sollte die Präsentation nicht mit Text überfrachtet werden. Stattdessen sollten Kernaussagen in einer angemessen und gut lesbaren Schriftgröße auf den Folien platziert sein, um es den Zuhörenden zu ermöglichen, sich schnell einen Überblick über die Information zu erlesen, ohne dass sie der Leseprozess beim Zuhören behindert. Hilfreich ist es in diesem Kontext auch, Aussagen nacheinander einzublenden und die Farbauswahl schlicht zu halten. 

 

7.2 Exzerpt  

Die Literaturrecherche, wie in Kapitel 2 erläutert, ist ein wichtiger Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens. Da in der Recherchephase eine Vielzahl von Publikationen gesichtet und gelesen wird, kann schnell der Überblick über diese und die Informationen, welche sie offerieren, verloren gehen. Zudem kann es auch innerhalb eines Werkes bisweilen schwierig sein, sich an vorher bereits aufgestellte Thesen und Argumentationen zu erinnern und die Gesamtstruktur zu erkennen. Um die Inhalte und Strukturen der gelesenen Texte für die eigene Arbeit festzuhalten und keine Zeit durch erneutes Lesen zu verlieren, empfiehlt sich die Textform des Exzerpts. Ein Werk kann entweder komplett mit all seinen Aussagen exzerpiert werden oder gezielt im Hinblick auf die Forschungsfrage einer wissenschaftlichen Arbeit. Dementsprechend sollte vor der Erstellung des Exzerpts überlegt werden, ob die jeweiligen Inhalte nur für eine Arbeit benötigt werden oder ob umfangreichere Notizen ggf. zu einem späteren Zeitpunkt nützlich sein können. 

Neben inhaltlichen Aspekten gehören zu einem Exzerpt auch Formalia: So ist es sinnvoll, neben dem vollständigen Titel auch bibliographische Informationen (s. Literaturverzeichnis) festzuhalten. Ebenso kann es nützlich sein, die Standortsignatur zu vermerken, um bei Bedarf problemlos wieder auf den Ausgangstext zurückgreifen zu können. 

Damit der Exzerpt beim Schreiben der wissenschaftlichen Arbeit als Grundlage genutzt werden kann, sollten die herausgearbeiteten Informationen mit einigen zusätzlichen Angaben versehen werden. Unabdingbar ist die Seitenangabe – fehlt diese, können z. B. in einer Hausarbeit verwendete Informationen nicht mit einem Kurzbeleg versehen werden, ohne erneut auf den Ausgangstext zurückgreifen zu müssen. Hilfreich kann zudem der Einsatz von Schlagwörtern sein, die gleichermaßen Inhalte bündeln und die Übersichtlichkeit steigern. 

Versehen werden können die aufgegriffenen Informationen darüber hinaus mit persönlichen Kommentaren, die ihren Nutzen für die konkrete Fragestellung der Arbeit ausstellen. Dies erleichtert die spätere Zuordnung der Informationen und stellt zudem sicher, dass keine (eigenen) Ansätze – bspw. Analyseansätze, Ideen zur Strukturierung etc.  – während des Recherche- und Schreibprozesses verloren gehen. 

Um die Übersichtlichkeit eines Exzerptes herzustellen, kann ein Layout in Tabellenform gewählt werden: 

Exzerpt

Die Spalte "Zusammenfassung des Inhalts" muss jedoch nicht ausschließlich mit Text gefüllt werden. Gerade bei komplexen Zusammenhängen können Visualisierungen – z. B. in Form einer Mindmap – hilfreich sein und die Übersichtlichkeit steigern. 


Sofern schriftlich zusammengefasst wird, kann zwischen zwei Optionen gewählt werden: Zum einen können Textteile wörtlich aus dem originalen Text übernommen werden. Zu beachten ist in diesem Fall, dass die Textteile entsprechend gekennzeichnet und mit der entsprechenden Seitenzahl versehen werden, um eventuell auf sie als wörtliche Zitate zurückgreifen zu können. Zum anderen können die Inhalte gebündelt und zusammengefasst werden. Bei dieser Variante ist es jedoch ebenfalls hilfreich, Kernaussagen zusätzlich als wörtliche Zitate zu übernehmen. 

Strukturiert werden kann ein Exzerpt auf unterschiedliche Weise. Am einfachsten erscheint die Methode, das Inhaltsverzeichnis eines Werkes zu übernehmen und den einzelnen Kapiteln Zusammenfassungen zuzuordnen. In diesem Fall folgt man der Chronologie des Autors. Alternativ kann eine eigene Struktur der Inhalte angelegt werden. In diesem Fall eignet es sich, zu Beginn z. B. eine Mindmap anzulegen, um die Strukturelemente sichtbar zu machen und miteinander in Verbindung zu setzen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass die Gedanken bereits mit Blick auf eine eventuell folgende wissenschaftliche Arbeit geordnet und strukturiert werden können. 

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Exzerpt eine nicht öffentliche Textform ist und somit nicht an andere Leser adressiert ist. Das  Exzerpt dient vornehmlich dazu, sich selbst einen Überblick über die verwendete Literatur zu verschaffen und bereits gelesene Gedanken in übersichtlicher Form zu konservieren.

 

7.3 Bibliographie 

Bibliographien eignen sich dazu, einen Überblick über den (aktuellen) Forschungsstand eines Themas zu erhalten bzw. herzustellen. In einer Bibliographie werden möglichst viele Publikationen zu einem Thema aufgeführt, wobei aufgrund der Fülle an Quellen kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht. Der Vorteil gegenüber Suchmaschinen einzelner Bibliotheken ist, dass Bibliographien nicht an einen Standort, sondern an das Thema selbst gebunden sind. Damit bieten sie einen umfassenderen Einblick als die genannten Suchmaschinen. 

Inhalt von Bibliographien sind lediglich die bibliographischen Angaben zu einem Werk (s. ZitationLiteraturverzeichnis). Diese Angaben sollten jeweils vollständig und korrekt sein, um auf ihrer Grundlage nach einem möglichen Standort des entsprechenden Werkes suchen zu können. Nicht enthalten sind hingegen ausführlichen Angaben zum Inhalt der jeweiligen Publikation, wie dies bei Exzerpten der Fall ist. Bei selbst erstellten Bibliographien kann es jedoch hilfreich sein, einige den Inhalt charakterisierende Schlagworte hinzuzufügen, um auch zu einem späteren Zeitpunkt die Eignung einer Publikation für einen bestimmten Zweck einschätzen zu können. 

Ein weiteres Charakteristikum von Bibliographien ist, dass in diesen Primärliteratur getrennt von Sekundärliteratur aufgeführt wird. Der Begriff 'Primärliteratur' umfasst jeweils die Werke, die von einem Autor direkt stammen (z. B. die Chroniken von Narnia von C. S. Lewis). Publikationen der Sekundärliteratur haben hingegen Werke der Primärliteratur zum Gegenstand und setzen sich mit ihnen auseinander (z. B.: "Narnia as a Site of National Struggle: Marketing, Christianity and National Purpose in 'The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe'" von James Russel). 

Wichtig herauszustellen ist zudem der Unterschied zwischen einer Bibliographie und einem Literaturverzeichnis. Ein einer wissenschaftlichen Arbeit angehängtes Literaturverzeichnis enthält ausschließlich die im Rahmen dieser Arbeit zitierten Texte und erfüllt nicht die Funktion, einen Überblick über den gesamten Forschungsstand zu geben. Aufgeführt sind dementsprechend nur die Werke, die tatsächlich verwendet wurden und nicht alle, die verwendet hätten werden können. Bibliographien sind demzufolge deutlich umfangreicher als Literaturverzeichnisse. 

Wenn mit der Recherche für eine wissenschaftliche Arbeit begonnen wird, empfiehlt es sich, die gefundenen Titel, die für die Forschungsfrage von Bedeutung sein können, zunächst zu bibliographieren. Dies ermöglicht das Schaffen eines Überblicks über die Forschungsliteratur, der sich als Grundlage für systematisches Vorgehen eignet. Zudem kann so sichergestellt werden, dass keine Angaben und Texte verloren gehen, die zunächst nicht bedeutsam erscheinen, deren Nutzen sich jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erschließt. Gerade zu diesem Zweck eignet sich das Format einer Bibliographie, da über diese alle Angaben zu einem Werk verfügbar bleiben und nicht allein der Titel.

Es empfiehlt sich ebenfalls, wenn möglich, Standortsignaturen zu notieren, um eine spätere Ausleihe zu erleichtern. Der Vorteil von selbst erstellten Bibliographien gegenüber bereits vorhandenen ist, dass die aufgenommenen Titel speziell auf das eigene Thema zugeschnitten sind und darüber zumeist einen besseren Über- und Einblick in den relevanten Forschungsstand bieten. Die Erstellung einer eigenen Bibliographie ermöglicht es zudem, bestimmte Publikationen unter dem Aspekt der Zugänglichkeit aufzunehmen oder auszuschließen. 

Darüber hinaus kann auf akribisch und genau angelegte Bibliographien zu einem späteren Zeitpunkt zurückgegriffen werden und so die Recherche für eine weitere Arbeit zu einem ähnlichen Themenschwerpunkt erleichtert werden. In diesem Fall sollte die Bibliographie jedoch aktualisiert werden, um auch aktuelle Texte miteinzubeziehen.

Mit der Methodik zur Literaturrecherche und somit zum Anlegen von eigenen Bibliographien und dem Umgang mit bereits bestehenden wurde sich bereits im 2. Kapitel dieses Leitfadens befasst.

 

7.4 Essay 

Essays bilden eine Textsorte, die einen gravierenden Unterschied zu allen anderen hier genannten wissenschaftlichen Arbeiten aufweist: Essays sind subjektiv. Im Gegensatz zum Schreiben einer Hausarbeit oder eines Referats geht es beim Schreiben eines Essays darum, eigene Gedankengänge, Ideen, Argumente und Interpretationen aufzuführen, die der Leser auch als dem Autor eigen wahrnimmt. Daraus ergibt sich, dass nicht die Anwendung von erlernten literaturwissenschaftlichen Methoden und Arbeitstechniken im Vordergrund steht. Stattdessen ist das zentrale Ziel eines Essays, ein Thema eigenständig, aber dennoch fundiert zu reflektieren. 

 

7.4.1 Aufbau 

Ein Essay ist eine sehr freie Textform: So lassen sich für den Essay kein absolut zu folgender Aufbau und keine fixen Bestandteile festhalten. Trotzdem sollte strukturell eine Aufteilung in eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss erkennbar sein, wobei diese nicht durch unterschiedliche Kapitel voneinander getrennt sein müssen. Daraus ergibt sich zudem der Verzicht auf ein Inhaltsverzeichnis. 

Die Einleitung sollte, ähnlich wie bei wissenschaftlichen Hausarbeiten, das Thema, die Fragestellung und die These enthalten. Das Thema eines Essays sollte zum einen möglichst kontrovers sein. Zum anderen muss es jedoch so formuliert werden, dass es von allen Lesern verstanden wird, unabhängig von ihrem Vorwissen. 

Der Hauptteil beinhaltet die argumentative Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema und der sich daraus ergebenden Fragestellung. Damit man im Hinblick auf die freiere Struktur des Essays nicht den roten Faden verliert oder zwischen einzelnen Argumenten springt, empfiehlt sich eine genaue Planung und Vorstrukturierung des Textes. 

Um einen Anfang sowie Argumente zu finden, welche die eigene Meinung herausbilden und stützen, können während der Recherchephase Fragen gestellt werden: 

  •  Was finde ich gut? Womit kann ich mich identifizieren? 

  •  Was stört / ärgert mich? 

  •  Was fehlt mir? 

  •  Was verstehe ich nicht? 

  •  Was fällt mir (wohlmöglich mehrfach) ins Auge?


Wenn auf diese – oder andere – Fragen Antworten gefunden sind, können die Ideen, Argumente und Gedankengänge geordnet und logisch strukturiert werden. Aus dieser Struktur ergibt sich schließlich der rote Faden der Argumentation. 

Die Klarheit über die Inhalte dient ebenfalls dazu, die Formulierung des Themas und der Fragestellung zu präzisieren und endgültig festzusetzen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, eine These zu formulieren, die der Argumentation zugrunde liegt.


Im Schluss wird ein Fazit dargelegt, wobei auch der eigene Standpunkt noch einmal abschließend verdeutlicht werden kann. Zudem bietet sich für den Schluss ein Ausblick an, der eine weitere Perspektive auf das gewählte Thema offeriert. 

 

7.4.2 Argumentation 

Ein Essay wird umso schlüssiger, je mehr Argumente verwendet werden, um die eigenen Gedankengänge zu stützen.  Es ist jedoch unabdingbar, dass die Darstellung trotz der bewussten Subjektivität auf Fakten basiert, d. h., dass die aufgeführten Argumente nachvollziehbar sind. Diese können sich zum einen mit bereits vorhandenen (wissenschaftlichen) Positionen auseinandersetzen und diese reflektieren, zum anderen können eigene Thesen und Gedanken geäußert werden. Unterstützend empfiehlt es sich, Beispiele zu geben. 

Bestandteil eines Essays ist es nicht, Definitionen zu nennen oder Theorien, Modelle etc. aus der Literatur wiederzugeben. Stattdessen sollen vorhandene Aussagen bewertend zu einem eigenen Gedankengang verknüpft werden, der schlussendlich zu einem begründeten Standpunkt führt. Weiterhin sollte Raum für den Leser bleiben, eigene Ideen und Interpretationen zum Thema zu entwickeln. Ein Essay sollte somit eher Denkanstöße bieten. Diese Denkanstöße sollten jedoch die vom Verfasser vertretende Meinung stützen, sodass am Ende des Textes ein klar bezogener Standpunkt erkennbar ist. 

Daran schließt an, dass das Ziel eines Essays nicht in der Vollständigkeit der Darstellung besteht. Stattdessen wird das Thema aus einem großen Kontext gelöst und bearbeitet; der Fokus bleibt allein auf dem gewählten Teilaspekt. Folglich ist auch der Anspruch an die Literaturrecherche nicht, das gesamte Themengebiet zu verstehen und zu durchdringen, sondern eine Auswahl zu treffen, welche die Grundlage für eigene Gedanken bildet. 
Diesen Forderungen entsprechend handelt es sich beim Essay um eine Textform mit geringer Länge, aber hoher Prägnanz. Die einzelnen Argumente müssen dargelegt und erklärt werden, wobei sich aber kurz gefasst werden sollte. Wichtig sind demzufolge präzise Formulierungen, die die Prägnanz des Textes unterstützen. Da ein Essay das Ziel hat, die Leser anzusprechen und zum (Weiter-) Denken anzuregen, ist es bei dieser Textsorte besonders wichtig, eine klare und verständliche Sprache zu verwenden. 

Gerade aufgrund der großen (subjektiven) Freiheiten, die der Essay als Textsorte offeriert, empfiehlt es sich, auf konkrete Hinweise vom betreuenden Dozenten zu achten, sofern im Rahmen des Studiums ein Essay geschrieben werden soll. 

 

7.5 Exposé


7.5.1 Funktion


Im Rahmen des Verfassens einer wissenschaftlichen Arbeit ist es wichtig, die eigenen Gedanken, Ideen und Konzepte nicht eingangs zu entwerfen und dann als festgesetzt anzusehen. Vielmehr sollten die eigenen Gedanken und Entwürfe fortwährend überdacht und überarbeitet werden – dies gilt gleichermaßen für die Inhalts- und die strukturelle Ebene. Ziel sollte es sein, das Konzept immer weiter zu optimieren, wobei sich dieses Optimum unmöglich bereits beim ersten Festhalten von Ideen, einer Gliederung o. Ä. erreichen lässt.
Eine wissenschaftliche Textform, die diesen Prozess der Überarbeitung und Optimierung begleiten und fördern kann, ist das Exposé. 

Verfasst wird ein Exposé zu Beginn des Arbeitsprozesses und es enthält die inhaltliche und argumentative Planung für die spätere wissenschaftliche Arbeit. Auf der so geschaffenen Grundlage können Diskussionen geführt oder weiterreichende Arbeiten, wie z. B. genauere Recherchen, eingeleitet werden. Weiterhin bietet ein Exposé eine gute Gesprächsgrundlage – entweder für ein Gespräch mit dem betreuenden Dozenten oder auch für eine Diskussion mit anderen Seminarteilnehmern. 

Vor allen Dingen für den Schreibenden selbst kann das Exposé jedoch hilfreich im Arbeitsprozess sein: So bietet es ihm einen Überblick über das Vorhaben und die mit ihm verbundenen Anforderungen. Im Idealfall kann ein fertiges Exposé sogar als direkte Basis für die eigentliche Arbeit genutzt werden – wobei inhaltliche Ausgestaltungen und Erweiterungen unabdingbar sind. Ein gut gestaltetes Exposé kann in diesem Sinne als schriftliche Grundlage verstanden werden, die während des Schreibens als Leitfaden und Rückversicherung dienen kann. Verhindert wird somit, dass ein Schreibender vom eigentlichen Thema und der Fragestellung abweicht oder essenzielle Begriffe und Inhalte vergisst. 

 

7.5.2 Inhalt 

Zu den wesentlichen Kernaspekten eines Exposés gehört zum einen der Themenbereich der geplanten wissenschaftlichen Arbeit und darauf aufbauend zum anderen das genau eingegrenzte Thema.  

Im Kontext eines Universitätsseminars ist der Themenbereich meist gegeben, entweder durch den Seminartitel selbst, oder durch ein in einigen Sitzungen behandeltes Themenfeld. Ein Beispiel wäre der Themenbereich "Phantastische Kinder- und Jugendliteratur". Im Rahmen des Exposés wird dieses Thema nun weiter begründend ein- und abgegrenzt, um aufzuzeigen, wie sich dem Themenbereich genähert werden kann und warum ein Teilbereich davon genauer betrachtet werden soll; z. B. "Phantastische und realistische Elemente in C. S. Lewis' Narnia". 

Diese beiden inhaltlichen Kernaspekte sind sehr stark an die Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit angelehnt. Somit kann – bei detaillierter Vorgehensweise – das Exposé als Grundlage für die Einleitung genutzt werden. Zu beachten ist jedoch, dass gerade diese beiden Kernaspekte während der Arbeit am Exposé fortwährend überdacht und ggf. überarbeitet werden sollten. Dies gilt insbesondere, da weiterführende Recherchen durchaus Modifikationen von Formulierungen oder der inhaltlichen Ausrichtung auslösen können. 

Im Anschluss an die schematische Darlegung des Themas steht dessen inhaltliche Ausfüllung im Fokus des Exposés. In diesem Teil muss deutlich werden, auf welche Inhalte sich im Rahmen der Arbeit berufen wird. Hierzu werden Kern- bzw. Schlüsselbegriffe genannt. Geachtet werden sollte in diesem Kontext auf Vollständigkeit. So sollten die genannten Kern- und Schlüsselbegriffe alle Schwerpunkte der geplanten Arbeit abdecken und zudem durch vorangegangene Recherchen gesichert sein. Die Recherche muss zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen sein. 

Durch das Aufschreiben der Kernbegriffe und die weitere Beschäftigung mit diesen werden sich weitere Inhalte und Begriffe ergeben, die zwar nicht im ursprünglichen Exposé enthalten, aber trotzdem wichtig für die Arbeit sind.
 Die Funktion der Kernbegriffe ist es, innerhalb des großen Rahmens des Themas weitere kleine Rahmen aufzuspannen, die dann im eigentlichen Schreibprozess mit Inhalten, Erläuterungen und Analysen gefüllt werden. Somit sollten die Begriffe selbst Teil der späteren Arbeit sein. 

Vielfach sind die Kernbegriffe wissenschaftliche Ausdrücke bzw. Fachbegriffe, die eine spezifische Bedeutung für den Fachbereich, das Themenfeld oder das Thema aufweisen. Diese Begriffe sollten jedoch nicht ohne Erläuterungen in das Exposé übernommen werden. Stattdessen sollten sie definiert und erläutert werden – eventuell in Rückbezug auf Theorien –, da sich so vielleicht Zugänge zu weiteren Inhalten und Begriffen eröffnen. Diese Definitionen können ebenfalls im Exposé aufgeführt werden. Ist dies der Fall, sollten sie mit Kurzbelegen versehen werden, um zum einen die Wissenschaftlichkeit der Definition aufzuzeigen und um Ansatzpunkte für spätere Recherchen zu haben. 

Ist der inhaltliche Rahmen des Themas gesteckt, ist es wichtig, dieses weiter zu spezifizieren, indem eine Fragestellung und eine Zielsetzung entworfen werden. Dies kann jedoch erst im Anschluss an die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema geschehen, da ohne dessen genaue Kenntnis keine derartige Eingrenzung möglich ist. Nur, wenn der Inhalt verstanden wurde und detailliert bekannt ist, kann abgeschätzt werden, welche Teilaspekte es sich zu erforschen lohnt bzw. welche davon ergiebig genug für eine weitere Beschäftigung sind. Mit der Formulierung der Fragestellung und der Zielsetzung wird endgültig festgeschrieben, welchen Gegenstand die wissenschaftliche Arbeit haben wird, sprich, welcher Inhalte des Themenfeldes und des Themas sich bedient wird. 

Im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens innerhalb des Studium muss mithilfe der gewählten Fragestellung nicht 'das Rad neu erfunden werden'. Vorrangig werden bereits in der Forschung vorhandene Inhalte aufgearbeitet, indem sie z. B. aus einer neuen Perspektive oder mit einer neuen Zusammenstellung von Analyseansätzen untersucht werden. 

Schlussendlich gehört es zum Verfassen eines Exposés, Thesen zu dem Thema und explizit zur Beantwortung der Fragestellung zu entwerfen. Diese dienen in der wissenschaftlichen Arbeit als Grundlage für die Auseinandersetzungen und Argumentationen. 

Hilfreich kann es weiterhin sein, eine vorläufige Gliederung auf der Grundlage der Kernbegriffe und damit des inhaltlichen Überblicks zu entwickeln. Dies macht die Herangehensweise transparent und ermöglicht so auch eine gezielte Rücksprache mit dem Dozenten. Des Weiteren wird dadurch ein roter Faden geschaffen, der im späteren Prozess des Schreibens ausgearbeitet werden muss und der gleichzeitig Orientierung bietet. 

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