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[29.03.2021]

Für einen Sammelband zum Thema Intersektionalität und erzählte Welten. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven auf Literatur und Medien wird um Beiträge gebeten. Abstracts können bis zum 30.04.2021 eingereicht werden.

Mit dem Schlüsselbegriff der Intersektionalität gelang es der Juristin Kimberly Crenshaw 1989 auf die unsichtbare doppelte Diskriminierung hinzuweisen, der Schwarze Frauen im Kampf um ihre Arbeiterinnenrechte in den Vereinigten Staaten ausgesetzt waren (vgl. Crenshaw 1989). Damit verlieh sie dem Aufruf der Women of Color ein starkes Sinnbild für die Kraft der sich überschneidenden Ausgrenzungsargumente, die es zu entlarven galt und noch gilt (vgl. Combahee River Collective 1977; Anzaldúa/Moraga 1981). Die darauffolgende Debatte hat inzwischen zu einem mehrdimensionalen Verständnis von sozialer Ungleichheit geführt (vgl. Degele/Winker 2007; Walgenbach 2012). In den letzten Jahren übertragen immer mehr Publikationen dieses Verständnis aus der kritischen feministischen Theorie in die Geisteswissenschaften.

Auch im Bereich der Literatur- und Medienwissenschaften erweisen sich intersektional angelegte Analyseverfahren, die zunächst in den Sozialwissenschaften entwickelt wurden, zunehmend als produktiv. Dabei steht vor allem zur Diskussion, ob und wie Intersektionalität als Analysewerkzeug genderorientierte und postkoloniale Forschung erweitern kann, für welche Korpora eine intersektional ausgerichtete Analyse produktiv ist und wie die Ergebnisse verifizierbar dargestellt werden können (vgl. Schnicke/Klein 2014).

Im Bereich der Literatur- und Mediendidaktiken spielen intersektionalitätstheoretische Konzepte hingegen erst in Ansätzen eine Rolle (vgl. u.a. Dannecker 2020). Dies überrascht umso mehr, als in den letzten Jahren zunehmend Vorschläge für einen inklusiven Literaturunterricht entwickelt werden (vgl. u.a. Olsen/Hochstadt 2019), die den Anspruch verfolgen, neben der Differenzkategorie Behinderung auch Klasse, Geschlecht/Sexualität und Nation/Ethnizität als zentrale Dimensionen sozialer Ungleichheit zu berücksichtigen. Inwiefern das Intersektionalitätsparadigma bestehende literatur- und mediendidaktische Konzepte und Modelle erweitern und neue Perspektiven auf Unterrichtsforschungen und -modellierungen eröffnen kann, steht noch aus.

Es sind Beiträge sowohl mit literatur- und medienwissenschaftlicher (Teil I) als auch mit literatur- und mediendidaktischer Schwerpunktsetzung (Teil II) erwünscht, die Beitragsausrichtung kann dabei sowohl empirisch als auch theoretisch sein.

Teil I: Literatur- und Medienwissenschaften

Wenn Diskriminierungsdiskurse in den Blick genommen werden, wird insbesondere anhand medialer Repräsentationen deutlich, dass Selbstwahrnehmungen und Rollenzuschreibungen sozial verhandelt und konstruiert werden: Figuren werden in bestimmte soziale Positionen gebracht, die ihre Selbstwahrnehmung beeinflussen und die Reproduktion von Rollen zementieren. In der Analyse dieser Prozesse eröffnet das Konzept der Intersektionalität sein großes Potential und bietet neue Perspektiven auf das literarische und mediale "Leben" von Figuren sowie deren Charakterisierung, indem es Etiketten, Schubladen und Essentialismen sichtbar macht. Zentrale Forschungsfragen, die im Sammelband verhandelt werden können, betreffen nicht nur die zu analysierenden Texte, sondern auch deren Produktion und Rezeption:

Teil II: Literatur- und Mediendidaktik(en)

Neben diesen literatur- und medienwissenschaftlichen Fragestellungen spielen für ein sinnvolles Zusammendenken von Intersektionalität und Literatur- und Mediendidaktiken folgende Fragen eine wichtige Rolle, die einerseits die literarischen Texte und Medien betreffen (textseitiger Blick), sich andererseits v.a. aber auch auf die Akteur:innen beziehen, also auf die Lernenden und Lehrenden in ihrer sozialen Situierung (lehr- und lernseitiger Blick). Sie können im Sammelband sowohl aus empirisch-deskriptiver als auch theoretischer-normativer Perspektive beleuchtet werden:

Interessierte können bis zum 30.04.2021 ein Kurzexposé (ca. 300 Wörter) sowie eine Kurzbiografie an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (literatur- und medienwissenschaftliche Ausrichtung) oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (literatur- und mediendidaktische Ausrichtung) senden.

Der Sammelband wird auf der Plattform Fachinformationsdienst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (https://www.avldigital.de/) im Open Access veröffentlicht. Erwünscht sind Beiträge im Umfang von 40.000-60.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) bis 01.10.2021.

[Quelle: Call for Papers]