rezensiert von Antonia Wrona, Alexandra Reinhardt und Lea Neubert

Das Bilderbuch Arche Ahoi! von Mirjam Zels interpretiert die biblische Geschichte der Arche Noah neu und verschafft damit auch jüngeren Kindern einen leichteren Zugang zu dieser.

Zels, Mirjam (Text und Ill.): Arche Ahoi!
Camino, Stuttgart, 2020.
32 Seiten. 19,95 €
ISBN 978-3-96157-111-6.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Die Geschichte ist altbekannt, wird aber hier aus einem neuen Blickwinkel erzählt: Auf der Flucht vor der großen Flut müssen Noah, seine Frau und eine Vielzahl verschiedener Tiere auf engstem Raum in der Arche zusammenleben. Zu Beginn dieses Abenteuers sind alle Figuren mit der Situation äußerst unzufrieden und überfordert. Dabei liegt der Fokus zunächst auf Gewohnheiten und materiellen Dingen, die den Charakteren fehlen. So vermisst das Krokodil seine Zahnbürste und auch der Pinguin fragt sich, wo seine Wärmflasche abgeblieben ist. Dennoch wissen die Schiffsbewohnerinnen und -bewohner: "Und weit und breit kein Land in Sicht". Sie ecken durch ihre unterschiedlichen Eigenschaften auf engstem Raum an.


Abbildung 1: Mirjam Zels: Arche Ahoj. Stuttgart: Camino-Verlag 2020. S. 7/8.

Andererseits drücken sie auch verbal ihre Unzufriedenheit über Verhaltensweisen ihrer Mitbewohnerinnen und Mitbewohner aus, was durch Sätze wie "Das Huhn lässt überall seine Eier liegen" deutlich wird. Es entwickelt sich ein Streit, bei dem Noah versehentlich über Bord fällt. Nur mit vereinten Kräften schaffen die Tiere es, Noah wieder an Bord zu holen. Ihnen wird bewusst, was sie aneinander haben, und dass ihre Unterschiedlichkeit ihre größte Stärke darstellt. Für vorher entstandene Probleme finden sie innovative Lösungen, sodass das Zusammenleben plötzlich Spaß macht. Sie merken, dass man sich erst richtig kennenlernen muss, um zusammenwachsen zu können.

Abbildung 2: Mirjam Zels: Arche Ahoj. Stuttgart: Camino-Verlag 2020. S. 27/28.

Als plötzlich Land in Sicht ist, freuen sich die Tiere und Noah zwar über ihre Ankunft, haben aber auf der Reise gemerkt, dass vor allem das Miteinander wichtig für ein glückliches Leben ist. Die Arche bleibt für alle ein zweites Zuhause, mit der sie auch in Zukunft Ausflüge planen.

Kritik

Mit Arche Ahoi! legt die junge Autor-Illustratorin Mirjam Zels (geb. 1989) bereits das zweite Bilderbuch vor, in dem sie sich mit einer biblischen Erzählung befasst und diese humorvoll für jüngere Leserinnen und Leser aufbereitet. Während in Turmbau geht schief (erschienen 2019 bei camino) der biblische Turmbau zu Babel in einer hochformatigen, schwarz-weiß illustrierten Bilderbuchausgabe verarbeitet wird, stehen im Fokus des vorliegenden Bilderbuches, das die Geschichte von Noahs Arche thematisiert, leuchtend farbig gestaltete Illustrationen. Hieran zeigt sich bereits die Vielseitigkeit von Zels' Schaffen. Überdies illustriert sie neben erfolgreichen eigenen Bilderbüchern (Fast wie Freunde, erschienen 2017 bei Kunstanstifter und ausgezeichnet mit der Serafina) Texte anderer Autorinnen und Autoren und wirkte auch schon an einem Animationsfilm mit.

Die Bilder werden in Arche Ahoi! nur teilweise mit Schrifttext ergänzt. Dabei verteilt sich eine Szene auf eine Doppelseite. So können Betrachterinnen und Betrachter die Bilder mitsamt ihren unzähligen Details entdecken und die Geschichte leichter nachvollziehen. Somit ist das Buch gerade auch für jüngere Kinder ab circa drei Jahren geeignet. Es gibt allerdings auch Seiten, bei denen der Schrifttext in Form von Sprechblasen dominiert, dabei jedoch auch Details zu den einzelnen Charakteren verrät. Es bedarf daher der elterlichen Begleitung und Vermittlungsfähigkeit, um die Geschichte für die Kinder erfahrbar machen zu können. Die Erzählung von Mirjam Zels weist witzige Details auf, die schon fast einem Wimmelbuch gleichen und erst beim genauen Betrachten und Vergleichen der Illustrationen auffallen. Damit ist das Bilderbuch sicherlich auch für ein mehrfaches Anschauen und Lesen geeignet, da immer wieder neue Details und Überraschungsmomente gefunden werden können, die das Buch nicht langweilig werden lassen.

Obwohl die Geschichte subtil Einzelheiten der biblischen Erzählung übernimmt, wie beispielsweise die Konstruktion der Arche (Holz, dreistöckig), wird dennoch ein eigener Schwerpunkt gelegt. Mirjam Zels entwickelt eine Geschichte, die einen eigenen Spannungsbogen aufweist und bei der das Zusammenwachsen aller Beteiligten im Vordergrund steht. Während Noah in der ursprünglichen Geschichte die zentrale Rolle spielt, befindet er bei Zels eher mit den Tieren auf einer Ebene. So wird beispielsweise der an ihn vergebene Auftrag Gottes, eine Arche zu bauen, nicht erwähnt. Stattdessen steht eher das Miteinander Noahs und der anthropomorph dargestellten Tiere im Vordergrund. Beide Elemente machen das Bilderbuch insbesondere für junge Betrachterinnen und Betrachter attraktiv.

Da gewisse Aspekte der Bibelgeschichte nebensächlich abgebildet werden (z.B. wird die große Flut lediglich im Paratext dargestellt), eignet sich das Bilderbuch nicht zur alleinigen Vermittlung der Bibelgeschichte. Stattdessen könnte man Zels' Werk verwenden, um Überschneidungen in beiden Büchern aufzugreifen: Kennen Leser*innen die Bibelgeschichte, dann lädt das Buch dazu ein, übernommene Details zu entdecken und diese dadurch in veränderter Betrachtungsweise wahrzunehmen. Somit können Kinder ihr Verständnis über die Bibelgeschichte durch die Lektüre dieses Werkes vertiefen. Dennoch kann man vermuten, dass auch wenn diese Kenntnis der Ursprungserzählung nicht vorhanden ist, Kinder trotzdem eine Bedeutung entschlüsseln können und ihnen die Moral, dass man sich zum Kennenlernen Zeit nehmen muss, nicht vorenthalten wird. Aus diesem Grund kann das Bilderbuch mit Kindern jeden Vorwissens gelesen werden und je nach Schwerpunktsetzung der Vorleser*innen tiefergehende Lesarten initiieren. Daher ist anzunehmen, dass sich die Behandlung von Arche Ahoi! sowohl als Ergänzung zum Religionsunterricht als auch im privaten Raum als Lesespaß mit der Familie eignet. Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch ein Abgleich mit anderen, vergleichbaren Bearbeitungen des Arche-Noah-Stoffs, etwa in Ulrich Hubs Theaterstück und Kinderbuch An der Arche um acht (Erstveröffentlichung 2007).

Fazit

Insgesamt bietet das Bilderbuch Arche Ahoi! einen schönen Anlass, um religiöse Bezüge und Zwischenmenschliches zu thematisieren. Die bunte, detaillierte und dadurch ansprechende Gestaltung des Buches lädt zu einem (Vor-)Lesespaß für Groß und Klein ab drei Jahren ein.

 Erstveröfffentlichung am 13.04.2021


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