von Philipp Schmerheim

Der Comic Hugo & Hassan zelebriert in zehn kurzen, pfiffigen Geschichten die Freundschaft zweier halbstarker Jungs, die schon ganz cool und männlich sein wollen, aber eigentlich noch liebe Kinder sind.

Aakeson, Kim Fupz (Text) /
Bregnhøi, Rasmus (Illustration):
Hugo & Hassan.

Aus dem Dänischen von Franziska Gehm.
Klett, Leipzig, 2020.
104 Seiten. 15,00 €
ISBN 978-3-95470-238-1.
Empfohlen ab 8 Jahren.
Leseprobe

Inhalt

Beim ersten Kennenlernen beleidigen sie einander erst einmal ausgiebig, beim zweiten Mal spielen sie möglichst brutale Kriegsspiele, beim dritten Mal prügeln sie sich um eine Rosine, mit der Hugo den im Ramadan fastenden Hassan ärgert: Hugo und Hassan sind zwei etwa zehn Jahre alte Rabauken, die im gleichen Häuserblock leben und gemeinsam den nicht immer aufregenden Alltag verbummeln. Der Band versammelt zehn jeweils um die zehn Seiten kurze Alltagsabenteuer, die auf einer ähnlichen Grundprämisse beruhen: Hugo und Hassan üben sich darin, möglichst coole, harte kleine Macker zu sein, doch am Ende der Episode zeigt sich, dass sie eigentlich auch immer noch kleine Jungen sind.

Beispielsweise gehen sie ins Schwimmbad, wo sie die tollsten Arschbomben hinlegen und vom höchsten Turm springen wollen, aber erstmal werden sie vom Bademeister dazu verdonnert, sich vernünftig zu duschen, bevor sie ins Wasser gehen dürfen. Und auch vom 10-Meter-Turm muss der geplagte Mann die beiden Jungen einsammeln, denn natürlich erstarren sie vor Angst, als sie vom Sprungbrett in die Tiefe schauen…

Dass Hugo ein weißer, christlicher Däne ist und Hassan ein muslimischer Däne mit Eltern, die eine Migrationsbiographie haben, das wird in einigen der Episoden zwar mitthematisiert, steht aber nie im Zentrum der Erzählungen. Hugo & Hassan ist die Geschichte zweier kleiner Jungen, die für den Geschmack der Erwachsenenwelt zu viel dummen Schabernack treiben; der Austausch über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten ist demgegenüber eher Begleiterscheinung. So erzählt Hassan Hugo, was Ramadan ist, während die beiden sich Splatter-Videos auf YouTube reinziehen. Hugo nutzt den neuen Wissensbrocken dazu, Hassan mit der "letzten Rosine" aufzuziehen, die er nun genüsslich verspeisen möchte. Natürlich steigern sich beide Jungen derart in ein Wortgefecht hinein, dass es zur unvermeidlichen Prügelei kommt. Als Hugos Mutter wissen will, was los ist, sind die Jungen wieder eine vereinte Front der Erwachsenenwelt gegenüber: "Das muss man nicht verstehen."

Kritik

In Dänemark sind Kim Fupz Aakeson und Bregnhøi preisdekorierte Veteranen der Kinder- und Jugendliteratur, die bereits vor Hugo und Hassan an verschiedenen Projekten wie Heks! (2016) oder De grimme børn (2011) zusammengearbeitet haben. Hugo & Hassan, 2016 unter dem Originaltitel Mogens og Mahdi erschienen, ist in Dänemark so erfolgreich, dass es bereits ein Sequel Mogens of Mahdi forever (2018) sowie Auskopplungen einzelner Episoden als Kurzbilderbücher gibt.

Die deutsche Übersetzung von Franziska Gehm fängt den Wortwitz und das halbstarke Gehabe der beiden Jungen auf unprätentiöse Weise ein. Die karikaturistisch anmutenden Strichzeichnungen betonen die überbordende, schnell ins jeweilige Gegenteil kippende Emotionalität der präpubertären Hauptfiguren. Im Fokus stehen dabei jeweils die Figuren, Hintergründe werden von Bregnhøi vorwiegend ausgestaltet, um das Setting einer Szene zu etablieren oder eine Episode zu beenden. Häufig dominieren die Sprechblasen das Bild, die farbig gefüllt sind und dabei jeder Figur eine eigene Farbe zuweisen: Hassans Sprechblasen sind braun gefärbt, Hugos Sprechblasen hellblau. Dies erleichtert gerade leseschwachen Kindern das Lesen.

Zielgruppe des Buchs sind vor allem Jungen, die Spaß an klamaukigen, humoristischen Geschichten haben. Zugleich ist den Geschichten auch eine Erwachsenenperspektive eingeschrieben, denn die holprigen Probeläufe in Männlichkeitsentwürfen, die sich letztlich immer selbst entlarven (ohne dass das den Jungen notwendigerweise klar ist), dürften für manche Eltern Wiedererkennungswert haben.

So verhandelt der Comic im Gewand von Jungsstreichen in der aktualisierten Tradition von Astrid Lindgrens Michel aus Lönneberga auch die Frage, was eigentlich Männlichkeit bzw. sogenanntes männliches Verhalten bedeutet.

Fazit

Diese Zweierrasselbande wächst einem schnell ans Herz. Besonders gut sind die kurzen Geschichten darin, das Spiel der Jungen mit Männlichkeitsbildern herauszuheben und zugleich zu hinterfragen, ohne einen pädagogischen Zeigefinger zu heben. Für Kinder und insbesondere Jungen ab etwa acht Jahren zu empfehlen!

Erstveröffentlichung: 04.02.2021

 


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