von Kirsten Kumschlies

Hurra! Hühnchen, der in Wirklichkeit Alexander Huhn heißt, freut sich unbändig, weil sein bester Freund und Nachbar Matz bei ihm übernachten darf. Die Sache hat aber einen Haken: Sie würden viel lieber zur Kostümparty der Erwachsenen gehen, auf der die Eltern eingeladen sind. Die Freunde hecken einen gewitzten Plan aus, um doch noch auf den Maskenball zu dürfen, und schlittern im Zuge dessen in ein lustiges Abenteuer. Eine Geschichte voller Leichtigkeit und komödiantischem Übermut, die ein einfach-fröhliches Leseerlebnis für die ganze Familie bietet.

 

Städing, Sabine: Achtung Übernachtung! Das Geheimnis um das blaue Gespenst
Verlag Thienemann Esslinger, Stuttgart, 2020.
114 Seiten. 11,00 €
ISBN 978-3-522-50683-0
Empfohlen ab 8 Jahren.

Inhalt

Im Zentrum der kinderliterarischen Handlung steht der achtjährige Alexander Huhn, genannt Hühnchen. Seit er denken kann, ist Matz aus dem Nachbarhaus sein bester Freund. Das ist praktisch, denn die beiden Jungen wohnen sich direkt gegenüber und können sich daher "nachts mit Taschenlampen zublinken, Wäscheleinen von einer Wohnung zur anderen spannen und sich in kleinen Osterkörben geheime Nachrichten schicken" (S. 9).

Als die Freunde mitbekommen, dass ihre Eltern mitten im Sommer auf eine große Kostümparty eingeladen werden, sind sie Feuer und Flamme. Der Haken an der Sache: Kinder stehen nicht auf der Gästeliste. Wenigstens können sie ihre Eltern überreden, dass Matz in der Partynacht bei Hühnchen übernachten darf. Aber das ist den Jungen nicht genug. Sie setzen alles daran, um auch auf den Maskenball gehen zu können, und hecken einen listigen Plan aus. Der Vater ihres Klassenkameraden Kaya betreibt nämlich eine Änderungsschneiderei. Diese suchen sie auf und bitten um ein Gespensterkostüm, in das sie beide reinpassen, einer auf den Schultern des anderen. Doch der Schneider winkt ab: Das sei viel zu gefährlich, sie könnten sich in den Laken verheddern und stürzen. Kayas Cousin Omid, der Modedesigner werden will, sieht das weniger eng. Ohne Wissen der Erwachsenen näht er Matz und Hühnchen für ein Taschengeld ein funktionales Gespensterkostüm, das den gewünschten Zweck erfüllt: Sie schleichen sich auf die Kostümparty ein. Dort überschlagen sich die Ereignisse. Dass die Verkleidung der Jungen schnell auffliegt, weil sie beim Tanzen stolpern, gerät rasch zur Nebensache, als sie einen Mann im Kängurukostüm beim Diebstahl von Geldbörsen und Handys beobachten. So überführen Matz und Hühnchen schließlich einen Dieb – und an der Kostümparty haben sie auch teilgenommen!

Kritik

Sabine Städing, die vor allem durch ihre Petronella Apfelmus-Serie bekannt ist, liefert mit dieser kurzweiligen, leicht lesbaren Geschichte beste kinderliterarische Unterhaltung, in dem Stil, den man auch aus ihren Erzählungen von der liebenswerten Hexe kennt. Bemerkenswert ist, dass es ihr gelingt, Spannung allein aus dem kindlichen Alltagserleben zu generieren, indem sie in erster Linie auf die den meisten Kindern eigene Freude an Maskerade und am Verkleiden setzt. So gerät der Kinderroman (der dem kinderliterarischen Geschichtenerzählens im Sinne von Ewers zugeordnet werden könnte) mit seinen komödiantischen Elementen in die Nähe einer Karnevaleske. Kinderliterarisch inszeniert ist die Lust am Versteckspiel, am Geheimnis und der Kostümierung, die am Ende mit Elementen einer Kriminalgeschichte gekoppelt sind, indem ein Känguru als Dieb auftritt. Gerade zum Finale hin nimmt die Handlung an Fahrt auf, denn mit dieser überraschenden Wendung auf der Kostümparty rechnen weder Figuren noch Leserinnen und Leser. Die Jungen bekommen somit für den unerlaubten Besuch keinen Ärger, sondern Anerkennung für die Überführung des Diebs. Der Rest wird einfach weggelacht. Der Maskerade-Streich erinnert in seiner Anlage an die vielen unartigen Kinder aus kinderliterarischen Klassikern, allen voran Michel aus Lönneberga und Pippi Langstrumpf, die die Lust am Verkleiden ebenso lustvoll inszenieren und die kindliche Welt voller Spielfreude von der erwachsenen absetzen.

Städing hat eine kleine, feine Geschichte vorgelegt, die aufgrund ihrer Leichtigkeit insbesondere für die Leseförderung auch ungeübter Leserinnen und Leser geeignet ist. Nicht nur der Handlung ist spielerische Leichtigkeit zuzuschreiben, sondern auch strukturell kann der Kinderroman in die Nähe vereinfachter Lektüren gerückt werden. Er zeichnet sich aus durch einfache Syntax, Großdruck und zahlreiche Illustrationen von Anna-Lena Kühler, die sich fast auf jeder Seite finden. Vor diesem Hintergrund ergibt die Empfehlung von boysandbooks.de in der aktuellen Herbst-Shortlist durchaus Sinn. Dass die Freunde allerdings mit einem Walkie Talkie kommunizieren, irritiert im digitalen Zeitalter ein wenig, wo doch die meisten Grundschulkinder heutzutage über ein eigenes Smartphone verfügen. Das mutet in der sonst so alltagsnahen Kindergeschichte schon ein wenig anachronistisch an. 

Ansonsten bleibt viel Freude an der Maskerade zwischen den Buchdeckeln und besagte spielerische Leichtigkeit fernab jeder Problematisierung, was ja gerade in den Corona- und Lockdown-Zeiten auch mal guttut. Vielleicht aber auch eine Lektüre, die man schnell wieder vergisst und als banal abtut.

Fazit

Einfach erzählt, ideal für Leseanfängerinnen und Leseanfänger und eine komödiantische Freude! Daher: Schönes Lesefutter für Kinder ab 8 Jahren – für ebensolche kurzweiligen Texte ist Sabine Städing Expertin. Das wissen alle Fans von Petronella Apfelmus längst, und sie werden auch hier nicht enttäuscht.

Erstveröffentlichung: 01.03.2021


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