von Mirijam Steinhauser

Herr Fuchs mag Bücher zum Fressen gern – am liebsten mit einer Prise Pfeffer und Salz. Das bringt ihn zuerst in Schwierigkeiten und dann auf eine ausgezeichnete Idee…

Inhalt

Biermann, Franziska: Herr Fuchs mag Bücher!
mixtvision, München 2015 [EA 2001 bei Rowohlt Taschenbuch].
64 S., 12,90 €
ISBN 9783-95854-020-0

Der kleine Herr Fuchs verschlingt Bücher im doppelten Wortsinn: Zuerst liest er sie, dann frisst er sie auf, um sowohl seinen Bildungshunger als auch den ganz körperlichen zu stillen. Als sein Appetit immer größer wird, verpfändet er zunächst sein ganzes Mobiliar, um neues Lesefutter zu besorgen, und entdeckt dann die Bibliothek als geeignete Quelle. Nachdem ihm dort wegen "unsachgemäßen Büchergebrauchs" Hausverbot erteilt wird und der Verzehr von Werbeprospekten zu Verdauungsproblemen führt, wird Herr Fuchs zum Bücherdieb in seinem Lieblingsdelikatessenladen, der Buchhandlung an der Ecke. Sofort kommt man ihm auf die Schliche und er muss ohne Bücherfutter in einer Gefängniszelle darben, bis ihm ein großartiger Einfall kommt: Er schreibt selbst ein Buch, wobei ihm "die Einfälle […] nur so aus dem Bleistift" rauschen.

Herr Schultz, der Gefängniswärter, wird zum begeisterten Leser und später zum Verleger des ersten Fuchs-Romans. Alles Weitere "lief genauso wie im Märchen": Das Buch wird ein Kassenknüller, verfilmt und in siebzehn Sprachen übersetzt. Herr Fuchs wird aus dem Gefängnis entlassen, ein "stinkreicher Millionär" und weltberühmter Schriftsteller, der am liebsten seine eigenen Bücher verspeist.

Kritik

Herr Fuchs mag Bücher! ist eine äußerst humorvolle Hommage an das Lesen und eine Persiflage auf den Buchmarkt. 2002 wurde es mit dem zweiten Platz beim Troisdorfer Bilderbuchpreis ausgezeichnet (http://www.troisdorf.de/bilderbuchmuseum/preise_stipendien/  bilderbuchpreis/gewinner.htm?recordstart=4) und ist jetzt noch einmal im mixtvision Verlag erschienen.

Ähnlich wie das Bilderbuch Der unglaubliche Bücherfresser von Oliver Jeffers spielt die Geschichte mit dem Motiv des Wörtlichnehmens von Redewendungen, die das Lesen als rausch- und zwanghaften, der Nahrungsaufnahme ähnlichen Genuss charakterisieren. Zwar verspeist Herr Fuchs für gewöhnlich seine Lesenahrung ganz gesittet am Tisch mit Messer und Gabel – ein Beispiel für die Anthropomorphisierung des Protagonisten, der auch auf zwei Beinen geht. Wenn er hungrig wird, kann es aber auch zu einem wahren Verschlingen des Lesestoffes kommen.

Die Illustrationen kombinieren eine plakative Malweise aus schwarzen Umrandungen und leuchtenden Farben mit collageartigen Bildelementen, die neben Mustern und Bildern auch Textbestandteile enthalten. So sind immer wieder Buchstaben und Wortschnipsel, aber auch ganze Texte (das Lied Fuchs, du hast die Gans gestohlen in einem vom Fuchs verschlungenen Buch; handschriftliche Auszüge aus seinem eigenen Werk) in die Illustrationen integriert. Innerhalb der Texte im Bild finden sich intertextuelle Anspielungen wie Buchtitel auf den vom Fuchs verzehrten Werken oder der Autorinnenname auf der Nachbartür der Fuchswohnung. Gekonnt werden Elemente des Comics wie Denk- und Sprechblasen eingesetzt.

Auch der eigentliche Text, der teils auf weißen Flächen, teils auf Farbfeldern der Bilder zu sehen ist, wird mithilfe von Kursivierungen, Fettdruck, Zeilensprüngen und Größenunterschieden gestaltet. Insgesamt zeigt sich die Professionalität der Autor-Illustratorin Franziska Biermann als Gestalterin, die ihren eigenen Text einfallsreich umsetzt.

Fazit

Für Kinder ab ca. sechs Jahren, die selbst schon die Verlockungen des (Vor-)Lesens kennengelernt haben, ist Herr Fuchs mag Bücher! eine unterhaltsame Geschichte, was sich besonders in Vorlesesituationen realisieren dürfte. Eingesetzt werden kann das Buch auch im Rahmen der Leseförderung im Deutschunterricht der Grundschule. Dabei können Redewendungen zum Lesen, eigene Lesevorlieben sowie Institutionen und Abläufe der Literaturentstehung und -vermittlung berücksichtigt werden. Dies ließe sich weiterhin verbinden mit Buchvorstellungen zu besonders leckerem "Lesefutter", aber auch mit Schreibaufgaben im Anschluss an die Schriftstellerkarriere des Fuchses (z. B. "Schreibe eine Geschichte, die dir selbst besonders gut schmecken würde"). Das Buch ist also sehr gut für die Lektüre und Arbeit mit Kindern geeignet, bietet sich aber auch als Geschenk für "Bücherfreunde jeden Alters" (Verlagsangabe im Klappentext) an.


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