von Nadine Böttcher
 
Hast du gewusst, dass in Zahnpaste Schweineteile verarbeitet werden? Oder die Fettsäuren, die in Waschpulver und Seifen für den perlenden Effekt verantwortlich sind, vom Schwein kommen? In  Iss was?! erhältst du Antworten auf 63 Fragen rund um den Fleischkonsum der Menschen sowie die Lebensbedingungen der Tiere.
 
Chemnitz, Christine (Text, Redaktion); Häfner, Gabriela (Text); Grotrian, Gesine (Bild): Iss was?! Tiere, Fleisch und ich.
Heinrich Böll Stiftung, 2016.
70 Seiten, Bestellung kostenfrei, zzgl. Versand unter www.boell.de.
ISBN 978-3-86928-150-6.
Empfohlen ab 13 Jahren.
 
Inhalt

Wie ist die Massentierhaltung entstanden? Welche Auswirkungen hat sie auf  Menschen und Tiere? Diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Fleisch werden in dem Sachbuch Iss was?! beantwortet. Zusätzlich werden Vergleiche zu anderen Ländern der Welt gezogen, um das Thema auch global zu betrachten. Welche Kosten verursacht eigentlich die Fleischindustrie und wer bezahlt das alles? Die US-Psychologin Melanie Joy bezieht Stellung zu der Frage ,Warum liebe ich Hunde, esse aber Kühe & Schweine?' Dem Leser wird verdeutlicht, dass er alleine dafür verantwortlich ist, welche Einstellung er zum Thema Fleisch zukünftig haben möchte. Die Unterschiede der einzelnen Gütesiegel werden erläutert und die Frage gestellt, welches davon jedermann gerne auf seiner Verpackung hätte. Abgepackte Lebensmittel sind mit Etiketten beklebt, doch was die Zahlen und Buchstaben bedeuten, wissen nur die Wenigsten. Auch hier wird Licht ins Dunkel gebracht und die unverständliche Information entschlüsselt. Welche Auswirkung hat der Fleischkonsum auf den Klimawandel und welche Akteure kämpfen dafür, dass sich etwas in der Fleischproduktion ändert? In diesem bunt illustrierten Sachbuch erhält der Leser Antworten. Damit sich der Rezipient leichter darin zu Recht findet, enthält dieses ein Zeichenlexikon. Darin wird erklärt, dass in diesem Buch mit Piktogrammen gearbeitet wird und welche Bedeutung diese haben. So steht der Hirsch nicht nur für das Tier an sich, sondern exemplarisch für alle Wildtiere, die verzehrt werden.
 
 
Kritik

Die Heinrich- Böll-Stiftung, die gemeinsam mit den Autorinnen Dr. Christiane Chemnitz und Gabriela Häfner sowie der Illustratorin Gesine Grotrian diese Broschüre erarbeitet hat, ist eine grüne politische Stiftung. Sie setzt sich für die Demokratie und Menschenrechte ein, für einen Schutz des globalen Ökosystems und die Gleichberechtigung der Geschlechter. Iss was?!, das bei der Stiftung kostenfrei erhältlich ist und auch als PDF heruntergeladen werden kann, wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert.
Besonders gelungen ist der Aufbau des Sachbuches. Es spricht den Rezipienten direkt an und gibt Handlungsanweisungen: "Du kannst dieses Buch überall aufschlagen – jede Seite steht für sich". Das Werk muss nicht linear gelesen werden sondern kann auf jeder Seite aufgeschlagen werden. Jede Doppelseite trägt eine eigene Überschrift inklusive einer knappen Erläuterung. Zur visuellen Unterstützung wird mit Diagrammen, Piktogrammen und Zeichnungen gearbeitet. Leider werden diese teilweise ungünstig eingesetzt, sodass einzelne Doppelseiten sehr überladen wirken und der Rezipient gar nicht weiß, wo er anfangen soll zu lesen (S. 27). Im Anhang sind die Quellen angegeben, woher die Stiftung ihre Zahlen und Fakten hat. Allerdings helfen diese nicht immer dabei, nachzuvollziehen, ob es sich bei den genannten Zahlen etwa um den Jahresdurchschnitt oder um die Mengenangabe pro Tag handelt. Die Realität der Fleischproduktion und die Tatsache, dass Bruderküken geschreddert oder vergast werden, werden direkt und ehrlich geschildert. Die Informationen über die Umstände, unter denen einige Tiere ihr Leben verbringen müssen, sind erschreckend und für sensible Kinder sicher ein Schock.
Iss was?! wurde in einer einfachen Sprache geschrieben und verzichtet auf komplizierte Fremdwörter. Durch die bunten Illustrationen und Piktogramme wird bei dem Rezipienten die Neugier geweckt, mehr über den Inhalt des Sachbuches zu erfahren. So wird beschrieben, dass jede Religion über ein eigenes Speisegesetz verfügt und die Unterschiede hinsichtlich der Essgewohnheiten von Buddhisten, Hinduisten, Muslimen, Christen und Juden werden übersichtlich und gut verständlich dargestellt. Die Themen Fleischkonsum, Tierhaltung und Umweltfolgen werden sachlich und objektiv aufbereitet, ohne den Umgang damit zu bewerten oder eine Meinung vorzugeben. Das Buch bietet eine gute Gelegenheit, Kinder hinsichtlich des Fleischverzehrs zu sensibilisieren und das Umweltbewusstsein zu fördern. Es wird keine Werbung für den Lifestyle-Trend Vegetarier oder Veganer gemacht. Vielmehr wird der Fokus darauf gelegt, dass man stärker darauf achtet, woher die Nahrung kommt und unter welchen Bedingungen die Tiere aufgewachsen sind.
In einer kleinen Nebenerzählung über das Leben des brasilianischen Ranchers und Rinderzüchters Salgado erfährt der Leser, dass selbst Fehler wie das Abholzen des Regenwaldes, wieder gut gemacht werden können und es nie zu spät ist, seine Meinung zu einem Thema zu verändern. Hier wird der Begriff der Wiederaufforstung erläutert und wie essenziell Umweltschutz wirklich ist.
 
Fazit

Iss was?! ist ein buntes Sachbuch über das Thema Fleisch. Trotz der teilweise überladenen Seiten erhält der Leser einen umfassenden Überblick darüber, welche Faktoren beachtet werden müssen, wenn wir das nächste Mal eine Currywurst an der Imbissbude nebenan bestellen. Ich empfehle das Sachbuch für Jugendliche ab 13 Jahren, da die grausame Wirklichkeit der Tierhaltung, die dort abgebildet und thematisiert wird, Kinder ab elf Jahren verstören könnte. Der Heinrich-Böll-Stiftung ist es gelungen, die Menschen anzuregen, über ihre Essgewohnheiten nachzudenken. Wer bis jetzt noch kein Vegetarier ist, wird es vielleicht, nachdem er Iss was?! gelesen hat, werden.

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